Keine Hochzeit und vier Todesfälle.

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Review | Kritik | Bewertung
Winterkartoffelknödel (2015)

Bewertung: 5 von 6
Studio: Constantin Film
www.winterkartoffelknoedel-film.de

Was sogenannte "Provinzkrimis" der deutsche Schriftstellerin Rita Falk betrifft, bin ich gewissermaßen vorbelastet. Meine Frau ist ein riesiger Fan der Franz Eberhofer Bücher - verschlingt jedes davon geradezu, wenige Tage nachdem ein neues auf den Markt kommt und berichtet mir jedes Mal begeistert von den Geschehnissen im fiktiven Niederkaltenkirchen. Für diejenigen unter uns, die oftmals nicht die nötige Zeit für humorvoll geschriebenen Lesestoff finden, ermittelte Schauspieler Sebastian Beezel in der Rolle des Dorfpolizisten Franz Eberhofer bereits 2013 auf der großen Leinwand. Eigentlich sein zweiter größerer Mordfall, schließlich folgt der Dampfnudelblues in der Chronologie auf den Winterkartoffelknödel. Dieser wurde jedoch als erstes verfilmt. Ein Jahr später setzte sich Ed Herzog erneut auf den Regiestuhl und inszenierte die schmackhafte Story, in der sich Eberhofer oftmals von seinen originären Aufgaben als Gesetzeshüter ablenken lässt.


Das zünftige Ergebnis gibt es jetzt – auch für alle Nicht-Bayern – auf Blu-ray, DVD und Video on Demand zu bestaunen. Es sind mysteriöse Umstände, die zu einem zweiten Unglück mit Todesfolge innerhalb der Familie Neuhofer führen. Nachdem sich das Familienoberhaupt schon ins Jenseits verabschiedete, weil er als Elektromeister die Gefährlichkeit einer Starkstromleitung unterschätzte, wird einer von zwei erwachsenen Söhnen vor der eigenen Haustüre von einem Baucontainer erschlagen. Kein schöner Anblick und der albanische Kranführer versteht die Welt nicht mehr. Zumindest tut er so und das Gespräch in Franz' Büro verläuft trotz Dolmetscher ergebnislos. Zwei Todesfälle in einer Familie in so kurzen Abständen, das klingt nach "ganz schön miesem Karma", wenn es nach dem beschwichtigenden Dienststellenleiter Moratschek geht. Doch Eberhofer glaubt nicht daran, vermutet einen eiskalt geplanten Mord und soll letztlich auch Recht behalten.

movie-winterkartoffelknoedel3Der Karabiner, an dem der Baucontainer hing, wurde bewusst manipuliert. Nur fehlt ein Motiv für eine Anklage und mit diesem eine tatverdächtige Person. Mit dem vermeintlichen Selbstmord der depressiven Mutter Neuhofer nimmt der Fall skurrile Ausmaße an und Franz gerät ins Grübeln: wer profitiert von der radikalen Dezimierung eines Mehrpersonen-Haushaltes an einer gut befahrenen Landstraße? Erst recht, als der noch verbleibende Sohnemann Hans plötzlich mit einem bestimmt nicht günstigen nagelneuen Muscle Car durch die Ortschaft heizt. Das geerbte Haus wird abgerissen. Ein Ölkonzern möchte darauf eine neue Tankstelle bauen, was den Geldsegen begründet. Franz Eberhofer tappt trotz sich verdichtender Hinweise lange Zeit im Dunkeln und muss einmal mehr auf den Spürsinn seines ehemaligen Münchener Kollegen Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) hoffen.

Selbstverständlich dürfen im Filmformat auch weitere wichtige Charaktere in Eberhofer's Umfeld nicht fehlen: Franz' Bruder Leopold "die alte Schleimsau" mit thailändischer Lebensgefährtin. Oma Eberhofer, die hervorragend kocht und stets nur das hört, was sie wirklich hören möchte sowie Enzi Fuchs als kiffender Vater Eberhofer. In Bayern heißen übrigens nicht alle Hans, Franz oder Josef – Rita Falk spielt eben gerne mit gängigen Klischees. Spannende Fragen für unseren Hauptakteur sind obendrein, wie es mit seiner zurecht eifersüchtigen Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) weitergehen kann, angesichts seiner Schwäche für eine geheimnisvolle Verführerin namens Mercedes Sonnleitner-Duchamp (gespielt von Jeanette Hain) oder wann ihm endlich sein befreundeter "Heizungspfuscher" Ignatz Flötzinger (Daniel Christensen) im Saustall eine wohlig warme Atmosphäre installiert. Der Winterkartoffelknödel ist also reichhaltig an Ideen und gut gewürzt mit der einen oder anderen Überraschung. Wohl bekomm's!



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Gemessen am Kinoerfolg (gerade im südlichen Teil Deutschlands) dürften weitere Filme nach der Vorlage von Rita Falk eigentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen. Mit Zwetschgendatschikomplott steht immerhin bereits der sechste Provinzkrimi der Franz Eberhofer Reihe in den Regalen der Buchhandlungen. Es gibt noch einiges aufzuholen und kaum jemand könnte den ungewöhnlichen Dorfpolizisten besser spielen als Sebastian Beezel, einer meiner aktuellen Lieblingsdarsteller aus dem eigenen Land. Ich bin gespannt, was da noch kommt und kann Winterkartoffelknödel herzlichst empfehlen.

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