„Schwarze Schafe sind auch nur Lämmer.“

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Return To Sender - Das falsche Opfer (2015)

(4/6) Die ehrgeizige Krankenschwester Miranda Wells (Rosamund Pike) scheint in ihrem Leben alles fest im Griff zu haben. Zumindest auf den ersten Blick. Denn hinter der vermeintlich perfekten Fassade versteckt sie eine andere Seite ihrer Persönlichkeit. Gewisse Zwangsneurosen fallen schnell auf und bei so vielen Aktivitäten, mit denen Miranda ihren Alltag füllt (wenn sie mal nicht im Krankenhaus arbeitet) bleibt das Liebesleben zwangsläufig auf der Strecke. Eine Kollegin verschafft ihr deshalb ein Blind Date mit einem Freund der Familie. Miranda ist etwas erstaunt, als der Mann dann viel zu früh vor ihrer Haustüre steht, lässt ihn aber rein, damit dieser kurz warten kann, bis sie zum Ausgehen fertig ist. Die Situation wird unangenehm, als sie ihn darum bittet, jetzt doch besser zu gehen. Der Mann verschließt den Eingang von innen, prügelt auf sein Opfer ein und vergewaltigt Miranda. Wie sich herausstellt, handelt es sich beim Täter nicht um den wenig später mit Blumen eintreffenden Kevin, sondern einen gewissen William Finn (Shiloh Fernandez).


Dieser arbeitet als Küchenhilfe in jenem Restaurant, in dem die Krankenschwester einen Gast mittels Luftröhrenschnitt vor dem Ersticken bewahrte. Miranda kann ihn identifizieren und bevor er sich mit dem letzten Gehaltsscheck aus dem Staub macht, klicken die Handschellen. Es kommt zur Verurteilung des Vergewaltigers, nur geht es seinem Opfer dadurch keinesfalls besser. Mitchell Wells (Nick Nolte) macht sich berechtigte Sorgen um seine Tochter. Sie versucht nach wenigen Tagen wieder zu arbeiten, doch es fällt ihr offensichtlich schwer, das Trauma zu überwinden. Es häufen sich ärgerliche Situationen. Als eine Art Eigentherapie beginnt Miranda ihrem Peiniger Briefe zu schreiben, die anfangs ungeöffnet zurück an den Absender (Return To Sender) gehen, was die Titelwahl für den US-amerikanischen Psychothriller erklärt. Irgendwann lenkt William jedoch ein, stimmt dem Besuch im Gefängnis zu. Es folgt eine seltsame Begegnung, die beiden Reden vernünftig miteinander und er entschuldigt sich ernsthaft für seine Tat, was zu regelmäßigen Treffen führt. Als Zuschauer rätselt man, in welche Richtung die Handlung noch laufen mag, wird womöglich überrascht oder findet die Bestätigung einer leisen Vorahnung.
- Alexander Riede | www.ascot-elite.de

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Die Udo Honig Story (2015)

(4,5/6) Nach der medial viel diskutierten gerichtlichen Urteilsverkündung muss der Fußballmanager des FC Rot-Weiß Oberbayern schweren Herzens seine Haftstrafe in der JVA Bergland antreten. Der spöttische „Willkommensgruß“ der anderen Insassen fällt wenig freundlich aus und Udo Honig (bemerkenswert interpretiert durch Uwe Ochsenknecht) sieht schwere Zeiten in der „blau-weißen Hölle“ auf sich zukommen. Das erste Gespräch mit dem Direktor Ludwig Moser (Heiner Lauterbach) findet kaum eine ordentliche Verhandlungsbasis, Honig kann zunächst keinen Promi-Bonus erwarten und wird zum Küchendienst in der Gefängnismetzgerei verdonnert. Eigentlich kein großes Problem, hätte es nicht der inoffizielle Anführer der Sträflinge (Martin Feifel als unangenehmer Zeitgenosse Alex) auf den Neuen in der JVA abgesehen. Udo Honig will keinen Ärger und überlegt sich eine clevere Taktik. Er unterbreitet seinem Peiniger ein lukratives Angebot, holt ihn damit auf seine Seite.

