Zu klein gedacht.

kino-antman

Kino:
Ant-Man (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Walt Disney Studios
www.marvel.com/antman

Ähnlich wie die Guardians of The Galaxy ist auch Ant-Man als Comic nicht so bekannt wie andere Helden. So mancher musste sich daher ein Grinsen verkneifen, als er von der Superkraft das erste Mal hörte: mit Hilfe eines Anzugs verkleinert sich der Träger, seine Kraft bleibt allerdings die eines ausgewachsenen Mannes. Nur konzentriert sie sich eben auf kleinere Punkte und bekommt damit mehr Durchschlagskraft. So die Theorie. Wie das visuell in der Praxis aussehen kann, beweist Regisseur Peyton Reed äußerst überzeugend. Statt über ganze Städte zu fliegen, Wolkenkratzer und Raumschiffe zu zerlegen, wandelt der Held seines Films durch Rohrleitungen, schlüpft durch Schlüssellöcher und liefert sich Kämpfe auf Leben und Tod in Aktentaschen. Eine interessante Abwechslung zum üblichen Marvel Gigantismus. Leider bleibt der Rest viel zu nahe an der üblichen Blaupause der Superheldenfilme, weshalb die Handlung vorhersehbar und langweilig ist. Auch hier hätte dem Film etwas mehr Mut gut gestanden. Dann wäre Marvel vielleicht die zweite echte Überraschung gelungen.


Scott Lang (Paul Rudd), ein hochintelligenter junger Vater, kommt aus dem Gefängnis frei. Natürlich war es kein echtes Verbrechen. Vielmehr hatte er einem verbrecherischen  Kreditinstitut einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er den Kunden durch einen klugen Hack ihr Geld zurückerstattete. Aber die Gesellschaft macht keinen Unterschied zwischen Ex-Knackies und modernen Robin Hoods. Deshalb verliert er seinen lausigen Job, seine Ex-Frau will die gemeinsame Tochter von ihm abschotten, solange sie keine Alimente erhält und ihr Verlobter (ein Cop) würde Scott gerne etwas anhängen, um zu zeigen, dass er der bessere Vater ist. Damit sind die üblichen Elemente für einen Helden beisammen: Scott ist ein zu unrecht abgestempelter Außenseiter, der eigentlich ein guter Kerl und vor allem ein toller Vater wäre, aber die gleichgültige Gesellschaft gibt ihm keine richtige Chance. Einzig dem immer sympathischen Paul Rudd ist es zu verdanken, dass diese Ausgeburt an Charakter-Klischees dem Studio nicht von der ersten Minute an um die Ohren fliegt. Der weise Lehrmeister, der über die Vorurteile hinweg sieht und Scott auf den richtigen Pfad schickt, ist Dr. Hank Pym (Michael Douglas). Ein genialer Wissenschaftler, der eine Formel entdeckte, um alles auf ein Minimum seiner ursprünglichen Größe zu schrumpfen.

movie-antmanAußerdem entwickelte er ein Gadget, um mit Ameisen aller Art zu kommunizieren. Das Resultat seiner Forschungen war ein Anzug, der seinen Träger auf Insektengröße verkleinert und Ameisen zu nützlichen Gehilfen macht. Pym wurde so Gründer einer der mächtigsten Technologiefirmen, schwang sich auf zum ursprünglichen Ant-Man zu werden, rettet ein paar Mal die Welt und so weiter... Das alles passierte wegen der geringen Größe meist ungesehen von menschlichen Augen, was dem exzentrischen Wissenschaftler auch sehr recht war. Er musste einen hohen Preis für seine Heldentaten bezahlen, als er Unternehmen und Frau verlor und seine Tochter Hope (Evangeline Lilly) sich ihm entfremdete. Zudem forscht sein alter Schüler Darren Cross (Corey Stoll) wie besessen an einer Kopie der Formel und steht kurz vor dem Durchbruch. Das ängstigt Pym gewaltig, weil er weiß, wie gefährlich ein unsichtbar kleiner Krieger mit der Kraft eines Erwachsenen sein kann. Deshalb beobachtet er Scott schon seit Jahren, lockt ihn zu sich, testet und überredet ihn, der neue Ant-Man zu werden. Das gefällt weder Hope, die findet sie sollte das Erbe ihres Vaters antreten, noch Darren, der sich in dieser Rolle sieht.

