Leben oder sterben, Sie haben die Wahl.

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Review | Kritik | Bewertung
Saw I - VII (2014)

Bewertung: 5 von 6
Studio: Studiocanal
www.lionsgatehorror.com

10 Jahre ist es nun her, dass der erste Teil der weltberühmten Saw Reihe sich anschickte, das Horrorgenre ein Stück weit zu revolutionieren oder sagen wir zumindest einen solch großen Einfluss darauf zu nehmen, um lange Zeit Vorbild, Referenzprodukt und Gesprächsthema zu bleiben. Der unglaubliche Erfolg gab den Schöpfern der Jigsaw-Morde letztlich recht und lieferte einen guten Grund, jährlich eine weitere Fortsetzung eines einzigen großen „Spielplans“ zu veröffentlichen, bis man 2010 bei der (vorläufigen) Vollendung angelangt war. Zwar gibt es auch hier wieder ein halbwegs offenes Ende, an dem man anknüpfen könnte, aber irgendwann ist dann mal Schluss. Oder etwa doch nicht…? Verfolgt man einige leise Stimmen im Netz, „arbeitet die Produktionsfirma Lionsgate gerade an Saw VIII“. Bei weltweiten Einnahmen aller sieben bisher erschienenen Teile in einer Gesamthöhe von mehr als 867 Mio. US-Dollar eine nachvollziehbare Entscheidung. Angesichts des Jubiläums lenken wir den Blick noch einmal auf die Collector’s Edition mit Saw I – VII auf Blu-ray, die garantiert für einige unbequeme, aber unterhaltsame Stunden sorgen wird.


Die Filmreihe gerade für diejenigen unter unseren Lesern, die bisher kaum oder keine Berührungspunkte damit hatten, näher zu beleuchten stellt mich zugegebenermaßen vor Probleme, ich möchte schließlich nicht sämtliche Wendungen der Story und Komplizen eines gewissen Jonathan „John“ Kramer (gespielt von Tobin Bell) verraten. Dieser ist in gewisser Weise der Drahtzieher aller Ereignisse, „dessen Werk selbst nach seinem Tod noch lange nicht vollendet sein wird“, wie er selbst prophezeit. Man könnte ihm Misanthropie vorwerfen und doch richtet sich seine Verachtung vor allem gegen jene Menschen, die seinen (Leidens)Weg kreuzen und die wertvolle Gabe des Lebens einfach nicht zu schätzen wissen. John war einst glücklich und erwartete zusammen mit seiner geliebten Frau Jill Tuck (Betsy Russell) sehnlichst Nachwuchs. Jill leitet eine Klinik für Drogenabhängige und wird von einem ihrer Patienten so schwer verletzt, dass sie das ungeborene Kind verliert. Bei John löst dieser Vorfall verständlicherweise enorme innere Wut aus und er meint, „diesen Menschen könne man nicht helfen, sie müssten sich selbst helfen“. Eine These, deren Wahrheitsgehalt es zu prüfen gilt.

movie-saw172Der nächste schwere Schicksalsschlag und Antriebsmotor für Jigsaw’s Taten ist die ärztliche Diagnose eines unheilbaren Gehirntumors, die ihn dazu bringt, sich mit dem Auto in eine Klippe zu stürzen. Nur überlebt er zu seiner eigenen Überraschung, möchte das Gefühl einer „Neugeburt im Angesicht des bevorstehenden Todes“ mit verschiedenen Personen teilen und entwickelt allerhand teuflische „Hilfsmittel“ für den Weg der Erkenntnis. Saw startet mit zwei an Leitungsrohre festgeketteten Männern, die in einem verdreckten Badezimmer zu sich kommen und einige Zeit rätseln, wie sie in diese missliche Lage geraten konnten. In der Mitte des Raumes liegt eine dritte Person, die sich scheinbar mit einem Kopfschuss das Leben nahm. Ihre Instruktionen erhalten Adam und Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) über ein Tonbandgerät, andere Opfer erblicken eine düstere Puppe mittels Videobotschaften. Jeder von ihnen wird direkt angesprochen und Jigsaw kennt offensichtlich die schmutzigsten Details, die ihnen nun zur Last gelegt und eine Wahlfreiheit gegeben wird, um Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Im Hintergrund ermittelt ein geradezu besessener Detective Eric Matthews (Donnie Wahlberg), dem es zwar gelingt, Kramer’s Werkstatt mit einem Sondereinsatzkommando zu stürmen, allerdings muss er auf Überwachungsbildschirmen tatenlos zusehen, wie sein Sohn Daniel in einem verlassenen Haus mit einer Gruppe von verurteilten Verbrechern eingesperrt ist.

