Ich kenne keine stumpfsinnigen Beats.

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Review | Kritik | Bewertung
Clean Bandit - New Eyes (2014)

Bewertung: 5 von 6
Label: Warner Music
www.cleanbandit.co.uk

„So you think electric music is boring, you think it’s stupid, you think it’s repetitive? Well, it is repetitive.“ Die britische Elektro-Pop-Gruppe Clean Bandit scheint entweder einen feinen Sinn für Selbstironie zu besitzen oder gleich zu Beginn ihres Debütalbums mit dem Titel New Eyes eine wilde These über die Einstellung des Hörers zu ihrer Musik aufzustellen, um diese dann im Laufe der kommenden 13 Tracks doch noch zu widerlegen. Um den Konsumenten ihres kreativen Musik-Mixes auf ihre Seite zu ziehen, hämmern sie diesem gleich beim ersten Track Mozart's House feat. Love Ssega den Refrain „I don’t know stupid beats“ ein. Bei dem Track handelt es sich in det Tat um einen unmöglichen Mix aus Mozart und Elektrobeat, der überraschenderweise dennoch extrem gut ins Ohr geht.


Darauf folgt dann das eher sanft gehaltene Extraordinary, bei dem Sharna Bass den Gesangspart übernimmt. Auch hier ist eine klassische Violine in den Elektrobeat eingestreut, alles in allem handelt es sich aber um einen eher durchschnittlichen Popsong. Das nun folgende Dust Clears (feat. Noonie Bao) ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Der Song beginnt zunächst nur mit stark reduziertem Pulsbeat und sachtem Gesang, dann kommt dezentes Klavier hinzu. Als dann Clean Bandit Sängerin Grace Chatto einsteigt, bekommt der Track eine ganz andere Farbe und als schließlich auch noch die raumgreifende Violine hinzukommt, scheint es fast, als wäre eine dunkle Kellerluke geöffnet worden und es kann die Sonne strahlend hell in den zuvor dunklen Raum strömen. Zwar ist Dust Clears mit einfachen Mitteln komponiert, deren Kombination schafft aber enorm viel Atmosphäre. An vierter Stelle kommt nun der Track, den wohl mittlerweile jeder aus dem Radio kennt und den man auch schon halbwegs textsicher mitträllern kann: Rather Be.

act-cleanbanditDieser Song brachte Clean Bandit den Durchbruch, was an dem schwungvollen Mix von Elektrosound und Violinenkapriolen liegen mag, der in Kombination mit der kraftvollen Stimme von Jess Glynne einen Ohrwurm von galaktischem Ausmaß schafft. Das nun folgende A+E feat. Kandaka Moore & Nikki Cislyn ist ähnlich zum Stil von Dust Clears gehalten, allerdings etwas klimpernd und dadurch verspielter, mit leichtem Funk-Anklang. Come Over (feat. Stylo G) ist an sich ein nett dahingeträllerter Mix aus Reggae und Elektro-Pop, für meinen Geschmack aber etwas zu seicht und zu nah am Mainstream angesiedelt. Das nun folgende Cologne feat. Nikki Cislyn & Javeon liegt hier schon wieder näher am Basisstil der Band, der Mischung von Elektrobeats und klassischer Musik. Ebenso wie Telephone Banking feat. Love Ssega. Hier sind Anklänge von HipHop eingestreut und der Song hat einen starken und treibenden Rhythmus. Bei Up Again (feat. Rae Morris) wird es dafür jetzt ganz sanft und balladenhaft – zumindest zu Beginn. Überraschenderweise wandelt sich der Stil zum Ende hin zu kraftvollem Dubstep. Bei Heart On Fire (feat. Elisabeth Troy) mischen Clean Bandit nun Elektro mit Soul und Latinorhythmen. Auf New Eyes feat. Lizzo ist erneut HipHop angesagt, gemixt mit arg windschiefer Maschinenstimme.

Kurz vor Schluss kommt nun noch der ganz entschleunigte Blues-Track Birch (feat. Eliza Shaddad), der trotz seines gemächlichen Charakters extrem spannungsvoll wirkt. Mit Outro Movement III endet New Eyes mit billigem Synthie-Sound, der aus einem Pacman-Automaten stammen könnte, wenn es solche noch geben sollte. So nervig will man den geneigten Hörer dann auch nicht hinaus komplimentieren, daher bildet den Abschluss dann doch noch getragener Geigenklang. Im Fazit muss ich zugeben, dass ich anfangs so meine Probleme hatte mit dem Debütalbum von Clean Bandit. Zu wild schienen mir die Mixes, zu experimentell teilweise die Songs. Je öfter ich dann aber das Album gehört habe, desto mehr hat sich von der Schönheit herauskristallisiert. Auf New Eyes muss man sich einlassen, das Werk hat Ecken und Kanten und dadurch, dass so viele Musikstile eingestreut sind, kann man mit dem einen Song mehr, mit dem anderen vielleicht weniger anfangen. In Summe gefällt die Platte dennoch.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Markus Birner ist der Meinung...
Das Debütalbum New Eyes der britischen Band Clean Bandit, die mit ihrem Song Rather Be derzeit aus dem Radioprogramm in Deutschland kaum mehr wegzudenken ist, besticht durch eine Fülle an Einflüssen, durch lobenswerte Experimentierfreude und Abwechslungsreichtum. Keiner der insgesamt 13 Tracks ist stilistisch komplett identisch zu den anderen. Zu dem charakteristischen Mix aus Elektro und Klassik gesellen sich noch Jazz, Soul, Blues, Reggae und HipHop. Wer sich immer noch nicht vorstellen kann, wie das klingen mag, der sollte sich die Platte einfach spontan kaufen. Es lohnt sich!

Preisvergleich: Clean Bandit - New Eyes