Erneut ist es der Schauspieler, welcher diese Ausgeburt an Klischees rettet: Michael Douglas haucht dem heldenhaften Wissenschaftler mehr Leben ein, als es das Drehbuch vermuten ließ. Während sich die familiären Probleme mit Hope durch ein ehrliches Gespräch lösen lassen, muss der verrückt gewordene Darren mit anderen Mitteln aufgehalten werden. Pym will in Darren's Firma einbrechen und die gesamte Forschung zerstören. Das muss möglichst schnell geschehen, weil Darren schon den ersten Prototypen seines eigenen Anzugs entwickelt hat und die ersten zwielichtigen Verkäufer stehen mit ihren Geldkoffern bereit. Was folgt, ist wenig überraschend: Scott und seine tollpatschige, aber loyale Entourage infiltrieren das Labor, zerstören die Forschung und retten nebenbei die Familie von Pym. Darren entkommt mit dem Prototypen seines Anzugs, schwört Rache und nach ein paar erstklassigen Kampfsequenzen wird er gestoppt. Es gibt einen Schlagabtausch in einem Aktenkoffer zwischen Handy und Geschäftspapieren. Die Spielzeugeisenbahn von Scott's Tochter wird zum Setting für den finalen Schlagabtausch.

movie-antman2Das ist eine ganz neue, frische Perspektive auf den Superheldenkampf, der von Reed mit der typischen Marvel Ironie inszeniert wird. Doch genau diese selbstironische, manchmal flapsige Inszenierung von Ant-Man bringt ein weiteres Problem mit sich. Mal wird sich lustig gemacht über die Minikrieger, ein anderes Mal sind sie die neue Superwaffe im asymmetrischen Krieg. Es gelingt dem Film glaubhaft zu machen, warum nicht nur riesige Alien-Raumschiffe eine Gefahr sind, sondern auch winzige Einheiten. Doch genau das beißt sich vehement mit der selbstironischen Inszenierung. Erschwerend kommt hinzu, dass man offenbar etwas zu viel Angst vor der eigenen Courage hatte. Es gibt viele Andeutungen in Richtung Avengers. Ein paar Witze lockern die Dialoge auf, Pym's Konkurrenz mit Tony Stark wird angedeutet, sogar einen Kampf von Scott gegen einen Avenger aus der zweiten Reihe gibt es. Doch voll integriert in den Film überschreitenden Hauptplot ist die Story um Scott Lang und Hank Pym sicher nicht. Es ist die Einführung neuer Charaktere, von denen man aber nicht so genau wusste, wie sie ankommen. Daher wird ihre Geschichte so vage verknüpft, dass man sie auch wieder rausnehmen könnte, wenn es nötig ist. Wird es aber vermutlich nicht. Ant-Man ist trotz der vielen Kritik grundsolide Kinounterhaltung.



redakteur-sven

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Es gibt viel zu meckern und die Foren werden sich bald füllen wegen der Lächerlichkeit einiger physikalischer Erklärungen und Aktionen in Ant-Man. Doch am Ende kann die rasante Inszenierung mit ein paar frischen Ansätzen bei der Action überzeugen. Die Lücken und die Unzulänglichkeiten im Drehbuch überbrücken sowohl Paul Rudd als auch Michael Douglas gekonnt. Der Witz und die Selbstironie bringt einen zum Lachen, die Action zum Staunen. Trotzdem ist Ant-Man nur ein mittelmäßiger Marvel Film. Sicher besser als die beiden Episoden von Thor, aber weit davon entfernt, ein neuer Guardians of The Galaxy zu sein. Dafür hätte man mutiger und größer denken müssen. Den ungewöhnlichen Actionszenen eine bessere Handlung an die Seite zu stellen, weg von der üblichen Blaupause - da wäre einiges drin gewesen. Der Stoff spielt sein volles Potenzial leider nicht aus.