Aufrichtige Männer leben gefährlich.

brd-amostviolentyear

A Most Violent Year (2015)

(4,5/6) Als Einwanderer mit spanischen Wurzeln lebt Abel Morales (Oscar Isaac) gewissermaßen den Amerikanischen Traum. Sein Leben lang versuchte er sauber zu bleiben und baute behutsam seine Firma auf, die nach und nach immer erfolg- und er damit einflussreicher wurde. Verglichen mit den Heizölpreisen heutzutage kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie umkämpft der Markt im New York City der frühen Achtziger Jahre gewesen sein muss. Das Geschäft florierte zu jener Zeit und jeder wollte sein Stück vom Kuchen. Morales möchte den nächsten konsequenten Schritt gehen und ein großflächiges Fabrikgelände für mehr Lagerfläche und bessere Handelswege käuflich erwerben. Eine stattliche Summe als Anzahlung reicht dem Besitzer allerdings nur für ein Ultimatum: Abel bekommt 30 Tage, um den Deal mit einer stehenden Finanzierung über die Bühne zu bringen. Keine leichte Aufgabe, schließlich ermittelt Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) gerade gegen Standard Oil, was potentielle Kreditgeber logischerweise beunruhigt. Die Heizölbranche entwickelt eine bedenkliche kriminelle Eigendynamik und versinkt jeden Tag tiefer in einem Sumpf aus Diebstahl, Korruption, Einschüchterungstaktik und natürlich Steuerhinterziehung. Das polizeiliche/juristische Interesse scheint geweckt.


Abel Morales ist sich keiner Schuld bewusst, besitzt tatsächlich eine blütenweiße Weste, so unglaublich das auch klingen mag. Dummerweise trifft selbiges nicht für sein näheres Umfeld zu und während er erst einmal verdauen muss, dass seine geliebte Gattin Anna (Jessica Chastain) seit Jahren heimlich Geld aus der gemeinsamen Firma herauszieht, muss sich Abel zusätzliche Sorgen um die Gesundheit seiner Mitarbeiter machen. Die Konkurrenz agiert skrupellos, überfällt regelmäßig die Laster von Standard Oil - verprügelt sogar Handelsvertreter, die neue Kunden von ihrem Premium Produkt überzeugen wollen. In sechs Monaten wurden 400.000 Liter Heizöl entwendet, was damals 213.000 Dollar entsprach. Mit Nachdruck rät er seinen verunsicherten, gedemütigten Fahrern davon ab, sich zu bewaffnen. Weil das nur zu weiteren Problemen führt und seine Firma ebenso in den Ruin treiben kann, wie eine rechtskräftige Verurteilung vor Gericht, obwohl man sich an die „branchenüblichen Regeln“ hält. Morales steht mit dem Rücken zur Wand, bekommt reichlich Druck von vielen Seiten und verliert trotzdem eines nie aus den Augen: den Finanzierungsplan des wirtschaftlich so wichtigen Grundstücks. Der US-Thriller A Most Violent Year von J.C. Candor (Drehbuch/Regie) lebt von seiner Gangsterfilm-Stilistik, mit einem überzeugenden Oscar Isaac in der Hauptrolle, der partout kein Gangster sein möchte.
- Alexander Riede | www.amostviolentyear.de

brd-dasversprecheneineslebens

Das Versprechen eines Lebens (2015)

(3/6) Die blutige Schlacht von Gallipoli während des Ersten Weltkrieges ist ein weiterer Beleg für die Sinnlosigkeit territorialer Auseinandersetzungen. Französische und britische Soldaten (auch jene aus den Kolonien) wollten die türkische Halbinsel besetzten, um von dort aus besseren Zugriff auf die osmanische Hauptstadt Konstantinopel zu haben. Etwa die Hälfte der Männer auf beiden Seiten wurde entweder schwer verletzt oder verstarb. Die drei erwachsenen Söhne des australischen Farmers Joshua Connor (Russell Crowe) waren unter ihnen und vier Jahre später scheinen die bangen Befürchtungen allmählich zur bitteren Gewissheit geworden zu sein. Seit jener Schlacht verlaufen sich ihre Spuren im Sand... Seine Frau weiß nicht mehr wohin mit der Trauer, erhebt Vorwürfe gegen Joshua und ertränkt sich und sämtliche Sorgen in einem Fluss. An ihrem Grab macht das ehemalige Familienoberhaupt Das Versprechen eines Lebens: er will die Überreste seiner Söhne neben deren Mutter begraben. Connor reist also in die Türkei und wird, kaum in diesem fremden Land mit seinen Sitten und Gebräuche angekommen, von einem pfiffigen Knaben namens Orhan in das kaum besuchte Hotel der verwitweten Frau Mama Asya (Olga Kurylenko) „gelotst“.