Das Anwesen ist gespickt mit tödlichen Prüfungen und was Saw II noch brisanter werden lässt: Eric hatte bei allen Verurteilungen (manchmal auch mit gefälschten Beweisen) mitgewirkt. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, weil ein Nervengas die Überlebensspanne auf 2 Stunden begrenzt und mit Amanda Young (Shawnee Smith) wird eine Probandin sogar das zweite Mal einem Test ihres Überlebenswillens unterzogen – ihre Rolle wird noch sehr bedeutend in diesem und weiteren Spielen. Unter der Regie von Darren Lynn Bousman erfährt der Zuschauer in Saw II, III und IV durch Rückblenden vieles zur persönlichen Vorgeschichte von John Kramer und beginnt seine Denkweise zu verstehen. Jigsaw würde sich nie als Mörder sehen, schließlich bietet er den Spielern immer die Möglichkeit zu gewinnen, für einen schmerzhaften Einsatz versteht sich… Was seine erwähnten Komplizen betrifft, ist das manchmal nicht der Fall und sie handeln aus eigenen Motiven, die ebenfalls nach und nach beleuchtet werden. Vergebung auf die harte Tour lernen muss der rachsüchtige Jeff Ridenhour (Angus Macfadyen) in Saw III. Sein Sohn kam bei einem Verkehrsunfall zu Tode und der damalige Verursacher in seinen Augen mit einer viel zu milden Strafe davon.

movie-saw173Jigsaw sorgt für ein Wiedersehen und „therapiert“ Jeff durch die Wahl, mehrere Leben zu retten oder weiter an Erinnerungsstücken festzuhalten. Ähnlich ergeht es Detective Daniel Rigg (Lyriq Bent) in Saw IV mit dessen Besessenheit, „ständig alle um ihn herum retten zu wollen“. Er soll lernen, diese Bürde endlich abzulegen und bekommt ein individuell auf ihn zugeschnittenes Spiel mit einem 90-minütigen Countdown, um das Leben seiner Kollegen Matthews und Detective Mark Hoffman (Costas Mandylor) zu retten, jedoch auf eine andere Weise, als er zunächst annimmt. Der Jigsaw-Fall und die bohrende Vermutung, es handelt sich um mehrere Personen, deren wahre Identität zu kären ist, beschäftigt mittlerweile auch das FBI. Die Agents Perez und Peter Strahm (Scott Patterson) tappen dabei entweder in gestellte Fallen oder werden plötzlich selbst verdächtigt, das Werk von Kramer fortzuführen. Ganz nebenbei lernen in Saw V fünf neue Opfer bei einem gemeinsamen Spiel, dass ein Ziel mit ausgefahrenen Ellbogen und anderem blutigen Durchsetzungsvermögen zu erreichen, nicht immer den Schlüssel zum Erfolg bringt. Dieser Teil der Reihe deutet erstmals an, dass die Idee hinter den einfallsreichen Jigsaw-Fallen und Folterinstrumentarien eigenmotivierte Nachahmungen finden könnte.

Etwas näher an der Krankheitsgeschichte von John Kramer zeigt sich Saw VI, in dem der Manager der Krankenversicherungsgesellschaft Umbrella Health vor Augen geführt wird, wie verwerflich es ist, anhand einer Formel über das Leben anderer zu entscheiden. William Easton (Peter Outerbridge) durchläuft in einem verlassenen Zoo vier Tests in 60 Minuten und ist noch nicht einmal der Spieler, wie er entsetzt feststellen muss. Easton verweigerte Kramer die teuren Behandlungskosten für dessen inoperablen Tumor zu übernehmen und überhaupt werden zwei Drittel aller Anträge von seiner Einrichtung abgelehnt, was ihn weniger zu einem Sympathieträger macht. Bereicherung auf Kosten anderer – ein wiederkehrendes Thema, so auch im finalen Saw VII. Aus den Überlebenden der jeweiligen Spiele entsteht eine illustre Selbsthilfegruppe und einer von ihnen vermarktet sich selbst sehr wirksam in den Medien. Bobby Dagen (Sean Patrick Flanery) ist Schriftsteller und beschreibt ausführlich seine Erlebnisse, an die man sich als aufmerksamer Zuschauer überhaupt nicht erinnern kann. Vollkommen zurecht, weil er ein Betrüger ist und von Jigsaw die Gelegenheit erhalten wird, seinen angeblich so ausgeprägten Überlebenswillen tatsächlich zu demonstrieren. Neben der Umsetzung als 3D-Fassung verlassen die Spiele ausnahmsweise das übliche Setting und werden sogar öffentlich zur Schau gestellt, bekommen also neue Dimensionen und wesentlich mehr Spannung.



redakteur-alex

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Alexander Riede ist der Meinung...
Für schwache Nerven ist die Collector’s Edition der Saw Reihe ganz sicher nicht geeignet und die schonungslosen Horrorszenarien mit sadistischem Unterton sind selbstverständlich diskussionswürdig. Die eingefleischten Fans dürften sich selbst an den kritischsten Meinungen über Saw I - VII herzlich wenig stören und nach aufwühlenden 649 Minuten Gesamtspielzeit aller Teile ist man schon ein wenig gespannt, wo die Reise noch hinführen soll. Es ist zwischendurch nicht ganz so leicht, den engen Verzahnungen der mitwirkenden Akteure zu folgen, aber es gelingt den Machern, immer neue Blickwinkel zu offenbaren. Speziell für die letzten beiden Teile unter der Regie von Kevin Greutert muss man aber die Vorgeschichte kennen, um die Handlung besser zu verstehen, das wird vermutlich vorausgesetzt. Für Sammler und Horrorfreunde ein Muss, für Neugierige einen riskanten Blick allemal wert.

Preisvergleich: Saw I - VII