Manche Menschen sind überall zuhause.

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Review | Kritik | Bewertung
Spuren (2014)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Ascot Elite Home Ent.
www.spuren-derfilm.de

Wenn sich jemand aus einer bewussten Entscheidung heraus auf Reisen begibt, entstehen daraus zahlreiche spannende Geschichten. Wenn es darüber hinaus eine Expedition unter widrigen Bedingungen, mit allerhand lauernden Gefahren und nur durch eine besondere Kraftanstrengung (auch mentaler Art) zu schaffen ist, entstehen daraus wahre Legenden und mit ihnen Bestseller biografischer Literatur. Was Messner sein Mount Everest war, setzte sich eine gewisse Robyn Davidson in Form eines 3.200 Kilometer langen Fußmarsches von Alice Springs (in Zentralaustralien gelegen) aus bis zum Indischen Ozean in den Kopf. „Nicht weil sie ein Abenteuer suchen würde oder irgendetwas beweisen müsste.“ Robyn merkt in der Vorbereitungsphase ihrer einsamen Wanderung vielmehr an, „sie wäre gelangweilt von einem urbanen Leben und ihren halbherzigen Studierversuchen gewesen“.


Alles was sie benötigt, um ihren Plan in die Tat umzusetzen, sind mehrere Kamele, die ihre Ausrüstung transportieren können. Was viele an dieser Stelle vielleicht nicht wissen: Australien besitzt anscheinend die größte Wildkamel-Population der Welt. Bedeutet jedoch keinesfalls, man dürfte jedes beliebige Tier mit Sattel und Zaumzeug ausrüsten und einfach losmarschieren. Kamele müssen erst eingefangen und einige Monate gezähmt werden, bevor man sich auf ihre treuen Dienste verlassen kann. Robyn Davidson (im Film gespielt von Mia Wasikowska) ist Mitte Zwanzig, als sie den Entschluss fasst, für verschiedene Kamelhändler zu arbeiten, die ihr für die Hälfte des Lohns die benötigten Nutztiere zur Verfügung stellen wollen. Einer von ihnen hält sich nicht an sein Wort, doch das „merkwürdige Mädchen“ kommt über Umwege an ihr Ziel. Dank eines neuen und total überfordert wirkenden Ranchbesitzers erhält sie noch zwei Hengste zu ihrem weiblichen Kamel Sally, die ein Fohlen zur Welt brachte. Man merkt, die Begriffe ähneln sehr denen von Pferden.

movie-spurenDookie und Bob müssen allerdings erst kastriert und damit zu Wallachen gemacht werden, weil männliche Kamele sonst viel zu gefährlich sind. Die warnenden Worte sind durchaus berechtigt und Robyn wird auf ihrer Reise zum Gewehr greifen müssen, um brünftige Wildkamele abzuwehren, die auf ihre kleine Herde losgeht - so sehr sie sich anfangs auch verwehrt, eine Waffe oder Batterien für ein Funkgerät mitzunehmen. Fehlt eigentlich nur noch eine Finanzierung der „Kamel-Lady“, weshalb sie ausnahmsweise den Rat befolgt, ihre Geschichte und die damit verbundenen Impressionen an den National Geographic zu verkaufen. Sie erhält die Zusage und einen Scheck über 4.000 Dollar unter der Bedingung, sich den redseligen Fotografen Rick Smolan (Adam Driver) an die Seite stellen zu lassen. Was ihr überhaupt nicht passt. Die Starrköpfigkeit muss in der Familie liegen und in der Tat spielt die familiäre Vorgeschichte der Protagonistin von Spuren (Tracks) eine ganz entscheidende Rolle. Robyn Davidson wird in sieben Monaten reichlich Zeit finden, persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, die sie womöglich überhaupt erst an den Startpunkt ihrer Reise brachten.

Am 9. April 1977 ist es dann endlich so weit und eine willensstarke Frau macht sich auf den Weg, mit drei voll bepackten Kamelen, einem Jungtier und ihrem Hund Diggity. Rick wird sie lediglich an fest vereinbarten Punkten und Zwischenstationen treffen, sie reist also größtenteils alleine durch eine für den Zuschauer beeindruckende Naturlandschaft. Keine satt grünen Wiesen, sondern heißer Wüstensand, versteht sich. Einige Abschnitte der Karte sind zudem gespickt mit heiligen Stätten der Ureinwohner Australiens, die von Frauen aus spirituellen Gründen nicht oder nur in Begleitung eines Aborigines betreten werden dürfen. Der Weg um sie herum wäre zu beschwerlich, also muss Robyn einmal mehr auf Hilfe hoffen... Wer noch nicht in den Genuss gekommen sein sollte, das Buch Spuren zu lesen, erhält vom Regisseur John Curran eine mit wunderbaren Bildern inszenierte Filmfassung, die verdeutlichen soll, dass eine angestrebte Reiseroute nicht von der Entfernung abhängt, sondern von seinem Ziel. Dieses führt wie so oft in erster Linie zu uns selbst in außergewöhnlichen Momenten.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Alles hinterlässt in gewisser Weise seine Spuren und wer nicht eigenständig nach Erkenntnis strebt, kann diese immer noch von anderen als Blaupause übernehmen. Robyn Davidson hatte herzlich wenig Interesse an Ruhm, Anerkennung oder sonstigen Medientrubel, das wird in knapp 103 Minuten sehr klar dargestellt. Der Film geht sogar noch einen Schritt weiter und schlägt hier und dort gesellschaftskritische Töne an. Wie viel Heiligtum kann schließlich ein für Touristen kommerzialisierter Ayers Rock noch bieten? Spuren (Tracks) liefert einige wichtige Denkanstöße für eine Rückkehr zu den Wurzeln und ist mit spürbarer Authentizität ein mehr als sehenswertes, weil faszinierendes Werk.

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