Wenn Zeitreisen zum Problem werden.

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Kino:
Terminator: Genisys (2015)

Bewertung: 4 von 6
Studio: Paramount Pictures
www.terminatorgenisys.de

Es klingt wie ein Mantra, wenn der in die Jahre gekommene Arnold Schwarzenegger in der neuesten Version seiner Paraderolle immer wieder betont, dass er zwar alt, aber noch nicht obsolet sei. In dieser selbstironisch gemeinten Phrase spiegelt sich aber mehr Wahrheit, als alle Beteiligten an Terminator: Genisys wohl wahrhaben wollen. Denn eigentlich muss man sich mittlerweile wirklich fragen, ob das altehrwürdige Terminator Franchise nicht langsam seine Bedeutung verspielt. Spätestens bei Terminator: Die Erlösung kamen einem erste dunkle Gedanken die Zukunft der Reihe betreffend. Doch auch wenn der aktuelle Teil des Regisseurs Alan Taylor keineswegs ein so niedriges Niveau erreicht, ein bitterer Beigeschmack bleibt. Zu viele Referenzen an die glorreichen Zeiten, als James Cameron noch der kreative Kopf hinter dem Titanschädel war. Zu viel Zeitreisen-Gehabe. Zu viel Anbiederung an gängige Action-Klischees. Zu wenig eigene Impulse. Und last but not least ein fragwürdiger Cast. Bereits in den ersten 10 Minuten wird dem Zuschauer klar, dass sich die Fehlbesetzungen für John Connor weiterführen.


Nach einem überforderten Nick Stahl und dem frustrierten Christian Bale spielt jetzt Jason Clarke den Retter der künftigen Menschheit. Wirklich überzeugen kann auch er nicht. Dasselbe gilt für Jai Courtney als Kyle Reese. In den ersten Minuten sind beide die Hauptakteure, wenn sie Seite an Seite Skynet den Todesstoß versetzen. Thematisch wird hier an den Vorgänger Terminator: Die Erlösung angeknüpft. Wir erleben quasi live mit, wie die Rebellen Skynet's Festung stürmen, wie sie die Zeitmaschine finden - herausfinden, dass der T-800 schon durchgegangen ist und wie Kyle sich freiwillig meldet, um John's Mutter zu beschützen. Kaum steht er nackt in der Zeitmaschine, muss er mitansehen, wie John von Skynet's letztem Trumpf angegriffen wird. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er nicht weiß, was mit John passiert sein könnte, spielt ihm dann auch noch sein Gehirn üble Streiche, indem es ihm Erinnerungen einpflanzt, die er eigentlich gar nicht haben dürfte. Diese mystischen Auswüchse der Zeitreisen-Thematik werden später noch schlimmer, was dazu führt, dass man den Film irgendwann kaum noch ernst nehmen kann. Doch auch an anderen Stellen dieses Abschnitts wird so mancher Terminator Fan nur schwer an sich halten können. Viel zu stylisch inszeniert Taylor den Zukunftskampf.

movie-terminatorgenisysVom schmutzigen Rebellendasein, welches von Cameron in den ersten beiden Teilen angedeutet wurde, bleibt nicht viel. Bevor sich allerdings der Zeitreise-Wahnwitz und der Zwang zum stylischen Action-Kino fortsetzt, kommen ein paar wirklich tolle Minuten, von denen man so gern so viel mehr gesehen hätte. Denn Taylor interpretiert den Stoff der ersten beiden Teile jetzt auf eigene Weise und das macht richtig Spaß, obwohl der Trailer schon im Vorfeld alles verrät. Beinahe eins zu eins wird die Ankunft des ersten Terminators nachgestellt, bis ein weiterer T-800 (Arnold Schwarzenegger) auftaucht und sich mit dem Neuankömmling einen Kampf liefert, den Sarah Connor (Emilia Clarke) höchstpersönlich mit einem Schuss beendet. Damit nicht genug: auch Kyle's legendäre Ankunft wird nachgestellt, nur statt normaler Polizisten wird er von einem T-1000 erwartet. Sarah und Paps retten ihn aus der misslichen Lage. Verfolgt von dem T-1000 begeben sie sich in ein Versteck, wo sie eine Falle für den flüssigen Verfolger aufgestellt haben - kein Schmelzofen, sondern ein Säurebad. Zu sehen, wie der legendäre Cyborg langsam verätzt und sich trotzdem weiter auf Sarah zubewegt, bis Arnold ihn packt und in der tödlichen Dusche festhält, ist der wahre Höhepunkt des Films. Diese Minuten sind eine tolle Hommage und Neuinterpretation zugleich. Sätze werden zitiert, stehen aber im gegensätzlichen Kontext.

