Lebenszeichen eines Genres.

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Review | Kritik | Bewertung
The Crown - Death Is Not Dead (2015)

Bewertung: 5 von 6
Label: Century Media Records
www.thecrownofficial.com

Das Genre Melodic Death Metal hatte zuletzt äußerst wenig zu bieten. Die Schweden von Scar Symmetry enttäuschten mit ihrem neuen Album The Singularity (Phase I – Neohumanity) ebenso wie ihre Landsleute von In Flames (für viele bekanntlich der Genre-Vorreiter schlechthin), die sich mit Siren Charms immer mehr dem Nu-Metal annähern. Einzig und allein At The Gates, die Gründungsväter dieser Spielart, konnten mit ihrem sensationellen Album At War With Reality im letzten Jahr überzeugen. Nun tritt mit The Crown eine weitere Band den Beweis an, dass Melodic Death Metal noch lange nicht tot ist. Nach ihrer Re-Union 2009 und dem Release Doomsday King (2010), bei welchem noch Sänger Jonas Stalhammar beteiligt war, erfreuen uns die Nordeuropäer mit ihrem nunmehr achten Studioalbum, welches passenderweise den Titel Death Is Not Dead trägt.


Mit von der Partie ist dabei auch wieder der Originalsänger Johan Lindstrand, der 2004 nach der zwischenzeitlichen Auflösung von The Crown die Band One Man Army And The Undead Quartett gründete. Dass die Schweden mit dem Albumtitel in keinster Weise übertreiben, zeigt das 50-minütige Werk in seiner Ganzheit. Was den Hörer darauf nämlich erwartet, ist auf den Punkt gebracht genau das, was man erwartet, wenn man sich bewusst ein Melodic Death Metal Album anhören möchte. Schwere, treibende Gitarrenmelodien, bei denen der geneigte Metalhead gerne mal den ansonsten fest angebrachten Haargummi lockert und seine Mähne im Takt rotieren lässt. Großartig welche Energie beispielsweise Headhunter, der erste Song des neuen Albums versprüht.

act-thecrownWer jetzt glaubt, tonangebender ginge es wohl kaum, der wird durch die folgenden Songs eines besseren belehrt. Iblis Bane, der wohl beste Song den die Schweden meiner Ansicht nach jemals geschrieben haben, überzeugt vor allem durch seine Härte. Den Schweden gelingt es aber durch ein eindrucksvolles hochmelodiöses Gitarrensolo genau im richtigen Moment etwas an Geschwindigkeit herauszunehmen, ehe es nach dieser kurzen Verschnaufpause wieder voll zur Sache geht. Das folgende Eternal ist eine Cover-Version von Paradise Lost. Prinzipiell bin ich bei solchen Neuinterpretationen immer etwas skeptisch, gerade dann, wenn ich, wie in diesem Fall das Original sehr gerne mag. Die Variante der Band aus Trollhättan, die sich eigentlich recht nahe am Original hält, ist aber Dank der zugewonnenen Härte überraschend gut gelungen. Das nicht weniger überzeugende Struck By Lightning erinnert mich phasenweise ungemein an Dark Tranquillity, ehe Speed Kills (Full Moon Ahead) das Gaspedal wieder auf Anschlag durchdrückt.

Gerade ältere The Crown Fans dürften bis hierhin den einstmals großen Thrash-Anteil am Sound der Schweden vermissen. Mit Herd of Swine, Horrid Ways und Ride To Ruin werden sie zwar in der Folge nicht vollends in grenzenlose Euphorie ausbrechen, aber wenigstens zufrieden gestellt, zeigen diese Songs doch, dass sie sich nicht gänzlich von ihren Wurzeln verabschieden wollen. Dass für energiegeladene Songs nicht immer bösartige Growls notwendig sind, beweist das überragende Instrumental Meduseld, das an vorletzter Stelle nochmal den Spannungsbogen für das abschließende Godeater aufbaut, welches sich wegen seiner stampfenden Rhythmik zu einem würdigen Finale entwickelt und so den Leitgedanken Death Is Not Dead noch einmal stichhaltig untermauert.



redakteur-johann

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Johann Höng ist der Meinung...
The Crown setzen sich die Melodic Death Metal Krone auf, und das obwohl sie einst eher dem Thrash Metal zuzuordnen waren. Was den Schweden aber mit Death Is Not Dead gelungen ist, kann ohne Übertreibung in einem Atemzug mit dem neuen At The Gates Werk genannt werden. Ähnlich druckvoll und genauso kompromisslos gehen die Nordeuropäer dabei zu Werke, was man gerade bei den herausragenden Nummern wie etwa Headhunter, Struck By Lightning oder dem Paradise Lost Cover Eternal erkennen kann. Insgesamt ist The Crown ein überaus starkes Album gelungen, das sich in die Erfolgsgeschichte von Johan Lindstrand würdevoll einreiht.

Preisvergleich: The Crown - Death Is Not Dead