Anfangs skeptisch ob des Gastes aus dem feindlichen Lager, zeigt sie schnell Verständnis für seinen Aufenthaltsgrund. Orhan und der Australier verstehen sich bestens, Joshua könnte einen guten Vaterersatz abgeben. Vordergründig möchte er aber mehr über den vermeintlichen Tod seiner eigenen Söhne Edward, Henry sowie Arthur herausfinden. In der britischen Botschaft macht man ihm keine allzu großen Hoffnungen. Eine vollständige Aufarbeitung der Geschehnisse, Registrierung der Toten, geschweige denn ein ordentliches Begräbnis ist angeblich kaum möglich. Der Farmer bleibt hartnäckig, fährt auch ohne Erlaubnis zur Halbinsel. Vor Ort bemühen sich der britische Oberstleutnant Hughes (Jai Courtney) und der vor vier Jahren befehlshabende Major Hassan (Yilmaz Erdogan) auf türkischer Seite um Kooperation. Für den Fund der Leichenreste benötigt es allerdings Connor's Spürsinn als Wünschelrutengänger (erklärt den englischen Originaltitel The Water Diviner). Zwei seiner Jungs können identifiziert werden und plötzlich keimt leise Hoffnung auf, Arthur könnte noch am Leben und in Gefangenschaft geraten sein... Russell Crowe, der hier sein Regiedebüt gibt, inszeniert sein 111-minütiges Historiendrama sehr souverän mit teilweise imposanten Bildern. Für den großen Wurf hinter der Kamera reicht es aber in meinen Augen noch nicht.
- Alexander Riede | www.thewaterdiviner.com

brd-thereach

The Reach - In der Schusslinie (2015)

(4,5/6) Wer sich in den vergangenen Sommermonaten über die zahlreichen heißen Tage beschwerte, war wohl zur selben Zeit noch nie in der Mojave-Wüste unterwegs. Im bekanntesten Gebiet Death Valley wird eine Durchschnittstemperatur über 45 Grad erreicht und die Sonne brennt einen gnadenlos nieder. Der junge Ben (Jeremy Irvine) lebt hier, verdient seinen Lebensunterhalt als Fährtenleser und kennt die Wüste wie seine Westentasche. Vom örtlichen Sheriff wird er um einen Gefallen gebeten: der offensichtlich gut situierte Geschäftsmann Madec (Michael Douglas) benötigt einen Tourguide, obwohl er mit Luxus-Geländewagen und Satellitentelefon bestens ausgerüstet wäre. Als „zivilisierter Mensch von Welt“ befinden sich sogar Mikrowelle, Espressomaschine und Cocktailmixer in seinem Reisegepäck. Ein Rundum-Sorglos-Paket sozusagen, vorbereitet für sämtliche Eventualitäten. Auch das mitgebrachte Gewehr wirkt professionell. Madec erweist sich bei spontanen Schießübungen als zielsicherer Großstadtcowboy, ist laut eigener Aussage kein Amateur, schließlich sammelt er seit Jahren mit großer Leidenschaft fleißig seine Trophäen.

So ganz legal handelt der von Anfang an unsympathische Geldsack dabei nicht gerade und auch das aktuelle Objekt seiner Begierde unterliegt dem Artenschutz. Eine äußerst seltene Lizenz für den Abschuss besitzt Madec natürlich nicht, erkauft sich deshalb Ben's Nachsicht. Auch nur ein Stück Papier... In einem felsigen Landschaftsabschnitt kommt es dann zu einem dramatischen Zwischenfall: Madec ballert hastig auf einen Schatten in der hoch stehenden Sonne und tötet damit kein Tier, sondern einen Menschen. Ben war mit diesem befreundet und möchte die Leiche in die Stadt bringen. Erwartungsgemäß bietet ihm Madec für die unglückliche Situation Schweigegeld an, setzt ihn dazu noch unter Druck mit einer hinterlistigen Beweisfälschung. Ab diesem Zeitpunkt glänzt der simple, aber unheimlich effektive Thriller The Reach - In der Schusslinie mit einem spannenden Katz-und-Maus-Spiel. Ben lässt den angebotenen Deal platzen. Anstatt ihn als Zeugen der Wahrheit gleich zu erschießen, lebt Madec seine sadistische Seite in vollen Zügen aus. Sein Opfer soll sich die knapp 50 Meilen bis zum nächsten Highway, lediglich mit der Unterhose bekleidet, zu Fuß durchschlagen. Ein absoluter Höllentrip, noch dazu, weil sich der skrupellose Peiniger jedes Mal einmischt, wenn Ben eine eventuell funktionierende Überlebenstaktik anwendet. Wie lange kann er also durchhalten...?
- Alexander Riede | www.beyondthereachmovie.com