Gottes Werk und Moses Beitrag.

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Review | Kritik | Bewertung
Exodus: Götter und Könige (2015)

Bewertung: 3,5 von 6
Studio: 20th Century Fox
www.exodus-derfilm.de

Ich hätte vorgewarnt sein müssen, bewertete unser Kinoreporter Marcus das Hollywood Epos Exodus: Götter und Könige lediglich als durchschnittliche Abendunterhaltung mit unnötigen Längen. Mit dieser Meinung fügt er sich in das allgemeine Bild des Medienechos ein. Nichtsdestotrotz verspürte ich eine gewisse Vorfreude auf das aktuelle Werk von Ridley Scott. Insgeheim hofft man auf eine Inszenierung im Stile von Gladiator (2000) oder Königreich der Himmel (2005), nur muss sich der naive Zuschauer sehr schnell mit der Begrifflichkeit einer „Bibelverfilmung“ auseinandersetzen. Mitunter stellt der britische Regisseur das vermittelte Wissen (oder nennen wir es besser Glauben) aus dem Religionsunterricht auf den Prüfstand. Was davon ist wirklich hängen geblieben? Wir befinden uns in den Schilderungen des 2. Buch Mose, 1300 Jahre vor Christus.


Das Volk der Israeliten wird als ungebetener Gast bereits seit 400 Jahren von den Ägyptern unterdrückt und als Sklaven für den Städtebau gehalten. Der Palast des amtierenden Pharaos Sethos (John Turturro) erforderte wohl besondere Anstrengungen und auch Pyramiden verschlingen reichlich Arbeitskräfte. Eine gute Entlohnung winkt dafür nicht, man durfte froh sein, am Leben gelassen zu werden. Kronprinz Ramses II. (Joel Edgerton) wird ein enormes Erbe antreten, jedoch sorgt er sich ein wenig um seine künftige Machtstellung. Die Worte der Prophetin Miriam (Tara Fitzgerald) betreffen ihn und seinen engsten Vertrauten Mose (Christian Bale), der wie ein Bruder seit Kindheitstagen an seiner Seite aufwachsen durfte: „Einer der beiden wird dem künftigen Herrscher das Leben retten und später selbst zu einem solchen.“

movie-exodus2Die Rollen scheinen klar verteilt, weshalb Ramses in der anstehenden Schlacht lieber getrennte Strategieteile verfolgt. Doch es kommt, wie es kommen muss: im Angesicht des Todes greift Mose ein, bewahrt seinen Freund vor dem sicheren Tod und besiegelt jenes Schicksal, das vorausgesagt wurde. Er selbst glaubt nicht daran und generell herzlich wenig, wenn es um Spiritualität, dem Willen der Götter oder sonstige übernatürliche Phänomene geht. Das wird sich ändern… Mose sucht stellvertretend für Ramses den Stadthalter auf, der Gelder zugunsten des eigenen Wohlstandes abzweigt und so einen Aufstand unter den Sklaven heraufbeschwört. Auch mit den Ältesten der Israeliten möchte er ein offenes Gespräch führen. Was er allerdings von Nun (Ben Kingsley) zu hören bekommt, klingt im ersten Moment nach einer dreisten Lüge. Mose wäre angeblich der einzige männliche Erstgeborene aus den Reihen des unterdrückten Volkes, der einst davor bewahrt werden konnte, von den Ägyptern zur Populationskontrolle gemeuchelt zu werden.

Die Information gelangt über Umwege zu einem ebenfalls sehr skeptischen Thronfolger, denn Ramses wird Pharao, nachdem sein Vater einer unheilbaren Krankheit erliegt. Mose wird ins Exil verbannt, heimlich verfolgt von zwei Männern, die ihn in der Wüstengegend umbringen sollen. Sie scheitern kläglich und der ehemalige Feldherr findet zunächst ein Fleckchen Frieden auf Erden. Er wird Ziegenhirte, heiratet die schöne Zippora (Maria Valverde) und zeugt mit ihr einen Sohn namens Gershom. Neun Jahre später erscheint ihm an einem stürmischen Tag plötzlich sein Gott in Gestalt eines Knaben. Mose soll in die Stadt Memphis zurückkehren und dort für die Rechte der hart arbeitenden Sklaven eintreten; er wird quasi zu so etwas wie dem ersten Gewerkschafter. Nur ist es leider so, dass der uneinsichtige Pharao Ramses II. seine Verhandlungspositionen gerne mit öffentlichen Hinrichtungen untermauert. Ramses verfügt: Mose und seine Familie sollen sterben und mit ihnen sämtliche Verbündeten. Die Zeit wird zeigen, wer den längeren Atem und eine höhere Leidensfähigkeit besitzt…



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Bei aller Sturheit, die der altägyptische König Ramses II. ausstrahlt, verliert gemäß der biblischen Vorlage unser Gott irgendwann die Geduld und lässt die Zehn Plagen über das Land ziehen. Eine Bestrafung nicht nur für die Ägypter, sondern auch die hebräische Anhängerschaft eines mit seiner Führungsrolle in die Freiheit oftmals hadernden Mose. Ridley Scott nutzte jene Momente für eindrucksvolle Spezialeffekte und packt die anstrengende Reise der Israeliten nach Kanaan mit dem Roten Meer vor Augen und dem wütenden Feind als dramaturgische Spitzen oben drauf. Nach 150 Filmminuten bin ich beinahe enttäuscht, weil ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet habe, einen lauwarmen Aufguss des Klassikers Die Zehn Gebote (1956) präsentiert zu bekommen.

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