Zwischen Bruderliebe und falschem Vaterersatz.

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Review | Kritik | Bewertung
Foxcatcher (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Koch Media
www.foxcatcher.de

Es mag Filmfreunde geben, die dem Subgenre des Sportdramas bisweilen nur wenig Positives abgewinnen können. Damit vielleicht eher die spielerischen Leistungen des HSV in den letzten Jahren assoziieren, als an Blockbuster wie Million Dollar Baby, Warrior, The Wrestler oder die Rocky Reihe zu denken. In der Regel lohnt es sich aber einen Blick zu riskieren, denn langweiliger als 90 Minuten lustloses Ballgeschiebe auf Kunstrasen kann ein solches Filmereignis gar nicht ausfallen. Zugegebenermaßen lässt der Ringsport in den Achtziger Jahren auch gewisse Fragen über Ästhetik im Raum stehen und die Frauenwelt reibt sich verwundert die Augen, wenn Channing Tatum als Mark Schulz die viel zitierte „beste schauspielerische Leistung seiner Karriere“ abliefert. Der womöglich erhoffte Sexappeal des aktuell im Kino laufenden Magic Mike XXL ist hier nicht zu sehen und würde kaum zur ernsten Thematik passen.


Als der ehemalige Ringer, Ultimate Fighter und spätere Profi-Wrestler das Buch Foxcatcher: The True Story of My Brother's Murder... veröffentlichte, war schnell klar, dass der Stoff Potenzial für einen ausgezeichneten Film besitzt. Der Titel mag ein wenig vorgreifen, was den Ausgang der Geschichte betrifft, wirklich interessant ist aber weniger die Rahmenhandlung, sondern vielmehr das beeindruckende Mienenspiel der drei Hauptrollen. Wie nah die Herren Steve Carell, Mark Ruffalo und Chaning Tatum den Originalen kommen, begreift man eigentlich erst, wenn man sich Videoaufnahmen der damaligen Zeit vergegenwärtigt. Das ist großes Kino, wenn sich auch nicht jeder dafür begeistern wird. Die Gebrüder Schultz waren im wahren Leben erfolgreiche Ringer und konnten bei den Olympischen Spielen 1984 in ihrer kalifornischen Heimat jeweils die Goldmedaille erkämpfen. Foxcatcher steigt in der Vorbereitungsphase auf die nächsten großen Ziele der Sportler ein. Mark (Tatum) trainiert jeden Tag hart und steht dennoch stets im Schatten seines älteren Bruders David Schultz (Ruffalo). Dieser verfügt über ausreichende technische und taktische Raffinesse, um als Trainer auch andere Ringer anzuleiten.

movie-foxcatcherMark's persönliche Ambitionen sind dafür deutlich höher angesetzt: er will der Beste der Welt sein und bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul erneut Gold gewinnen. Mit dem augenscheinlich gönnerhaften Millionär John Eleuthère du Pont (fantastisch gespielt von Steve Carell) lädt ihn der passende Sponsor auf das großflächige Anwesen der traditionsreichen amerikanisch-französischen Industriellenfamilie. Du Pont ist ein höchst seltsamer, schwer durchschaubarer Charakter, der den Trophäenschrank seiner verhassten Mutter mit eigenen Sammlerstücken füllen möchte und sich selbst mit entsprechend inszenierter Medienpräsenz gerne als Patriot im Dienste der Vereinigen Staaten bezeichnet. Mark Schultz soll unter seiner Flagge den angestrebten Sieg erringen, er stellt ihm zur Vorbereitung sogar ein Trainingszentrum zur Verfügung. David möchte du Pont ebenfalls in seinem Team Foxcatcher wissen, bleibt trotz erster Absage hartnäckig und macht ein finanzielles Angebot, das kein vernünftig denkender Familienvater ablehnen kann. Soweit scheint alles auf Kurs und ein Triumph in greifbarer Reichweite, gäbe es nicht genügend Konfliktpotenzial. David will seinem Bruder helfen, immer für ihn da sein, nur möchte dieser sich endlich aus dem erwähnten Schatten lösen. Dazu gesellt sich ein exzentrisches Verhalten von John E. du Pont, gegen das sich beinahe niemand in seinem konstruierten Umfeld etwas sagen traut. Was konsequenterweise folgt, ist der sportliche Misserfolg. Mark Schultz distanziert sich und geht seinen eigenen Weg...



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Der US-amerikanische Regisseur Bennett Miller hatte mit Philip Seymour Hoffman bereits für sein Spielfilmdebüt Capote (2005) einen Oscar-Preisträger im Team. Für Steve Carrell und Foxcatcher reichte es bei den diesjährigen Academy Awards nicht, aber das Sportdrama (nominiert in fünf Kategorien) erntet auch so in erster Linie positive Kritiken. Ich ging unvoreingenommen an den Film heran. Womöglich könnte der eine oder andere nach 129 Minuten enttäuscht sein. Dann muss ich jedoch noch einmal vehement auf die schauspielerischen Leistungen und authentischen Persönlichkeitsdarstellungen auf der Leinwand verweisen.

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