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Interview:
Mrs. Greenbird

am 5. November 2014 in Hamburg

Sarah Nücken und Steffen Brückner haben das geschafft, wovon viele andere träumen: sie machen erfolgreich Musik, bringen am 7. November 2014 bereits ihr zweites Album auf den Markt und sind auf den Bühnen Deutschlands schon fast zu Hause. Für das neue Album Postcards begaben sich die beiden auf große Reise, genauer gesagt: nach Nashville. Dort entstand ein einzigartiger Sound, der genau so klingt, wie ihn sich die beiden für ihre Songs gewünscht haben. Die Gewinner der dritten Staffel von X-Factor sind aber nicht nur ein musikalisches Duo, sondern auch privat ein Paar. Wie sich dies vereinbaren lässt und was dabei ihr ganz persönliches Erfolgsrezept ist, verrät uns die sympathische Sarah von Mrs. Greenbird im Interview mit der Medientheke.


Am 7. November 2014 erscheint Euer neues Album 'Postcards'. Beschreibe doch bitte mal die Entstehungsphase. Wie habt Ihr die Songs dafür ausgewählt?
Sarah Nücken: Für das Songwriting hatten wir diesmal etwas weniger Zeit, da wir im Jahr 2013 insgesamt 10 Monate auf Konzerten und Promo-Tour unterwegs waren. Zwei Songs hatte ich letztes Jahr im Mai schon geschrieben und eine andere Idee im September, aber so richtig Zeit zum Schreiben hatten wir erst zwischen Januar und März in diesem Jahr. Im April sind wir dann schon direkt ins Studio gegangen und haben die Songs aufgenommen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits kleine Demos aufgenommen, die Song-Struktur und die Songs standen schon, nur die fertige Instrumentalisierung nicht. Den Rest haben wir dann in Nashville gemacht. Wir sind keine "Für-den-Mülleimer-Songschreiber". Wir überlegen uns immer ganz ein Thema, das uns am Herzen liegt, worüber wir schreiben wollen und dann sitzen wir auch so lange daran, bis der Song so klingt, dass wir ihn gut finden. Am Ende hatten wir 14 1/2 Songs. Einen haben wir rausgeschmissen. Nicht, weil er nicht schön war, aber weil wir dachten, er passt nicht so gut in das Album. Die anderen beiden haben wir zur Seite gelegt, werden wir dann aber für unser drittes Album wieder aufgreifen. Die sind in der Kürze der Zeit nur nicht so rund und fertig geworden, wie wir uns das gewünscht hätten. Mit den anderen zwölf Titeln waren wir so zufrieden, dass wir die unbedingt aufs Album packen wollten.

act-mrsgreenbirdDas Album wurde im RCA Studio in Nashville, Tennessee aufgenommen. Wie kam es dazu? Wie hat die Umgebung den Klang des Albums beeinflusst?
Sarah Nücken: Wir wollten eigentlich mit William Fitzsimmons gemeinsam einen Song schreiben und hatten ihn angefragt, ob er Zeit und Lust hätte, weil er zu der Zeit in Deutschland unterwegs war. Er hatte aber leider wegen seiner Tour keine Zeit. Sein Produzent Marshall Altmann hat irgendwie unsere Musik in die Hände bekommen, fand diese gut und hat gesagt, er würde mit uns die Songs schreiben. Dann haben wir uns gleich darauf verabredet. Darauf folgten sieben weitere Treffen. Wir haben uns einfach von Anfang an gut verstanden und haben ihn dann irgendwann einfach gefragt. Er war total aus dem Häuschen und hat gesagt: "Ich habe schon gedacht, ihr fragt mich nie!" Er wollte die Zusammenarbeit auch unbedingt. Dann mussten wir nur noch die Plattenfirma überreden und das hat auch geklappt. Und dann sind wir ganz kurzfristig nach Nashville geflogen. Die Umgebung hat den Klang des Albums sehr zum Positiven beeinflusst und vor allem auch so, wie wir uns das gewünscht haben. Genau deswegen haben wir uns auch entschieden, dort zu produzieren, weil wir unbedingt Live-Aufnahmen machen wollten. In Deutschland wird oft vieles nacheinander eingespielt  und wird im Nachhinein gerade gerückt und stark bearbeitet. Dann wirkt das am Ende manchmal so ein bißchen klinisch. Das ist einfach Geschmackssache, aber das war genau das, was wir nicht wollten. Wir wollten einen organischen und lebendigen Sound und sind deswegen nach Nashville gegangen. Die Studios dort sind viel größer als die Studios in Deutschland und dadurch klingen die Songs wärmer und offener. Wir konnten also alle Songs live einspielen, sind mit allen Musikern im Kreis gesessen, wie im Proberaum. Dadurch, dass die Songs live eingezockt wurden, kann man hinterher gar nicht mehr soviel bearbeiten. Das wollten wir auch gar nicht. Es sollte einfach sehr rauh, authentisch, organisch und dynamisch sein und das haben wir auf jeden Fall geschafft.

