Wenn die Milchstraße zum Quarkweg wird.

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Review | Kritik | Bewertung
Die Boxtrolls 3D (2015)

Bewertung: 5 von 6
Studio: Universal Pictures
www.facebook.com/BoxTrolls.DE

Wer bewusst die Angst der Bevölkerung mit Schreckensnachrichten nährt, zieht meistens persönliche Vorteile daraus. Im Fall des durchtriebenen Archibald Snatcher (im englischen Original gesprochen von Ben Kingsley) ist das leitende Motiv schnell klar: als gewöhnlicher Bürger der Stadt Cheesebridge möchte er um jeden Preis gesellschaftlich aufsteigen. Symbolischen Charakter besitzen die farbigen Hüte. Archibald trägt wie seine illustren Handlanger Mr. Trout, Mr. Gristle und Mr. Pickles einen roten, hätte allerdings gerne einen weißen, wie der amtierende Bürgermeister Lord Portley-Rind (Jared Harris leiht ihm die Stimme). Er zeugt von besonderen Privilegien, Prestige, einer gehobenen Position oder einfach nur dekadentem Reichtum. Kurioserweise möchte sich der fiese Snatcher durch einen Statuswechsel auch Zugang zu einem exklusiven Verkostungsraum vorzüglich schmeckender Käsesorten verschaffen – und das, obwohl er hochgradig allergisch auf Käse reagiert!


Eines Abends verkündet er scheinheilig sorgenvoll, dass unheimliche Wesen ein Kleinkind entführt hätten und die wertvollen Käsevorräte plündern würden. Lord Portley-Rind reagiert erst auf den zweiten Vorwurf schockiert und verhängt eine nächtliche Ausgangssperre. Die Boxtrolls sollen an allem Schuld tragen: unterirdisch lebende Kreaturen, die nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnen, dem Zuschauer aber eher harmlos vorkommen. An der Erdoberfläche suchen sie allerhand Schrott zusammen, um daraus beeindruckende Apparaturen zu basteln. Fühlen sie sich entdeckt, verstecken sie sich naturgemäß in jenen Schachteln, die sie als eine Art Kleidungsstück um ihren Körper tragen. Archibald Snatcher behauptet, die Boxtrolls hätten das Baby des ebenfalls unter mysteriösen Umständen verschwundenen Erfinders Herbert Trubshaw (Simon „Marmelade!“ Pegg) entführt und gefressen. Wenn es sein muss, bekräftigt er dieses Gerücht auch gerne mal als intrigierende Lady Frou Frou verkleidet in Form eines Theaterstücks auf dem Marktplatz. Er verbreitet Lügen und ringt dem Lord ein Zugeständnis ab, als „Held“ der Stadt mit einem weißen Hut ausgezeichnet zu werden, wenn er sämtliche Boxtrolls einfangen und nachweislich vernichten kann.

movie-dieboxtrollsDas legendäre „Trubshaw Baby“ erfreut sich indessen bester Gesundheit, lebt unter den geächteten Boxtrolls und wächst an der Seite seines „Ziehvaters“ Fish zu einem Jungen heran, dem seine Schachtel langsam aber sicher zu klein wird. Eggs (Isaac Hempstead-Wright) bezieht seinen Namen von der Aufschrift eben dieser, wie der Rest der ulkigen Bande. Im Laufe der Zeit konnte Snatcher viele von ihnen einfangen und als es Fish erwischt, entschließt sich Eggs, etwas dagegen zu unternehmen. Er macht sich tagsüber auf die Suche nach seinen Freunden und wird Zeuge einer skandalösen Verschwörung. Der selbsternannte Kammerjäger hält die Boxtrolls in einer Fabrikhalle gefangen und lässt sie an einer monströsen Maschine arbeiten, mit der er später seine Machtposition demonstrieren möchte. Gegen die bösen Absichten scheint Eggs alleine relativ machtlos zu sein, der Junge lernt jedoch die neugierige Winnie Portley-Rind (Elle Fanning), Tochter des ignoranten Lords, kennen. Wenn sie ihm glaubt, dann vielleicht auch die anderen Bewohner von Cheesebridge. Doch manchmal hören Erwachsene einfach nicht richtig zu, wenn Kinder ihnen etwas wichtiges mitteilen wollen… Als Stop-Motion Filmerzeugnis unter großem Aufwand entstanden, garantieren viele witzige Momente und kleine Details Spaß für die ganze Familie.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Im 19. Jahrhundert war alles Käse! Zumindest wenn es nach dem englischen Kinderbuchautor Alan Snow geht. Dessen erster Teil der Ratbridge Chronicles unter dem Romantitel Here Be Monsters! diente als Vorlage für eine filmische Umsetzung (mit 3D-Effekten) in liebevoller Handarbeit. Knetfiguren zu animieren und das gesammelte Bildmaterial in ein lebendiges Geschehen umzuwandeln, ist große Kunst und verdient unseren Respekt. Bei allem Amüsement verpassen es Die Boxtrolls 3D ferner nicht, eine Message zu transportieren. Die von (un)gesundem Ehrgeiz, Selbstfindung und der hoffnungsvollen Aussicht, dass sich (beinahe) jedes Individuum ändern könne, wenn es bereit dafür ist. Wie schön. Drücken wir Eggs die Daumen für ein versöhnliches Ende.

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