Kamera läuft…

brd-recevolution

Review | Kritik | Bewertung
[REC] - Evolution (2014)

Bewertung: 4 von 6
Studio: Universum Film
www.universumfilm.de

In diesem Jahr lag vielleicht bei dem einen oder anderen eine handliche Videokamera unter dem Weihnachtsbaum. Damit lassen sich besondere Momente, aber auch unerwartete Ereignisse für die Nachwelt festhalten. Angebliches Filmmaterial mit realem Hintergrund konnte sich hinlänglich bekannt als eigenes Subgenre, zumeist Horrorszenarien zugeordnet, in der Branche etablieren. Über die Genialität eines simplifizierten Konzepts wie dem des Found-Footage lässt sich bekanntlich streiten und mit der im Dezember erschienenen Sammlerbox unter dem Titel [REC] – Evolution die interessante Entwicklung eines Referenzproduktes nachverfolgen. Enthalten ist darin das vierteilige Machwerk der spanischen Herren Jaume Balagueró und Paco Plaza. Alles beginnt mit einer harmlosen Doku-Reihe über nachtaktive Berufsgruppen. Reporterin Ángela Vidal (Manuela Velasco) spricht mit einer Feuerwehrtruppe aus Barcelona und darf zwei von ihnen mit ihrem Kameramann im Schlepptau sogar während eines Notfalleinsatzes begleiten.

 
In einem mehrstöckigen Wohnblock haben die besorgten Nachbarn die mobilen Einsatzkräfte alarmiert, weil sie schreckliche Laute von einer alten Dame vernommen hatten. Die Polizei ist mit zwei weiteren Männern bereits vor Ort. Die Wohnungstüre muss aufgebrochen werden, um nach dem Rechten zu sehen. Vorzufinden ist erwähnte Dame im blutbefleckten Nachthemd und von Sinnen. Wie von Dämonen besessen geht sie auf einen der Beamten los und fügt ihm schwere Bisswunden zu, einen der Feuerwehrmänner stößt sie das Treppenhaus hinunter und wird in Notwehr erschossen. Der Schock sitzt tief und die anwesenden Personen können kaum noch rational denken und handeln. Flucht wäre der erste Impuls, doch das geht nicht. Die Türen sind plötzlich verschlossen, sämtliche alternativen Ausgänge blockiert und draußen tummelt sich ein geheimnsivolles Seuchenschutzkommando, welches das Gebäude versiegelt, um eine mögliche Pandemie zu verhindern. Ein Virus? Wie konnte dies so schnell festgestellt werden und warum wissen die Eingeschlossenen nichts davon? Zwei Schwerverletzte, die Zeit drängt, doch das Gesundheitsamt möchte kein weiteres Risiko eingehen. Glücklicherweise befindet sich unter den Hausbewohnern ein Assistenzarzt, der sich um die notdürftige Erstversorgung kümmern kann.

movie-recevolutionDie Kamera befindet sich stets am Puls des Geschehens und irgendwann wird klar, dass sich der brandgefährliche Virus durch den Austausch von Körperflüssigkeiten verbreitet. Eine Inkubationszeit variiert dabei je nach Blutgruppe, was Freiheiten einer Prozesskette zulässt… Der gebissene Polizist mutiert beispielsweise erst nach einer gewissen Zeit zu einem Zombieähnlichen Wesen, während andere Opfer schon im nächsten Augenblick zu mordenden Monstern werden. Mit jedem blutigen Vorfall dezimiert sich die Anzahl um ihr Leben kämpfender Menschen in besagtem Gebäude und durch die geschickte Kameraführung inklusive Nachtsichtfunktion entsteht ein ziemlicher Nervenkitzel mit einigen echten Schockmomenten. Ángela als Schlüsselfigur der Handlung schlägt sich tapfer, doch hat sie wirklich eine realistische Chance, dem Horror zu entkommen? Zwei Jahre nach dem 2007 erschienenen [REC] dann die Fortsetzung, die unmittelbar an die schaurigen Ereignisse anknüpft. Ein gut bewaffnetes vier Mann starkes Sondereinsatzkommando stürmt das Gebäude auf der Suche nach Überlebenden. Sie unterstehen dem direkten Kommando eines Mitarbeiters der Gesundheitsbehörde, der sich noch als getarnter Priester entpuppen soll und in Wirklichkeit eine seltene Blutprobe sicherstellen möchte.