Die Cyborg-Jäger werden zu Gejagten und Sarah schlägt dem Schicksal ein Schnippchen, indem sie Terminatoren terminiert. Das verursacht Gänsehaut und besiegelt den weiteren Absturz des Films. Von da an kann es fast nur bergab gehen... Wenn die einst unaufhaltsamen Killer-Maschinen jetzt innerhalb einer Viertelstunde reif für den Schrottplatz sind, was soll uns dann noch in Angst und Schrecken versetzen? Die unfreiwillige Antwort folgt: der Rest der Handlung. Weder wird die Frage geklärt, warum Sarah Connor seit ihrer Kindheit von einem T-800, den sie liebevoll „Paps“ nennt, beschützt wird. Noch wird groß darauf eingegangen, warum Kyle auf einmal zwei Kindheitserinnerungen besitzt. Stattdessen enthüllt Sarah ihre eigene Zeitmaschine und will damit in die Neunziger springen, um Skynet zu zerstören. Kyle will lieber ins Jahr 2017, um ein Internetprogramm namens „Genisys“ zu zerstören, was später zu Skynet werden soll. Das weiß er aus dem zweiten Erinnerungsstrang und natürlich kann er Sarah überzeugen. Im Jahr 2017 angekommen, folgt die nächste Absurdität, welche der Trailer ebenfalls ausführlich spoilert. John Connor wurde von Skynet „übernommen“ zu einem Terminator umfunktioniert, zurückgeschickt und verteidigt Genisys. Das hätte vielleicht ein cooler Twist sein können, eine gute Möglichkeit, dem Franchise einen neuen Stempel aufzudrücken. Nur leider wird nichts davon konsequent weiter behandelt. Stattdessen unternehmen die Verantwortlichen den absurden Versuch, Skynet über John eine Persönlichkeit zu geben.

movie-terminatorgenisys2Spätestens jetzt stürmt Terminator: Genisys vollkommen am ursprünglichen Konzept vorbei. Die Cyborgs waren doch so Angst einflößend, weil sie keine menschlichen Motivationen hatten! Sie waren programmiert, ihr Ziel war es zu töten. Mit denen konnte man nicht diskutieren. Jetzt wird die halbe Zeit irgendein Quatsch mit dem „John-Skynet-Hybriden“ besprochen. Die andere Hälfte ist geprägt von einer actionlastigen Katz- und Mausjagd mit vielen, immer peinlicher werdenden Referenzen an die alten Terminator Teile und einem viel zu vorhersehbaren, fast süßlichen Ende. Ein paar Running Gags, welche das missglückte Lachen von Paps und die Fortpflanzung von Kyle und Sarah betreffen, gibt es obendrauf. Alles nicht mehr als Mittelmaß. Wirklich schade ist das vor allem für Emilia Clarke. Sie macht eigentlich eine gute Figur als Sarah Connor und ist überraschenderweise ein echter Gewinn, sie darf es nur nicht so richtig ausspielen. Ihre vorgezeichnete Romanze mit Kyle schlägt keine Funken, was aber eher am Drehbuch und Jai Courtney liegt. Eine bessere Chemie entwickelt sie mit Arnold Schwarzenegger, wenn es um die Beziehung zu Sarah's mechanischem Ziehvater geht. Der Österreicher wiederum weiß um seine Stärken und Schwächen, weshalb er das liefert, was man von ihm erwartet. Erwähnenswert wäre dann noch der Auftritt von J. K. Simmons als Detective O'Brien. Für die Handlung zwar vollkommen belanglos verbreitet er trotzdem gute Laune, weil er offensichtlich selbst viel Spaß hatte. Der dürfte den Fans des Franchise dafür langsam aber sicher vergehen, müssen sie doch erneut einsehen, dass man in Hollywood entweder nicht willens oder fähig ist, in James Cameron's Fußstapfen zu treten.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Ganz so schlimm, wie ihn einige Kritiker runterschreiben, ist Terminator: Genisys dann doch nicht. Es ist sehenswertes Action-Kino, das streckenweise gut unterhält. Aber Terminator sollte eben mehr sein! Die großartigen Minuten, in denen Paps und Sarah die Geschichte der ersten beiden Teile umschreiben - das war der Zeitpunkt, an dem das Franchise eine neue Richtung hätte gehen können, weg von den vorangegangenen Enttäuschungen. Doch Regisseur Alan Taylor bleibt an Zitaten der vorherigen Teile kleben und mischt sie mit dem üblichen Krawall des modernen Kinos. Immerhin kommen dabei im Gegensatz zu Terminator: Die Erlösung ein paar beeindruckende Szenen heraus. Deshalb geht man nicht vollkommen unzufrieden aus dem Kinosaal. Außer man hoffte ernsthaft auf einen würdigen, zeitgemäßen Terminator Film. Aber war wirklich irgendjemand so naiv?