Vier für einen weiteren Fehlschlag?

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Kino:
Fantastic Four (2015)

Bewertung: 3 von 6
Studio: Constantin Film
www.fantasticfour-film.de

Der mittlerweile vierte Fantastic Four Film wird jetzt auf das Publikum losgelassen, angefangen beim ersten Versuch 1994, über die beiden Fassungen in den 2000ern und jetzt eben der erneute Reboot. Zum vierten Mal müssen die Produzenten den Hohn, Spott und die regelrechte Abscheu der Comicgemeinde ertragen, weil eines der beliebtesten Comic-Franchises quasi mit Füssen getreten wird. Und seien wir ehrlich: es ist verdient. Keine der Verfilmungen ist gut, weder als Filmwerk im Großen und Ganzen noch im Sinne einer Comicverfilmung im Speziellen. Der neueste Fantastic Four ist zurecht ein Debakel an den Kinokassen. Er langweilt, weil er viel zu lange seine Charaktere einführt, seine Action kommt zu kurz und innovative Ideen sucht man vergebens. Doch als die riesige Katastrophe, als welche ihn so manch einer beschreibt, mag mir der Film dann doch nicht erscheinen. Im Kern ist er solide gemacht. Nur will er die Einführung einer ganzen Reihe sein und vernachlässigt daher eine eigenständige Geschichte. Die Story beginnt in Richard Reed's Schuljahren. Der hochbegabte Junge träumt von der Herstellung eines Teleportationsgeräts. Seine Mitschüler plus Lehrer halten ihn für verrückt, seine Eltern kümmern sich nicht weiter um ihn.


Einzig Ben Grimm interessiert sich für die Fantastereien des jungen Reed. Jahre später sind Reed (Miles Teller) und Ben (Jamie Bell) eng befreundet und haben eine mehr schlecht als recht funktionierende Version des Teleporters erstellt. Auf einer Wissenschaftsshow seiner Schule führen die zwei das Gerät vor. Die Lehrerschaft hält es für Unsinn, aber Dr. Franklin Storm und dessen Adoptivtochter Sue (Reg E. Cathy und Kate Mara; beide bekannt aus House of Cards) sehen das Potenzial. Sie arbeiten an einem Projekt mit dem man in eine andere Dimension gelangen soll. Reed's Gerät stellt den fehlenden Schlüssel zum Erfolg dar. Also wird er kurzerhand mit einem Stipendium der Baxter Foundation zum Projekt dazu beordert. Als nächstes holt Dr. Storm seinen Sohn Johnny (Michael B. Jordan) ins Team, damit der begnadete, aber aufbrausende Mechaniker nicht auf die schiefe Bahn gerät. Fehlt eigentlich nur noch das Genie, welches alles vor ein paar Jahren ins Rollen brachte: der geniale, aber exzentrische Victor (Toby Kebbell), wegen seiner apokalyptischen Prophezeiungen auch „Dr. Doom“ genannt. Bis dahin kann ich Fantastic Four nicht viel vorwerfen. Regisseur Josh Trank versucht, seine Charaktere einzuführen und ihnen das nötige Profil zu verleihen. Überraschungen gibt es dabei nicht, alle Beteiligten sind sehr stereotypisch. Die Beziehungen unter den Jungwissenschaftlern werden ausgebaut und ein paar Konfliktlinien gezeichnet.