Dem überforderten Moser hilft Honig durch Produktivität steigernde Maßnahmen und das eine oder andere vetternwirtschaftliche Geschäftsgebaren aus den roten Zahlen. Positive PR verschafft ihm der dankbare Zellengenosse Stefan (Max von Thun), der den Klatschblättern persönliche Geschichten aus dem Knastalltag der in Ungnade gefallenen Sportpersönlichkeit zukommen lässt. Es dauert nicht allzu lange und Udo Honig manipuliert auf geschickte Weise (einmal mehr) sein gesamtes Umfeld. Nur die hartnäckig bleibende Psychologin Ceylan Ataman (Shadi Hedayati) verweigert sich auf ähnliche Weise wie seine enttäuschte Gattin Marion (Gisela Schneeberger), in seinem Team zu spielen. Mit Einschüchterungsversuchen sammelt der erfolgsverwöhnte Geschäftsmann reichlich Minuspunkte, weshalb er sich Ataman gegenüber öffnen muss, um den ersehnten Freigang bei guter Führung erhalten zu können. Die Udo Honig Story ist eine wirklich sehenswerte, weil charmant umgesetzte Satire über den Fall Uli Hoeneß, der bekanntlich 28,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hatte. Uwe Ochsenknecht und weitere bekannte Gesichter der deutschen Film- und Fernsehlandschaft machen einen guten Job vor der Kamera und vergessen dabei nicht ein gewisses Augenzwinkern im Gesichtsausdruck.
- Alexander Riede | www.universumfilm.de

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Miss Meadows (2015)

(2,5/6) Wie schwer der Stand für eine Katie Holmes ist, seit der Trennung vom einflussreichen Tom Cruise eine halbwegs vernünftige Filmrolle zu ergattern, dürfte hinlänglich bekannt sein. Umso neugieriger machen uns Kritiker deshalb Indie-Erzeugnisse wie das vorliegende Miss Meadows. Holmes steppt in der Rolle einer tugendhaften Mary Meadows im luftigen Sommerkleid durch irgendeine x-beliebige idyllische Vorstadt. Sie wird von einem kriminellen Individuum sexuell belästigt, zückt aus ihrer kleinen Handtasche eine Pistole und erledigt den dreisten Mistkerl ohne mit der Wimper zu zucken. Interessanter Einstieg... Scheinbar unbemerkt tänzelt sie davon, als wäre nichts gewesen. Miss Meadows betreut voller Fürsorge und mit einer engelsgleichen Geduld als Aushilfslehrerin einige Grundschulkinder, pflegt ansonsten vorbildlich den eigenen Garten und wirkt stets wie eine ahnungs-, wenn auch nicht hilflose Tagträumerin. Die nette Nachbarin möchte sie gerne mit einem angesehenen Zahnarzt verkuppeln, doch es bemüht sich bereits ein anderer um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: der namenlose Sheriff (James Badge Dale) der Stadt.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man über Miss Meadows' erstes Mal mit dem einfach gestrickten Gesetzeshüter nun lachen oder weinen soll – es sieht jedenfalls höchst merkwürdig aus, was wohl irgendwie ins Gesamtbild passt. Kurze Zeit später erfährt die Glückselige von ihrer Frauenärztin, dass der Sheriff gewissermaßen mit seinem ersten Schuss gleich einen ordentlichen Treffer erzielte. Sie ist schwanger. Von ihrer Nachbarin erfährt Mary, wie skandalöser Weise zahlreiche Verbrecher wegen Platzmangel aus den örtlichen Gefängnis entlassen wurden. Angeblich sollen diese (ohne Rücksicht auf das Gefahrenpotenzial) in die unmittelbare Nachbarschaft gezogen sein. Kein Grund zur Besorgnis, zumindest nicht für Miss Meadows, die ihre Pistole noch weitere Male einsetzen wird. Die rätselhaften Fälle von Selbstjustiz landen alle auf dem Schreibtisch des Sheriffs, er sieht die Zusammenhänge und erkennt seine Liebste auf einem Phantombild. Er schützt sie trotzdem und manipuliert letztlich die Beweise. Nur wie lange kann das wirklich gut gehen?
- Alexander Riede | facebook.com/missmeadowsthemovie