Gelbe Pillen zur Gemütssteigerung.

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Kino:
Minions 3D (2015)

Bewertung: 5 von 6
Studio: Universal Pictures
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Die Minions bekommen ihren eigenen Film! Die kleinen gelben Pillen aus dem Kino-Erfolgshit Ich - Einfach unverbesserlich sollen jetzt quasi den Alleinunterhalter spielen. Das Ausgliedern solcher Sidekicks in Spin-Offs mag marketingtechnisch eine feine Sache sein, nur die Filme sind es oftmals nicht. Ein Sidekick soll den Helden noch heldenhafter wirken lassen. Er soll in Vertretung für uns Einblicke in des Helden Gedankenwelt geben. Er soll uns zum Lachen bringen, während der Held ernsthafte Probleme löst. Doch bieten sie oft nicht genug Substanz, um einen ganzen Film alleine zu tragen. Die Pinguine aus Madagascar wurden in jüngster Zeit zu Publikumslieblingen. Die psychopathischen Flattermänner wurden dank ihrer obskuren Militärtaktiken zu beliebten Charakteren. Einen Film und eine Serie später kann sie kaum noch einer sehen. Droht jetzt den Minions ein ähnliches Schicksal?


Die Minions sind Schergen, Handlanger, Diener der Mächtigen. Von Anbeginn ihrer Existenz suchen sie den stärksten Abkömmling der Evolution. Nur leider bleiben die Stärksten nicht die Stärksten, wenn die Minions an ihrer Seite weilen. Von Napoleon über Dracula bis T-Rex musste so mancher lernen, dass es kein gutes Ende mit einem nimmt, wird man von den gelben Plagegeistern verehrt. Das erkennen letztendlich auch die Minions selbst, weshalb sie sich aus der Zivilisation zurückziehen und eine eigene Kultur aufbauen. Nach ein paar Jahren Spaß schlägt aber ihr biologischer Trieb wieder voll zu: sie sehnen sich nach einem neuen Meister. Also werden Stuart, Kevin und Bob ausgewählt (alle drei „gesprochen“ von Pierre Coffin und in der deutschen Synchronisation wurden die Stimmen des Originals beibehalten). Sie sollen den Stärksten aller Bösewichter suchen, damit ihr Stamm erneut seiner Bestimmung folgen kann. Nach ein paar Irrwegen in der modernen Menschenwelt der 60er Jahre landen die drei Helden auf einer Schurken Convention in Orlando, wo die weltgrößte Superschurkin Scarlett Overkill (großartig gesprochen von Carolin Kebekus) eine Art Praktikum ausschreibt.

movie-minionsNach einer beeindruckenden Showeinlage ihrer Kaltblütigkeit haben sich die Minions sofort in sie verliebt. Mit viel Glück bekommen die drei schließlich die Stelle bei Scarlett und sollen direkt in die Vollen einsteigen: Scarlett will die Krone der Königin von England, um die Macht im Vereinigten Königreich an sich zu reißen. Zusammen mit ihrem Mann Herb (gesprochen von Sascha Rotermund) bereitet sie ihre drei neuen Schergen darauf vor. Alles läuft zunächst nach Plan, doch dann schlägt der altbekannte Fluch der Minions zu... Auf einmal wird Stuart zum König von England ernannt. Scarlett fühlt sich verraten und sie will grausame Rache an den drei laufenden Pillen nehmen, was in der wohl lustigsten Folterszene seit Monty Phyton's Inquisitions-Coach-Sketch mündet. Doch auch der Rest des Films muss sich nicht verstecken. Stuart, Kevin und Bob bringen erstaunlich viel Persönlichkeit mit, was zu wunderbar komischen Einlagen führt. Der bunte Kauderwelsch, den die Minions sprechen und der glücklicherweise nicht untertitelt wurde, kann von jedem Kind verstanden werden und bringt eine Brise Extra-Würze in die Komik. Eltern und sogar Großeltern amüsieren sich über die vielen Anspielungen auf die 60er Jahre.

Minions 3D ist also ein wunderbarer Spaß für die ganze Familie. Das Spiel mit dem Sidekick-Motiv dürfte so manchen Filmfan erfreuen. Ihr Charakter und sogar ihre Form hat keine Ecken und Kanten, sie sind einfältig, was verschiedenste Peinlichkeiten und Slapstick-Einlagen garantiert. Der Sidekick schlechthin. Nur hier wird er zum unfreiwilligen Helden auf der Suche nach seiner Hauptfigur. Diese Figur wird folgerichtig von der dominanten Scarlett Overkill verkörpert. Sie dominiert als fantastische Mischung aus abgehobenen James Bond Bösewicht und durchgedrehter Diva den Bildschirm bei jedem ihrer Auftritte. Sie gibt die Befehle, sie treibt die Story voran, sie ist die Hauptfigur. Sie hat sogar ihren eigenen Sidekick, denn ihr Mann Herb vergöttert sie, er baut ihre Gadgets, er gibt ihr die Unterstützung, die sie braucht, um die Welt zu erobern. Nur ist sie hier eben selbst die Nebenfigur. Aus dieser frechen Neuinterpretation der Beziehung eines Sidekicks zu seinem Hauptcharakter, dem Spielen und Umstülpen alter Klischees schöpft Minions 3D einen Großteil seines Charme und Witz.



redakteur-sven

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Es ist immer wieder schön, wenn meine anfängliche Skepsis während eines Films verfliegt. Ich hatte befürchtet, Minions 3D würde den Charme beliebter Sidekicks opfern, um sie sinnlos in einen abendfüllenden Film zu packen. Doch die Macher haben es geschafft, den Minions ausreichend Persönlichkeit zu geben, damit sie einen Film tragen können ohne dabei auf die typisch komischen Sidekick-Einlagen zu verzichten. Dafür bekommt man mit Scarlett Overkill eine Nebenfigur präsentiert, die eigentlich ihren eigenen Film verdient hätte. Kinder werden über die Späße der Minions lachen, die Eltern werden über die weibliche Persiflage eines Bond-Superschurken lachen, die Großeltern über die Anspielungen aus den 60er Jahren und der Film-Nerd von Welt kann sich über das Spiel mit gängigen Klischees amüsieren. Gelungener kann Familienunterhaltung kaum ausfallen.