movie-fantasticfourHandwerklich habe ich das schon schlechter gesehen und der junge Cast macht seine Sache ganz ordentlich. Nur dauert das alles gefühlt eine halbe Ewigkeit, weil nichts wirklich Interessantes passiert und man als Zuschauer nur darauf wartet, dass die fünf ihre Superkräfte erhalten und endlich cooles Zeug machen. Stattdessen sehen wir dabei zu, wie Reed um Sue buhlt, Victor immer eifersüchtiger wird und Johnny coole Sprüche ablässt, um zu übertünchen, dass er ein genauso großer Nerd ist wie seine Schwester. Ausgerechnet Ben bleibt in diesem Abschnitt weitestgehend außen vor, dabei ist er dank des Talents von Jamie Bell der interessanteste Charakter. Nur sieht man ihn die erste Hälfte viel zu selten. Irgendwann ist es aber trotzdem soweit und die Helden machen sich auf in die andere Dimension, um dort ihre Kräfte zu bekommen. Reed holt noch seinen alten Freund Ben hinzu und zusammen mit Victor und Johnny geht es los... Klar, das alles schief geht. Die Vier werden von einer Energiewelle erfasst, Victor wird von ihr ganz verschluckt und Sue wird erwischt, als sie die drei anderen zurück holt. In einem Militärstützpunkt kommt Reed dann wieder zu sich und wir bekommen das erste Mal die bekannten Mutationen zu sehen. Reed schafft es aus dem Labor zu fliehen, während er Ben zurücklassen muss. Es folgt ein Schnitt und die Handlung setzt ein Jahr später ein. Sue und Johnny können ihre Kräfte jetzt ganz gut kontrollieren, Ben arbeitet als Supersoldat für das Militär und Reed versucht alleine im Geheimen in die andere Dimension zu springen, um eine Heilung für die Zustände zu erhalten.

Doch seine Vorbereitungen werden unterbrochen, als ein Spezialteam mit Ben ihn festsetzt und mitnimmt. Er muss das zweite Dimensionsportal fertig stellen. Mit dem gelangt ein anderes Team in die Parallelwelt und findet dort den verletzten Victor. Dem haben die Monate der Einsamkeit und seine gottähnlichen Kräfte endgültig den Verstand geraubt, weshalb er beschließt, die Menschen und ihre Erde zu vernichten, um seine neue Heimat zu beschützen. Der Endkampf beginnt... Ausgerechnet dann, wenn die fünf ihre Kräfte erhalten, geht es mit dem Film immer schneller den Bach runter. Die Story wird in Richtung Endkampf gehetzt, ohne dafür wirklich entwickelt zu sein. Der sympathische Bell wird durch mäßiges CGI ersetzt und auch der restliche Cast verliert seltsamerweise an Persönlichkeit, obwohl genau jetzt der spannende Teil kommen sollte. All die vorher aufgebauten Dynamiken unter den Protagonisten werden runter gebrochen. Stattdessen gibt es überraschend viel Gore durch Dr. Doom, der aber nicht so wirklich in diese Art von Superheldenfilm passen will. Der gesamte Schluss, vom Endkampf bis zur finalen Aussöhnung, ist an Einfallslosigkeit und Vorhersehbarkeit kaum zu überbieten. Das Ende wurde so konstruiert, dass es für eine Fortsetzung taugt und das ist das Hauptproblem des ganzen Films: er wirkt wie ein überlanger erster Akt, mit dazwischen gequetschtem Kampf, statt eine eigenständige, abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Ob wir den zweiten Akt sehen, ist derzeit allerdings mehr als unwahrscheinlich. Auf das würdige Leinwand-Epos um die Fantastic Four müssen wir wohl noch länger warten.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Warum genau Fantastic Four so eine Welle des Unmuts entgegen schlägt, kann ich mir nicht so recht erklären. Vielleicht ist es die Frustration, dass die Story um Reed und seine drei Mitstreiter nie würdig auf die große Leinwand gebannt wurde, während mittlerweile sogar Ant-Man und Rocket Raccon zu Stars aufgestiegen sind. Fakt ist, dass es derzeit sehr viel schlechtere Filme gibt, die mehr negative Aufmerksamkeit verdient haben, als das Werk von Regisseur Josh Trank. Ich schaue da konkret in Richtung Adam Sandler und will damit sagen, dass der Film gut ist. Er langweilt zwar an breiter Front, bringt das Potenzial seines Casts nicht zur Geltung und die eigentlich interessante Geschichte wird schlecht erzählt. Aber zum Abfall der Filmgeschichte gehört er gewiss nicht.