Eure Musik macht Ihr mit der Mission, die Welt mit jedem Akkord ein kleines bisschen besser zu machen. Wenn jeder von Euch einen Wunsch frei hätte, was würde sich Mrs. Greenbird wünschen, damit die Welt ein besserer Ort wird?
Sarah Nücken: Ich würde mir das wünschen, was wir auch mit unserer ersten Single ausgedrückt haben: Everyone The Same. In dem Song geht es darum, dass wir alle unterschiedlich und individuell sind. Und durch die Unterschiedlichkeit, die wir alle haben, haben wir aber auch wieder eine Gemeinsamkeit. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, fände ich es einfach schön, wenn sich alle Menschen so annehmen könnten, wie sie sind, ohne sich zu bekriegen und zu bekämpfen. An den Beispielen, die man im Moment ja wieder sehr deutlich in den Nachrichten mitbekommt. Jeden in Frieden so zu lassen, wie er ist. Jeder soll das Recht haben, so sein zu dürfen und das zu glauben, was er möchte.

Eure Musik wird mal als Pop, mal als Alternativ bezeichnet, mit Einflüssen von Folk und Country. Wie beschreibt Ihr selbst die Musik von Mrs. Greenbird? Was bzw. welche Künstler beeinflussen Euch hierbei?
Sarah Nücken: Wir haben unsere Musik selbst "Singer-Songwriter-Country-Folk-Pop" genannt. Wir machen schon Popmusik, aber einfach organisch und Hand gemacht, haben Einflüsse aus Folk und Country und seit Neuestem auch ein bißchen aus dem Blues. Ich stöbere immer ganz viel auf YouTube. Generell hören wir viel Folk-Musik, die sehr akustisch gehalten wird. Steffen hört gerne ZZ Top und Green bzw. ist mit deren Musik groß geworden. Das hört er nach wie vor gerne und wird auch sehr vom Blues beeinflusst.

Aktuell seid Ihr mit der Sneak Pre-Listening Tour sozusagen als "Warm-Up" unterwegs. Wie hat das Publikum auf die neuen Tracks reagiert?
Sarah Nücken: Das war super! Das war noch schöner, als wir uns das hätten vorstellen können. Wir haben die Tour nur zu zweit gemacht. So wie wir die Songs geschrieben haben: mit Percussion, Gitarre und Klavier und wir wollten dem Publikum zeigen, wie die Songs im Anfangsstadium klangen. Wir waren aber auch tierisch aufgeregt, vor allem vor dem ersten Konzert, weil es doch ein Wagnis war, wie das jetzt ankommt. Aber es wurde alles sehr gut aufgenommen. Wir haben tolles Feedback bekommen.

