Solider Spuk ohne Überraschungen.

brd-haunt

Review | Kritik | Bewertung
Haunt - Das Böse erwacht (2014)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Universum Film
www.universumfilm.de

Wer hat Angst vor dem bösen Haus? Gruselfilme, in denen ein von Geistern und mystischen Erscheinungen heimgesuchtes Gemäuer im Mittelpunkt steht, dieses quasi ein eigenes Leben zu entwickeln scheint, sind unlängst Legende. Nicht umsonst titelt man sie deshalb gerade im englischen Sprachgebrauch auch gerne als Haunted House Filme – quasi ein eigenes Sub-Genre, das mit Klassikern wie Shining, House on Haunted Hill, The Amityville Horror, Poltergeist oder The Grudge einige der besten Perlen des Horror-Genres überhaupt zu bieten hat. Haunt – Das Böse erwacht bezeichnet sich schon auf dem DVD bzw. Blu-ray Cover als „erfinderisch umgesetzter Haunted House Thriller“. Eine Dachzeile weckt Erwartungen, indem sie auf die Macher von Paranormal Activity hinweist.


Der Film von Regisseur Mac Carter, für den das Werk sein Debüt im Langfilm-Bereich darstellt, setzt sich also selbst in die Spur der Gruselhaus-Epen. Doch kann der mit einem für US-amerikanische Verhältnisse kleinen Budget gedrehte Film seine Unabhängigkeit und dem unprätentiösen Cast auch Frische ins Genre bringen und sich als eigenständige Überraschung behaupten, oder wird hier einmal mehr versucht, in einer Sparte mitzuwirken, die von schlechten Rip-Offs und noch miserableren Produktionen am Fließband überschwemmt ist? Die Story lässt - wenn man ehrlich sein soll - zunächst eher Schlimmes erahnen. Evan (gespielt von Harrison Gilbertson) zieht mit seiner Familie in ein neues Haus. Der introvertierte Teenager befreundet sich schnell mit seiner nicht gerade unattraktiven Nachbarin Samantha (Liana Liberato), die ihm gruselige Geschichten über das neue Domizil erzählt. Als sie dann eine geheimnisvolle Kiste auf dem Dachboden finden und diese auch noch öffnen, geht der Spuk los...

movie-hauntAttraktive Teenager, ein Geisterhaus, eine Box die nicht geöffnet werden darf – all das sind Retorten, die schon verdammt gut arrangiert sein müssen, um Haunt eine echte Chance im Heimkino zu geben. Und um das gleich vorweg zu nehmen: diese Chance lohnt sich. Regisseur Carter, der übrigens mit Paranormal Activity oder Insidious so viel zu tun haben dürfte, wie mit dem Ausbruch der Pest, besitzt nämlich tatsächlich das glückliche Händchen, seinen Film einen eigenen, individuellen Charme zu verleihen. Obwohl kein einziger Aspekt der Story neu oder sonderlich innovativ ist, obwohl der Cast eine zwar ordentliche, aber nie herausragende Leistung präsentiert und obwohl der Film zu jeder Zeit in Gefahr laufen könnte, in eine plumpe, schlecht gemachte Nummernrevue umzuschlagen, inszeniert sich Carter einen Pfad durch Haunt - Das Böse erwacht, der ein Musterbeispiel für ein gut gemachtes Genre-Stück abgibt. Denn der Film beweist, worauf es ankommt. Es geht weniger darum, die Erwartungen der Zuschauer zu durchbrechen, indem man sie in die Irre führt oder immer wieder neu überrascht, sondern sie stattdessen in jedem Aspekt zu erfüllen, vorhersehbar zu bleiben und dadurch die Chance zu bieten, sich am Erzählten zu erfreuen, ihm den vermuteten Wissensvorsprung zu lassen und so eine Möglichkeit zu geben, in die ganz eigene Stimmung des Szenarios einzutauchen.



redakteur-david

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

David Liese ist der Meinung...
Der Trailer bleibt bewusst geheimnisvoll und scheint dennoch vielversprechend für bekennende Genre-Liebhaber. Haunt - Das Böse erwacht ist in der Tat ein solider, hervorragend umgesetzter Haunted House Film, der in seiner cineastischen Umsetzung in jedem Fall ein Lob der Kritiker verdient. Dass der Film deshalb (mitunter auch in Sachen Verkaufszahlen) noch lange keine Berge versetzt, liegt in der Natur der Sache und dürfte den Zuschauer nicht weiter stören.

Preisvergleich: Haunt - Das Böse erwacht