Wer sich todesmutig von Wolkenkratzern stürzt...

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Review | Kritik | Bewertung
Birdman (2015)

Bewertung: 5 von 6
Studio: 20th Century Fox
www.birdmanthemovie.com

Mit neun Nominierungen und letztlich vier Auszeichnungen zählt die schwarzhumorige Verfilmung des Drehbuchs von Alejandro González Iñárritu neben Grand Budapest Hotel zu den erfolgreichsten Beiträgen anlässlich der 87. Verleihung der Oscars in Los Angeles. Mit "Bester Film", "Beste Regie", "Beste Kamera" sowie "Bestes Originaldrehbuch" keinesfalls in den unwichtigen Kategorien, wenn man so möchte. Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) stößt vielleicht nicht bei jedem Zuschauer auf sofortige Gegenliebe, bei den weltweiten Kritikern aber allemal auf positive Meinungen und Zugeständnisse an die hohe Filmkunst abseits gängiger Muster. Für die Hauptrolle des emotional in der Vergangenheit festhängenden und dennoch mit einem ambitionierten Augen nach vorne schielenden Schauspielers Riggan Thomson hätte Iñárritu (der zusätzlich Regie führte) niemand besseren als den inzwischen 63-jährigen Michael Keaton finden können.


Thomson bereitet sich auf einen neuen Lebensabschnitt vor. Als hoffentlich für seine Bühnenpräsenz auf dem Broadway ähnlich gefeierter Star wie vor langer Zeit. Es ist schließlich viele Jahre her, dass er im Kostüm des Birdman das Kinopublikum verzückte und betrachtet man das Poster in seinem grauenvollen Ankleidezimmer, muss man sofort an Keaton in Batman (1989) und Batmans Rückkehr (1992) denken. Riggan seinerseits kämpft vehement gegen den Eindruck, "ein abgewrackter Superheld zu sein". Die Angebote für einen dritten Film wären zwar vorhanden, jedoch möchte er sich nicht um jeden Preis dem Action verwöhnten Kinogänger des 21. Jahrhunderts anbiedern. Lieber anspruchsvolle Unterhaltung abliefern, "er will etwas schaffen, das von Bedeutung ist" und hat große Angst davor, niemanden mehr zu interessieren.

movie-birdmanDeshalb adaptiert er die Kurzgeschichte What We Talk About When We Talk About Love des US-amerikanischen Schriftstellers Raymond Carver für ein eigenes Theaterstück und setzt sich selbst die Hauptrolle. Weil aber Riggan's Schauspielkollege Ralph während einer Probe von der Beleuchtung erschlagen wird, sucht sein bester Freund, Anwalt und Produzent Jake (Zach Galifianakis) schnell nach Ersatz. Mit Mike Shiner (Edward Norton) bietet sich ein erfahrener Broadway-Schauspieler an, der mitunter polarisiert: er verlangt ein Vielfaches mehr an Gage und besitzt eine schwer zu bändigende, sturköpfige Persönlichkeit, lockt dafür aber wegen seiner allgemeinen Beliebtheit womöglich das neugierige Publikum an. Die erste Vorpremiere läuft katastrophal, denn Mike trinkt am Set und dreht vollkommen durch... Nur kann Riggan die männliche Diva aus Mangel an Alternativen nicht einfach so rausschmeißen. Das Theaterstück - eine Herzensangelegenheit - steht auf der Kippe, aber aufgeben kommt nicht infrage.

Die zweite Vorpremiere läuft leider kaum besser... Mike wünscht sich in jedem Fall den nötigen Realismus und schreckt diesmal nicht davor zurück, seine Ex-Freundin und Szenenpartnerin Lesley Truman (Naomi Watts) in einem gefüllten Theatersaal wirklich zu befriedigen, was ihr logischerweise zu viel des Guten wird. Riggan und Mike streiten, besser gesagt prügeln sich - die Situation wirkt festgefahren. Der Birdman wäre am liebsten schon längst davon geflogen, gestaltet sich der Boden der Tatsachen derart ernüchternd, doch Jake motiviert ihn einfach weiterzumachen. Die größte Angst dürfte für Thomson wohl darin bestehen, dass all seine Mühen, sein Streben abseits des Popcornkinos (das immerhin stattliche Einspielergebnisse erzielt) umsonst wären und eine verbitterte Kritikerin kündigt bereits vor der eigentlichen Premiere an, sein Stück in ihrem Artikel mit Vergnügen zu zerreißen.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Wer Black Swan gesehen haben sollte, bekommt schon während der insgesamt 119 Minuten Spielzeit eine leise Vorahnung, auf welches hochdramatische Finale der Film im Schlussakt hinauslaufen könnte. Der Birdman verlässt mit einem lauten Knall die Theaterbühne und Michael Keaton überzeugt auf ganzer Linie mit seinem inneren Zwiespalt. Emma Stone spielt als Riggan's Tochter Sam (mindestens genauso mit Problemen belastet) zwar eine emotionale Bezugsperson, hinterlässt beim Zuschauer hingegen wenig bleibenden Eindruck, ganz im Gegensatz zu einem exzentrischen Edward Norton. Muss man gesehen haben...

Preisvergleich: Birdman