Hier geht der Punk ab!

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Review | Kritik | Bewertung
Good Vibrations (2014)

Bewertung: 4 von 6
Studio: Rapid Eye Movies
www.rapideyemovies.de/goodvibrations

Punk-Fans aufgepasst. Kennt ihr eigentlich die wahre Geschichte eines rebellischen Musikliebhabers namens Terri Hooley? Dieser sieht seit seiner Kindheit die Welt um ihn herum aus einem anderen Blickwinkel, was nicht ausschließlich an seinem Glasauge liegen dürfte… In den Siebzigern veränderte der vor seiner Haustür schwelende Nordirlandkonflikt (der bis 1998 andauern sollte und zahlreiche zivile Opfer forderte) die Gesellschaft. Kneipen und kleine Tanzclubs wirkten plötzlich wie ausgestorben und Terri’s ehemalige Freundschaften zerbrachen an konträren Identitäten. Kurz gesagt spielte es offensichtlich nur noch eine Rolle, ob man zu den pro-britischen Loyalisten oder den irisch-nationalistischen Republikanern gehört. Auf Glaubensgrundsätze (vereinfacht) bezogen, ging es mitunter um einen Machtkampf zwischen Protestanten und Katholiken, der damals ein blutiges Bild der Gewalt in den Nachrichten und damit eine sehr hässliche Fratze unseres menschlichen Daseins zeigte.


Über Sinn und Unsinn, besser gesagt Wahnsinn sowie die Drahtzieher lässt sich bekanntlich wie bei jedem Bürgerkrieg auf dieser Welt streiten. Terri Hooley jedenfalls war ein mutiger Mann, ein Visionär, manche mögen auch behaupten ein hoffnungsloser Spinner – und er hat sich diesen besonderen Spirit bis heute erhalten. Weil Musik einen wichtigen Bestandteil seines Lebens darstellt, eröffnete er damals ausgerechnet in der „Bombenallee“ von Belfast einen Plattenladen und taufte ihn „Good Vibrations“. Für ihn spielt es keine Rolle, welcher ethischen Herkunft jemand zuzuordnen ist oder welche Glaubensgrundsätze oder politische Meinungen verfolgt werden. Ganz im Gegensatz zu jenen engstirnigen Persönlichkeiten, mit denen er früher im Pub ein Bier trinken war und die ihn jetzt aus Nordirland vertreiben wollen.

movie-goodvibrationsTerri (gespielt von Richard Dormer) ist jedoch keineswegs auf den Mund gefallen und so besticht er diejenigen unter ihnen, „die noch wissen, wie es einmal war“ mit raren Exemplaren seiner Plattensammlung und hält sich auf diese Weise größeren Ärger vom Leib. Wirklich gefährlich kann ihm deshalb lediglich die nachwachsende Generation an politisch motivierten „Herdentieren“ werden, die dem Grunde nach auch nur irgendeine Orientierung suchen und auf Krawall gebürstet sind. Terri’s Laden läuft denkbar schlecht, wer hätte es auch anders erwartet und ohne finanzielle Unterstützung seiner Frau Ruth (Jodie Whittaker) hätte er keine Chance seinen Traum zu verwirklichen, den Leuten Musik wieder näherzubringen. Um Existenzsicherung ging es eher sekundär. Diesen Eindruck vestärkt jedenfalls das Regieduo Glenn Leyburn und Lisa Barros D’Sa mit dem gelungenen Biopic Good Vibrations. Ohne große Erwartungen folgt er einem Aushang in seinem Laden zu einem Gig der Punkrock-Band Rudi und ist vor allem von deren Song Big Time maßlos begeistert. Weshalb er auch spontan beschließt, diesen auf Platte herauszubringen und ein Label zu gründen.

Die „revolutionäre Kraft der 7“ Single erkannte schließlich schon Radio-DJ John Peel“, also müsse auch dieser Hit gehört werden! 3.000 Exemplare sollen unter die Leute gebracht werden, nur leider erweisen sich britische Plattenfirmen als „ignorante Schwachköpfe“. Niemand reagiert und Terri Hooley müht sich redlich, der wachsenden Punkrock-Szene in seiner Heimat mit regelmäßigen Konzerten seiner Schützlinge etwas zu geben: einen guten Grund, die Füße nicht mehr still zu halten. Neben Rudi und The Outcasts drängt sich mit The Undertones eine weitere Band auf, in die Hooley seine Hoffnungen steckt und tatsächlich schafft es deren Song Teenage Kicks, von BBC im Radio gespielt zu werden, mit John Peel als Support. Der Durchbruch scheint endlich geschafft und Terri am Ziel angekommen zu sein, doch es ist keine Profitgier, die ihn antreibt, weshalb der Zuschauer im weiteren Verlauf von Good Vibrations entweder ungläubig mit dem Kopf schütteln oder den Menschen Terri Hooley besser verstehen kann.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
„New York has their haircuts, London has the trousers, but Belfast has the reason!“ Bei Good Vibrations lohnt es sich wirklich, etwas mehr zu den Hintergründen zu recherchieren. Den Namen Terri Hooley sollte man entweder bereits kennen oder sich besser merken, weil er ein absolutes Musterbeispiel für ungebrochenen Enthusiasmus abgibt. So etwas benötigt man vor allem in der Musikbranche und sollte das Gefühl, den Motor seines Handelns auch in schwierigen Lebenslagen nicht verlieren. Terri hat nicht aufgegeben und nicht zuletzt jene, die bei einem legendären Konzertabend in der Ulster Hall von Belfast anwesend waren und ein Zeichen im tobenden Nordirlandkonflikt setzen, werden es ihm danken. Auf Blu-ray, DVD und Video on Demand dürfen jetzt auch andere in diese „good vibrations“ eintauchen.

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