Heißes Pflaster Südamerika.

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The Liberator (2015)

(3,5/6) Simón Bolivar ist im südamerikanischen Raum heute noch so etwas wie ein unantastbarer Volksheld. Nicht weil er wie andere große Männer in der Historie diverse Ländereien eroberte. Ganz im Gegenteil: er setzte sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft für die Unabhängigkeit ein und legte sich in einigen geschichtsträchtigen Schlachten mit der spanischen Kolonialmacht an. Die Verluste waren auf beiden Seiten enorm. Das Regiewerk The Liberator von Alberto Arvelo beruht also auf wahren Begebenheiten. Simón José Antonio de la Santísima Trinidad Bolívar Palacios y Blanco, mit vollständigem Namen, wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf und genoss mit einer Ausbildung in Madrid lange Zeit gewisse Privilegien. Mit seiner geliebten Frau Maria Teresa (Maria Valverde) kehrte Bolivar (gespielt von Édgar Ramírez, den meisten wohl als Kriegsgott Ares in Zorn der Titanen noch im Gedächtnis) zurück nach Venezuela, doch das gemeinsame Glück währte leider nicht lange. Sie erkrankte nach einem folgenschweren Mückenstich an Gelbsucht und verstarb trotz seiner Fürsorge nach längerem Leidensweg.


In seiner Trauerphase erkannte Simón Bolivar, mitunter inspiriert durch die Französische Revolution, in welchem Ausmaß sich die südamerikanische Bevölkerung von den Spaniern unterdrücken lassen musste. Er entschloss sich ferner, endlich etwas dagegen zu unternehmen, denn "die wahre Bestimmung des Menschen ist die Freiheit". Seine Soldaten motivierte „El Libertador“ selbst nach der bitteren Niederlage, an der die erste venezolanische Republik scheiterte, mit eiserner Entschlossenheit und viel Herzblut bei der Sache, weshalb sich selbst die anfänglich dezent zurückhaltende Verstärkung von Francisco de Paula Santander und europäische Mitstreiter wie der Brite Torkington (Danny Huston) seinem bemerkenswerten Kampfgeist anschlossen. Mit phasenweise bildgewaltiger Inszenierung schaffte es der 119-minütige venezuelanische Beitrag The Liberator (im Original: Libertador) vollkommen zurecht auf die Shortlist der 87. Academy Awards in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film”. Nominiert wurden jedoch andere und als absolutes Must-see würde ich den dialoglastigen, deshalb manchmal recht langatmigen Historienfilm trotz reichlich Pathos auch nicht gerade bezeichnen.
- Alexander Riede | www.pandastorm.com

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Search Party (2015)

(3/6) Wenn mit Scot Armstrong ausgerechnet der Drehbuchautor von Filmen der Sorte Road Trip oder Hangover 2 auf dem Regiestuhl Platz nimmt, kann man sich gedanklich in etwa ausmalen, in welche Richtung die hier vorliegende Action-Komödie Search Party eventuell gehen wird... Weil der künftige Bräutigam Nardo (Thomas Middleditch) seinen beiden besten Kumpels Jason (T.J. Miller) und Evan (Adam Pally) ganz im Vertrauen gesteht, dass er sich nicht unbedingt sicher ist, was seine zukünftige Braut betrifft, sieht sich insbesondere Jason dazu verpflichtet, die Hochzeit im letzten Moment zu verhindern. Das Ergebnis ist eine vor den Kopf gestoßene Tracy (Shannon Woodward), die nun alleine nach Mexiko in die Flitterwochen fährt. Während Nardo deprimiert Zuhause rumsitzt und sich Gedanken darüber macht, was schief gelaufen sein könnte. Das Leben geht bekanntlich weiter. Nicht für ihn, was dazu führt, dass er plötzlich nackt in Mexiko steht und Jason telefonisch um Hilfe bitten muss.

