Spionage und andere Rätsel der Menschheit.

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Review | Kritik | Bewertung
The Imitation Game (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Universum Film
www.theimitationgame-film.de

Wenn man die schematische Vorgehensweise seines Kontrahenten folgerichtig analysieren konnte, Ist es vermutlich ratsam, ihn nicht sofort mit passgenauen Gegenmaßnahmen davon in Kenntnis zu setzen, dass man ihn durchschaut. Das offenbarte Muster könnte schließlich angepasst oder vollkommen neu gestaltet werden und man stünde wieder am Anfang. Wenn man auf der anderen Seite selbst eine (gesellschaftlich inakzeptable) Schwachstelle besitzt, kann man sich um bewusst die eigene Natur verleugnende Anpassung oder strengste Geheimhaltung bemühen. Beides trifft für Lebensweise und -werk des Mathematikers Alan Turing zu. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Kryptonanalytiker im Dienste seiner Majestät, schuf mitunter theoretische Grundlagen für jenes Gerät, das viele Haushalte und beinahe jede Firma heutzutage als Computer rumstehen haben.


Der erst sechs Jahrzehnte nach seinem Tod von damaligen Vorwürfen offiziell rehabilitierte Brite war bereits im Jugendalter ein Ausnahmetalent. Sein introvertierter Charakter stieß nur bedingt auf Gegenliebe und so kommt es auch, dass The Imitation Game einen etwas schwierigen Dialog zwischen dem 27-jährigen Alan Turing (Benedict Cumberbatch) und dem erstaunten Commander Alastair Denniston (Charles Dance) zeigt. Wir schreiben das Jahr 1939. Turing erscheint von sich selbst überzeugt zu einem Vorstellungsgespräch in der militärischen Dienststelle Bletchley Park und möchte eine als unmöglich geltende Aufgabe lösen: die raffinierte Verschlüsselung des deutschen Nachrichtenverkehrs knacken. Die Nazis verwendeten eine Rotor-Schlüsselmaschine namens Enigma, die angeblich rein rechnerisch 159 Millionen Millionen Millionen (Das sind 18 Nullen!“) Möglichkeiten zur Kodierung einer strategisch relevanten Mitteilung bereitstellte. Jeden Tag wurde der Code geändert, das knappe Zeitfenster für eine Dechiffrierung zermürbte die Analysten.

movie-theimitationgameFunksprüche abzufangen war nicht das Problem, aus dem Buchstabensalat konnten aber nicht einmal die besten Linguisten Großbritanniens ein Muster herauslesen. Denniston hört auf den Kopf des MI6, Stewart Menzies (Mark Strong), und holt Turing mit an Bord, doch dieser ist anfangs der klassische Gegenentwurf eines Teamplayers. Seiner Meinung nach „könne lediglich eine Maschine eine andere besiegen“, weshalb er ein Budget von 100.000 Pfund einfordert, um eine beeindruckende Apparatur zu bauen. Ein Beschwerdebrief an Winston Churchill lässt das Geld fließen und Alan Turing übernimmt die Leitung der Projektgruppe. Er feuert einen Teil und sucht über einen Kreuzworträtsel-Test nach weiteren klugen Köpfen. Mit Joan Clarke (Keira Knightley) findet er einen solchen ausgerechnet an einer Frau – eine emanzipierte Teilhabe in militärischen Dunstkreisen galt noch als undenkbar. Allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz tüftelt der eigensinnige Wissenschaftler an seiner Maschine, die den Alliierten den erhofften Sieg im Zweiten Weltkrieg bringen soll.

Die emotionale Bindung zu Miss Clarke stützt ihn bei Rückschlägen. Was ihn zwingt zu handeln, in einem Moment in dem sie, ihren Eltern zur Rechenschaft verpflichtet, aus dem Projekt aussteigen möchte. Turing macht ihr spontan einen Heiratsantrag, obwohl seine verborgenen Vorlieben einer herkömmlichen Paarbeziehung widersprechen. Seine Sexualität, die damals noch als „grobe Unzucht“ strafrechtlich verfolgt wurde, gilt als eines der Kernthemen der dem Film The Imitation Game zugrunde liegenden Biografie Alan Turing – Enigma, 1983 geschrieben von Andrew Hodges. Obwohl er es laut Oscar prämiertem Drehbuch letztlich an der Seite seiner Kollegen Hugh Alexander (Matthew Goode), John Cairncross (Allen Leech) und Peter Hilton (Matthew Beard) schafft, die Codierung von Enigma zu entschlüsseln, wurde der Verurteilung seiner „sexuellen Perversion“ mehr Gewicht beigemessen, als seinen Verdiensten zur Rettung Großbritanniens und der restlichen Welt vor der Machtgier eines Adolf Hitler.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Trotz stolzer acht Nominierungen im Rahmen der 87. Verleihung der Academy Awards, erhielt The Imitation Game lediglich den Oscar in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Ein zu jeder Zeit überzeugender Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch musste sich Eddie Redmayne als Stephen Hawking in Die Entdeckung der Unendlichkeit geschlagen geben – beides augenscheinliche Meisterleistungen der Schauspielkunst. Auch Keira Knightley überzeugt in ihrer Rolle als starke Persönlichkeit in einer schwierigen Phase der Weltgeschichte. Welchen Verlauf hätte selbige wohl genommen, wäre Enigma nicht der Schlüssel zum Erfolg gewesen...

Preisvergleich: The Imitation Game