Mithilfe dieser könnte ein Antivirus entwickelt werden und was ich anfangs für simple Zombies gehalten hatte, kann mit der Kraft christlichen Glaubens zumindest ansatzweise im Zaum gehalten werden. Eine zusätzliche Komponente, die den allgemeinen Blickwinkel erweitert und nicht ganz so enorme Logiklöcher in die Story von [REC]² zu reissen vermag wie ein strategisch perfekt organisiertes Team, das sich erst vorbildlichst beim Vormarsch gegenseitig sichert, um kurz darauf einen von ihnen ganz alleine in eine Wohnung zu schicken, während sie im Treppenhaus Däumchen drehen. Selbstverständlich muss er die dümmliche Aktion mit dem Leben büßen. Die Bildaufzeichnung übernehmen diesmal übrigens Helmkameras. Um die „Opfergabe“ reichhaltiger ausfallen zu lassen, gibt es einen Szenenwechsel und neben einem weiteren Feuerwehrmann, der einen besorgten Familienvater begleitet, dringt noch eine kleine Gruppe jugendlicher Störenfriede über einen unterirdischen Zugang in das ansonsten weiterhin isolierte Gebäude. Auch sie haben eine Handkamera dabei, es bleibt demnach bei der Wackeloptik und einem unerwarteten Finale. Ich möchte nicht zu viel verraten. Für das parallel stattfindende Prequel und damit Teil 3 der Reihe übernahm Paco Plaza alleine Drehbuch/Regie.

movie-recevolution2Wir dürfen dem glücklichen spanischen Brautpaar Clara (Leticia Dolera) und Koldo (Diego Martin) bei deren Hochzeitsfeier in exklusivem Ambiente und mit großer Gesellschaft beiwohnen. In [REC] hatte man noch erfahren, wie der Hund einer Familie des Seuchenhauses wegen dessen „Anzeichen von Tollwut“ eingeschläfert werden musste. Besagter Tierarzt ist Hochzeitsgast und kaschiert mit einem Pflaster eine Bisswunde. Als Zuschauer reibt man sich schon freudig die Hände, weil klar ist, was passieren wird. Regelrecht überrascht wurde ich allerdings von einem Wechsel der Optik und Abkehr der bisherigen Aufnahmetechnik. Aus Found-Footage wird nach knapp 20 Minuten ein regulärer Spielfilm mit offener Sicht und die Geschehnisse werden obendrein auf freies Gelände innerhalb eines umzäunten Gebiets verlegt. Ein Gefühl von neuer Freiheit sozusagen. Dem geschuldet verliert [REC]³ - Genesis (2012) eigentlich gänzlich seine Atmosphäre, setzt verstärkt auf alternative Elemente des Splatter-Horrors und serviert uns eine wütende Braut in Blutbeflecktem Kleid, die sich mit einer Kettensäge bewaffnet von Zombiehorden nicht „ihren Tag“ vermiesen lassen möchte. Das ist ansatzweise stylish anzusehen, lässt aber etwas an Klasse vermissen.

Überlebende bleiben wie in den vorangegangenen Filmen freilich Mangelware, doch es soll welche geben! Im aktuellen Sequel [REC]4 - Apocalypse, das zeitgleich zur Evolution Box im Home Entertainment erscheint, schickt Jaume Balagueró (der erneut Regie führt) ein weiteres Einsatzteam in das Haus der ersten beiden Teile. Sie sollen lediglich Sprengladungen anbringen und stoßen zur allgemeinen Überraschung auf die unversehrte Reporterin. Ángela kann gerettet werden und erwacht auf einem Schiff inmitten offener See. Mit ihr an Bord befinden sich noch Guzman (Paco Manzanedo) und Lucas (Críspulo Cabezas) sowie eine alte Dame als einzige Überlebende der Hochzeitsgesellschaft. Jetzt habe ich doch etwas verraten. Guzman und Lucas sind Ángela’s Helden, stehen aber jetzt ebenso unter Beobachtung. Das Schiff ist ansonsten voller Soldaten, ein Forschungslabor ist eingerichtet, alle Bereiche sind Videoüberwacht und "aus Sicherheitsgründen" gibt es keine Rettungsboote. Sollte der Virus ausbrechen, hält man sich an ein fest vorgeschriebenes Protokoll. Abgesehen von den Überwachungskameras bleibt [REC]4 - Apocalypse auf Spielfilmniveau, kehrt dafür aber zu mehr Spannung und provoziertem Grusel zurück. Eine unbekannte Person treibt ein falsches Spiel und verursacht mit voller Absicht ein viertes (unter Umständen nicht letztes) virales Chaos.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Es ist durchaus interessant, die Entwicklung der [REC] Reihe zu beobachten und entgegen der eigentlichen Wartezeit zwischen den jeweiligen Veröffentlichungen der spanischen Horrorfilm-Produktionen nutzte ich die Möglichkeit der Sammlerbox, das wilde Zombietreiben mit einem Schuss parasitärem Exorzismus auf zwei Tage verteilt zu sichten. Was die mitwirkenden Schauspieler betrifft, zeigen sich diese relativ austauschbar, was kein Wunder ist, werden die meisten von ihnen doch früher oder später zu Seuchenopfern. Was vielleicht noch am ehesten im Kopf hängen bleibt, ist eine furiose Braut und insbesondere Landsleute werden natürlich Manuela Velasco feiern, die ihre Karriere tatsächlich als Fernsehreporterin begann und mittlerweile in einigen Filmen zu sehen ist. Den Stilwechsel von Found-Footage zu Profiaufnahmen finde ich persönlich richtig, denn 337 Minuten an verwackelten Bildern könnte wohl niemand überstehen ohne eigenes Schleudertrauma.

Preisvergleich: [REC] - Evolution