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Review | Kritik | Bewertung
Good Kill (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Ascot Elite Home Ent.
www.ascot-elite.de

Womöglich erinnert sich noch der eine oder andere an ein skandalöses, viel diskutiertes und folgenschweres Beweisvideo aus den Reihen des US-Militärs, das als „Collateral Murder“ einen eigenen Artikel auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks erhielt. Darauf zu sehen sind mehrere irakische Zivilisten, die aus der Luft beschossen wurden, weil man sie als eine ernst zu nehmende Bedrohung einstufte. Wie sich herausstellte, trugen sie jedoch keine Sturmgewehre um die Schulter, sondern eine Kameraausrüstung – es handelte sich offenbar um Reporter! Das ist nun fünf Jahre her und teilweise in Vergessenheit geraten. Andrew Niccol’s Filmdrama Good Kill soll deshalb wachrütteln, zum kritischen Hinterfragen militärischer Kriegsführung der Neuzeit anregen und den allgemeinen Wahnsinn einer ewig währenden Feindschaft in den Fokus rücken. Ethan Hawke spielt mit dem zunehmend unzufriedenen Major Thomas Egan eine glaubhafte Rolle.


Weil die USA schmerzlich feststellen mussten, dass „keine Großmacht einen Krieg in Afghanistan gewinnt, wenn man einen Fuß auf das Land setzt“, werden seit einigen Jahren verstärkt bewaffnete Drohnen in Kriegsgebieten eingesetzt. Ursprünglich als Instrumente zur Aufklärung und Überwachung dienlich, entwickelten sich „Predator“ und „Reaper“ zu effektiven Killermaschinen. Tommy ist Pilot der scherzhaft als „Nerd Force“ bezeichneten Einheit der US Air Force, in der keine Flugzeuge wie früher gesteuert werden. Er fliegt täglich seine Runden über den südasiatischen Raum, nur sitzt er dabei in einem siebentausend Meilen entfernten Container in Las Vegas und steuert seine Drohnen bequem und ungefährlich vom Kontrollzentrum aus. Major Egan kann seinem Land dienen, „das Leben unschuldiger Amerikaner beschützen“ und zum Feierabend nach Hause zu seiner Frau und den gemeinsamen Kindern fahren.

movie-goodkillEin Traum…? Nicht unbedingt in seinen Augen, schließlich möchte Tommy gerne wieder in ein richtiges Flugzeug steigen, immerhin hatte er vor seiner Karriere am Monitor sechs „reale“ Einsätze. Der leitende Kommandant, Lt. Colonel Jack Johns (Bruce Greenwood), muss seine Truppe mehrmals dahingehend sensibilisieren, dass die Cockpitperspektive im Container, besser gesagt, die vielen Kamerabilder einer Drohne, zwar einem „verflucht echten First Person Shooter“ ähneln, man trotzdem nicht vor einer Spielkonsole hocke und die militärische Befehlskette nicht missachtet werden darf. Weil Egan’s bisheriger Airman mit 24 Jahren bereits einen Burnout erleidet und aus dem Dienst scheidet, bekommt er mit Vera Suarez (Zoë Kravitz) eine neue Partnerin an die Seite gestellt. Captain Ed Christie (Dylan Kenin) und M.I.C. Joseph Zimmer (Jake Abel) komplettieren oftmals das Team und Johns überwacht die Einsätze in letzter Instanz. Ist ein Ziel lokalisiert, beispielsweise ein hochrangiger Befehlshaber des Taliban-Regimes, heißt es Laser an, Flugbahn berechnet und Feuer frei.

Weil die Raketen mit einer kalkulierten Verzögerungszeit von mehreren Sekunden einschlagen, müssen hin und wieder auch Unschuldige sterben, darunter Kinder, die zum Spielen durch das Abschussszenario laufen. Tommy trägt die Schuld an ihrem Tod und ertränkt seinen Kummer und die Sorgen in Alkohol. Die Beziehung zu seiner Frau Molly (January Jones) leidet stark darunter, weil sich der ohnehin verschwiegene Charakter noch weiter in sein moralisch angeschlagenes Schneckenhaus zurückzieht. Über seine Arbeit darf er eigentlich keine Worte verlieren, doch die Situation spitzt sich zu, als sein Team besondere Missionen im Auftrag des CIA erfüllen muss. Die Telefonstimme „Langley“ plagen keine Gewissensbisse und „bedrohliche Zielpersonen“ werden nach Verhaltensmustern beurteilt. Nicht-Kombattanten, die ihr Leben verlieren, interessieren die Mitarbeiter des CIA anscheinend herzlich wenig und der suggerierte „präventive Selbstschutz“ gleicht eher politisch tolerierten Mordanschlägen.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Das 21. Jahrhundert und die Vorzeichen für einen beängstigenden Drohnenkrieg. Ein solches Thema mag weit entfernt erscheinen, solange man sich in den Staaten oder Europa unter strahlend blauem Himmel keine Gedanken macht, wer einem von einer Drohne aus zusehen könnte. Vielleicht werden wir irgendwann auch als Bedrohung eingestuft, verhalten uns in den Augen anderer auffällig… Ein Knopfdruck – Good Kill. Andrew Niccol (Drehbuch/Regie) verweist zudem auf einen komplizierten Teufelskreis aus Gewalt und militärischem Aktionismus. Die subtile Ebene des Films ist in jedem Fall bemerkenswert.

Preisvergleich: Good Kill