Der Bart muss ab!

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Review | Kritik | Bewertung
Mortdecai - Der Teilzeitgauner (2015)

Bewertung: 3,5 von 6
Studio: Studiocanal
www.mortdecai.de

Charlie Mortdecai (Johnny Depp), Lord von Silverdale, ist nicht so ganz der britische Gentleman, wie er im Buche steht.  Zwar bemüht sich der oftmals unbeholfen wirkende Kunsthändler stets um einen gepflegten Umgangston, seine Geschäfte wickelt er jedoch in einem eher illegalen Rahmen ab. Was ihn zunehmend in Schwierigkeiten bringt… Zu Besuch in Hong Kong möchte Mortdecai dem schlecht gelaunten Fang Fat eine seltene Vase für 2 Mio. Pfund verkaufen. Eine hohe Summe, die dieser keineswegs zahlen möchte – noch dazu, wo er sich nach dem letzten Deal der beiden betrogen fühlt. Die Vase soll mit Gewalt in seine Hände übergehen und seinen Männern befiehlt er, dem geschwätzigen Kunsthändler einen Finger abzuschneiden.


Die Situation wird brenzlig, zum Glück weiß Charlie mit Jock Strapp (Paul Bettany) einen durchsetzungsfähigen und treu ergebenen Diener an seiner Seite, auf dessen Rettung er auch im weiteren Verlauf der Geschichte von Mortdecai – Der Teilzeitgauner wieder und wieder zählen kann. Sein eigenes Kämpferherz blinzelt nur ein einziges Mal kurz durch, ansonsten stolpert Depp mit gewisser Berechnung des Unterhaltungswerts vornehmlich von einer Situation in die nächste. Jock könnte einem fast leid tun, gerät er im Eifer des Gefechts mehrmals unter Eigenbeschuss durch Charlie Mortdecai. Zum Ausgleich verpasst ihm das amüsante Drehbuch (Eric Aronson) einen besonderen Schlag – nicht zuletzt beim weiblichen Geschlecht. Die Regie übernahm mit David Koepp übrigens einer der bestbezahlten Drehbuchautoren (Jurassic Park, Mission: Impossible, Illuminati), aber das nur als kleine Randbemerkung. Charlie kehrt also unversehrt in sein prächtiges Londoner Anwesen zurück und freut sich auf ein Wiedersehen mit seiner attraktiven Gattin Johanna (Gwyneth Paltrow).

movie-mortdecai2Selbiges fällt für den Lebemann jedoch ungewohnt unterkühlt aus, was an seinem neuesten Accessoire liegen dürfte… Die haarige Angelegenheit trägt er in Form eines Moustache im Gesicht. Johanna kann ihren Würgereflex kaum unterdrücken und verbannt den stolzen Bartträger kurzerhand ins Gästezimmer, weil er sich vehement weigert, das gute Stück für sie abzurasieren. Die eheliche Disharmonie ist nicht das größte Problem im Hause Mortdecai, schließlich steht man am Rande der Insolvenz. Alleine die Steuerschulden belaufen sich auf 8 Mio. Pfund und Johanna veräußert bereits die ersten wertvollen Erbstücke. In Oxford ereignet sich zeitgleich ein Kunstraub, der den MI5 in Person von Inspektor Alistair Martland (Ewan McGregor) in Alarmbereitschaft versetzt. Restauratorin Bronwen wurde von einem blutrünstigen Extremisten namens Emil Strago (Jonny Pasvolsky) hinterrücks ermordet, damit dieser ein im ersten Moment mittelmäßig erscheinendes Gemälde des spanischen Malers Francisco de Goya entwenden kann (das ganz nebenbei eher der bekleideten Maja ähnelt).

Dieses zeigt angeblich die „Herzogin von Wellington“ (wovon der Duke wohl nichts wusste, als er sich 1812 portraitieren ließ, Anm. der Red.) und galt längere Zeit als verschwunden. Das wirklich Wertvolle daran ist die Rückseite der Leinwand, auf der die Nummer eines gut gefüllten Schweizer Bankkontos von Hermann Göring stehen soll. Klingt weit hergeholt, bringt aber eine gewisse Dynamik in die Geschehnisse. Martland bittet Mortdecai um Hilfestellung bei den laufenden Ermittlungen. Weil er ihn für einen Experten auf dem Gebiet gestohlener Kunst hält? Vielleicht. Weil Alistair seit dem Studium unsterblich in Johanna verliebt ist und seinen Konkurrenten beschäftigen möchte, während er erneut sein Glück bei ihr versucht. In jedem Fall! Das geht sogar so weit, dass er den ahnungslosen Mortdecai unter dem Vorwand eines Autohandels nach Los Angeles schickt, wohlwissend, dass der Interessent an einem Rolls Royce, Milton Krampf (Jeff Goldblum), eine nymphomanische Tochter Georgina (Olivia Munn) hat, die nicht einmal ein gepflegter Moustache abschreckt.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Man mag sich darüber streiten, ob der Regie führende David Koepp es schafft, die witzigen Romanvorlagen eines Kyril Bonfiglioli adäquat auf die Kinoleinwand zu projizieren. Was die Verkaufszahlen an Tickets betrifft, darf man Mortdecai – Der Freizeitgauner ohne große Umschweife als Flop bezeichnen; dabei besitzt die Komödie durchaus Potenzial. Eine skurrile Hauptfigur, nicht gerade der schlechteste Cast an der Seite von Johnny Depp sowie eine brauchbare Story. Leider geht vieles davon unter in sich wiederholenden Pointen, die schnell ihre Würze verlieren.

Preisvergleich: Mortdecai - Der Teilzeitgauner