Sein Auto wurde gestohlen, sämtliche Papiere sind weg, er ist verzweifelt. Dabei wollte er das klärende Gespräch mit Tracy suchen, reiste ihr zu diesem Zweck spontan nach. Jason überlegt nicht lange, packt den tief schlafenden Evan ein und fährt sofort von Los Angeles aus los, was noch zu Problemen führen soll. Evan hätte eigentlich am folgenden Tag ein wichtiges Meeting als Karrieresprungbrett. Ihren besten Freund wollen sie jedoch unter keinen Umständen im Stich lassen! Der Roadtrip entpuppt sich als amüsante Angelegenheit, zumindest für den Zuschauer. Die Jungs legen einen Zwischenstopp im Casino ein, müssen sich mit Ausweise fälschenden "Kleinkriminellen" sowie Nieren klauenden Show-Psychopathen herumschlagen. Dem ungeschickten Nardo ergeht es derweil kaum besser. Aus Versehen landet er in den Fängen mexikanischer Drogendealer, nach spektakulärer Flucht kurze Zeit später in einem wenig Vertrauen erweckenden Gefängnis. Im Fazit habe ich ehrlich gesagt einen wesentlich schlechteren Film erwartet. Search Party schaffte es dann doch, mir den einen oder anderen beherzten Lacher zu entlocken, selbst wenn die Story relativ dünn ausfällt und so manche Schwächephase in den Dialogen überstehen muss. Für seichte Abendunterhaltung ohne allzu hohe Ansprüche reicht das Material in jedem Fall.
- Alexander Riede | www.concorde-home.de

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Narcos (2015)

(5/6) Mit den dunklen Machenschaften eines der einflussreichsten und gewiss auch brutalsten Drogenbosse, die es in der Weltgeschichte jemals gegeben hat, könnte Netflix ein weiterer Serienhit gelungen sein. Narcos zeigt den erbitterten Kampf der kolumbianischen Regierung, vor allem aber der international agierenden Drogenvollzugsbehörde der Vereinigten Staaten (DEA) gegen Pablo Emilio Escobar Gaviria. Dieser vermehrte sein Vermögen rasend schnell, als er in das Kokain-Geschäft einstieg und entwickelte mit seinen Gefolgsleuten immer raffiniertere Wege, um die neue Modedroge in den Siebziger Jahren nach Miami zu transportieren. Der Stoff wurde in geheimen Dschungel-Laboren entwickelt und weil es irgendwann einfach auffallen musste, wenn ein Taxiunternehmen als Scheinfirma solche Unsummen an Kapital erwirtschaftet, versteckte man es besser oder verschaffte sich einen guten Ruf als Wohltäter. Anfangs lag Pablo Escobar (hervorragend gespielt von Wagner Moura) noch etwas am Volk und der Zukunft seiner Heimat Kolumbien.

Er wollte in die Politik einsteigen, schaffte es sogar beinahe, doch erlitt im Kongress eine herbe Niederlage, die für spürbare Verbitterung sorgte. Gemeinsam mit den Ochoa Brüdern und dem gemeingefährlichen José Rodriguez Gacha (Luis Guzmán) gründete er das berüchtigte Medellín-Kartell und setzte sich an dessen Spitze. Die einzige Furcht, die er zur damaligen Zeit verspürte, war die vor einer Verhaftung durch die DEA oder besser gesagt eine Auslieferung in das Hoheitsgebiet der USA. Sein Reichtum und der massive Einfluss auf Polizeibeamte, Politiker und andere hohe Tiere bringen ihm gar nichts, wenn er wie jeder x-beliebige Verbrecher in einem US-Gefängnis versauert. Die DEA-Agenten Steve Murphy (Boyd Holbrook) und Javier Peña (Pedro Pascal) sind Escobar dicht auf den Fersen, kommen allerdings jedes Mal einen entscheidenden Schritt zu spät. "El Patron" spürt ihren heißen Atem im Nacken und reagiert mit reichlich Gewalt. Aus dem viel gelobten "Robin Hood von Medellín" war plötzlich ein mordender Terrorist geworden, vor dem sich nichts und niemand sicher fühlen konnte. Seine Pläne sollten aufgehen, für eine Momentaufnahme der ersten 10 Episoden von Narcos zumindest. Eine zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben. Die Serie ist spannend umgesetzt, lässt einen so schnell nicht vom Bildschirm los und arbeitet viele tatsächlich geschehene Ereignisse mit originalem Bild- und Videomaterial auf.
- Alexander Riede | www.netflix.com/narcos