Wenn kaum Zeit für Plan A bleibt…

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Review | Kritik | Bewertung
Interstellar (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Warner Home Video
www.warnerbros.de/interstellar

Wann genau es sein könnte, dass unsere Menschheit ihrem unausweichlichen Ende auf diesem Planeten entgegenblickt, wird in den ersten Minuten des hochgelobten Science-Fiction Blockbusters Interstellar nicht näher erläutert. Es könnten ein paar Jahre, aber auch Jahrzehnte sein – Zeit ist ohnehin relativ. Doch sie läuft gefühlt ab… Die Erde wehrt sich zunehmend gegen den industriellen Raubbau, eine Überbevölkerung, den Drang des Menschen nach technologischem Fortschritt um jeden Preis. Aus beiläufigen Dialogen erfährt der Zuschauer, dass es einen harten Schnitt gegeben haben muss. Cooper (Matthew McConaughey) beispielsweise ist erfahrener Pilot und Ingenieur, musste jedoch wie alle anderen lernen, sich anzupassen. Er arbeitet und lebt mittlerweile als Farmer. Die Welt braucht ganz offensichtlich „keine Forscher und Pioniere mehr, sondern nur noch Verwalter“. Noch wichtiger ist die Lebensmittelversorgung.


Mit wiederkehrenden Sandstürmen, Mehltau und anderen Plagen keine leichte Aufgabe. Der Maisanbau gestaltet sich noch als robuste Variante, nur für wie lange? Cooper’s 10-jährige Tochter Murphy macht ihren Vater auf ein scheinbar mysteriöses Kommunikationsmittel fremder Wesen in ihrem Kinderzimmer aufmerksam. Nicht ganz zufällig fallen Bücher aus dem Regal und nach einem weiteren schlimmen Sandsturm wird ein Binärcode in Form von Sandkörnern auf dem Fußboden entdeckt. Der Code liefert jene Koordinaten, die Cooper zu einem abgesperrten Regierungsgelände führen. Es handelt sich dabei um eine (inoffiziell) aktive NASA-Einrichtung unter der Leitung des Wissenschaftlers Prof. Brand (Michael Caine), der einen herausragenden Piloten wie Cooper ganz dringend benötigt. Die Erde könne nämlich nicht mehr gerettet werden und die Generation um die smarte Murphy wäre angeblich die letzte auf dem Planeten. Brand und seine Kollegen arbeiten seit Jahrzehnten an einer Möglichkeit für einen menschlichen Neuanfang mit alternativer Heimat.

movie-interstellarIn unserer Galaxie eignet sich dafür zwar kein anderer Planet, jedoch soll aufgrund noch ungelöster Gravitationsanomalien ein ominöses Wurmloch im Weltall existieren, das in eine weitere Dimension führt. Zwölf Wissenschaftler habe man bereits durch das Wurmloch geschleust – ihre Datenverbindung brach danach ab, weshalb sich ein neues Team für einen letzten, entscheidenden Versuch abschließender Erkenntnis dorthin begeben soll. Murphy ist verständlicherweise wenig erfreut über den Heldenmut ihres Vaters, der sich freiwillig zum Dienst an der Menscheit meldet. Nichtsahnend, dass ihre besondere Verbindung zueinander den entscheidenden Schritt abzeichnen wird… Cooper steuert also das Raumschiff „Endurance“ mit Brand’s Tochter Amelia (ebenso Wissenschaftlerin, gespielt von Anne Hathaway), den Herren Romilly (David Gyasi) und Doyle (Wes Bentley) sowie den beiden Robotern TARS und CASE an Bord in Richtung „Gargantua“. Nachdem sie das Portal in eine andere Dimension durchquert haben, lassen sich einige Signale lokalisieren und es stehen drei mögliche Planeten zur Auswahl.

Steuert die kleine Mannschaft diese an, werden sie vermutlich auf die in der Vergangenheit entsandten Forscher, allesamt Genies ihrer Zeit, treffen und eine optionale Heimat begutachten. Doch jetzt wird es kompliziert: berücksichtigt man diverse Aspekte als Gravitation, Quantenphysik und Relativitätstheorie, kann „Zeit als wertvoller Rohstoff“ betrachtet werden. Kälteschlaf auf einem Raumschiff ist die eine Sache, doch macht eine Stunde in der Umlaufbahn eines fremden Planeten, die sieben Jahren entspricht, die ganze Angelegenheit interessanter. Einzig was den Zuschauer betrifft, denn wie gesagt, läuft die Zeit für die auf der Erde verweilenden Liebsten bedauerlicherweise gnadenlos ab. Wer Interception gesehen hat, kann sich in etwa vorstellen, mit welcher Hingebung ein Christopher Nolan (der das Drehbuch zu Interstellar gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan schrieb) die grauen Zellen des Publikums anzuregen versucht.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
169 Minuten beste Science-Fiction Unterhaltung erfordern die volle Aufmerksamkeit. Wer nur fünf Minuten nicht aufpasst, könnte sich selbst in einem Wurmloch wähnen. Film rein und fast drei Stunden später auch nicht schlauer als zuvor. Ein gefährliches Spiel, wenngleich viele Kritiker von einem „höchst anregenden Meisterwerk“ philosophieren, schließlich befindet sich der Großteil der Menschheit weit unterhalb des geistigen Niveaus eines Astrophysikers. Interstellar entführt uns gegen Ende in den fünfdimensionalen Raum und beschreitet damit eine schmale Gratwanderung zwischen atemberaubend genialer Vision und spekalutiver Irreführung abseits jeglicher Beweiskraft. Mit gemischten Gefühlen würde ich das Werk dennoch zu den besseren der letzten Jahre zählen.

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