Im Frühjahr 2015 stehen Mrs. Greenbird auf den Bühnen Deutschlands im Rahmen der Postcards Tour. Worauf freut Ihr Euch hier besonders? Was erwartet Eure Fans auf der Tour?
Sarah Nücken: Wir freuen uns auf jeden Fall, wieder unterwegs zu sein und die neuen Stücke auf die Bühne zu bringen. Wir freuen uns, das mit der Band zu erarbeiten, da wir ja bisher die Songs alleine vorgestellt haben. Wir werden uns auch wieder ein paar neue Cover-Nummern überlegen. Wir wissen noch nicht welche, aber da freuen wir uns auf jeden Fall schon darauf.

intpic-mrsgreenbird2Ihr macht nicht nur gemeinsam Musik, sondern seid auch privat ein Paar. Was ist Euer Geheimrezept, dass diese Kombination funktioniert?
Sarah Nücken: Wir sind uns in vielen bestimmten Punkten sehr ähnlich und haben die gleichen Ziele, Wünsche und Visionen vom Leben. Was, wie ich glaube, sehr wichtig ist. In anderen Punkten sind wir dann wieder sehr unterschiedlich. Was aber genau richtig ist, weil wir uns hier dann sehr gut ergänzen. Gerade im musikalischen Bereich ist das oft sehr gut. Vielleicht ist das unser Geheimrezept.

Ihr habt das geschafft, wovon viele andere träumen: den Sieg bei der dritten Staffel von X-Factor. Was war für Euch das Verrückteste, was nach dem Sieg passiert ist? Was ist Euer Ratschlag für Musikbegeisterte, die an einer der vielen Casting-Shows teilnehmen?
Sarah Nücken: Etwas Verrücktes fällt mir spontan nicht ein, aber dafür eine schöne Geschichte. Auf einem Konzert im Osten... die Stadt weiß ich nicht mehr genau. Da war eine ältere Dame über 70 und hat lange draußen im Regen auf uns gewartet. Das haben wir aber erst im Nachhinein erfahren, sonst hätten wir sie gleich mal mit reingeholt. Das fand ich schon sehr erstaunlich. Das war ein Stehkonzert und sie hat es dann auch noch ausgehalten, die ganze Zeit zu stehen. Wir sind dann hinter die Bühne, die Bühne war sehr hoch und sehr düster und sie ist dann über die Bühne drüber gehüpft und hinten von der Bühne wieder runter und stand auf einmal vor uns und wollte unbedingt ein Autogramm. Sie konnte es nicht mehr abwarten bis zur Autogrammstunde. Sie hat uns dann in den Arm genommen und wollte ganz viele Fotos. Die war so pfiffig und lustig und ist auch am Ende noch ganz lange geblieben und saß als Letzte beim Autogrammtisch. Als Ratschlag würde ich geben: lese Dir die Verträge sehr gut durch und überlege gut, ob Du die unterschreiben möchtest. Wir haben gute Erfahrungen gemacht, aber man hört ja immer wieder, dass es nicht immer und überall rosig zugeht. Und ganz wichtig: lass Dich nicht verbiegen und überlege Dir sehr genau, wie Du Dich dort präsentieren möchtest. Und vor allem, was Du nicht möchtest und lass Dir auf keinen Fall reinreden. Das war immer unser Grundsatz: wir machen nur Sachen, die wir tausend Prozent vertreten können und für die wir uns nicht verbiegen müssen. Ich denke, das ist sehr wichtig, da man sich sonst hinterher ärgert, wenn man am Ende nicht gewinnt und hat sich aber in der Zwischenzeit verbiegen lassen.

Welche weiteren musikalischen Wünsche und Pläne haben Mrs. Greenbird für die Zukunft?
Sarah Nücken: Wir wollen auf jeden Fall noch ein neues Album und nach Möglichkeit dann nochmal eines aufnehmen, auch gerne wieder in Nashville mit dem Produzenten, mit dem wir gearbeitet haben. Weil wir uns so gut verstanden haben und die Zusammenarbeit sehr angenehm war. Und wir würden uns natürlich wünschen, eine Weile von der Musik leben zu können und viele Konzerte zu spielen. Übersee wäre auch nicht schlecht, in Nashville vielleicht ein paar Konzerte spielen.
- Andrea Riede | www.postcards.mrsgreenbird.com