(K)ein bisschen müde zu schockieren.

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Review | Kritik | Bewertung
Marilyn Manson - The Pale Emperor (2015)

Bewertung: 4 von 6
Label: Vertigo Berlin (Universal Music)
www.marilynmanson.com

Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, wie wohl die perfekte Mischung aus Sexsymbol und Massenmörder aussehen könnte...? Nein? Dann geht es Euch wie mir. Brian Hugh Warner dagegen scheint sich mit derlei Gedanken bereits sehr früh auseinander gesetzt zu haben, denn anders ist nicht zu erklären, wie man auf einen derart ausgefallenen Künstlernamen der Sorte Marilyn Manson (zusammengesetzt aus dem Namen der Schauspielerin Marilyn Monroe und des Kriminellen Charles Manson) kommt. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte Warner in der Vergangenheit einige kontrovers diskutierte Kunstwerke. Anfangs fiel Marilyn Manson eher durch seine provokante Art auf, die ihm im Zuge der Attentate an der Columbine High School nahe Littleton schwere Anschuldigungen von Seiten der Medien und der Politik einbrachte.


Aber ähnlich wie bei Slipknot war die negative Publicity im Nachhinein betrachtet wohl der Weg zum kommerziellen Erfolg. Denn keine fünf Jahre später stand Marilyn Manson mit dem Album The Golden Age of Grotesque an der Spitze der Charts, wobei vielen noch die Soft Cell Coverversion Tainted Love bekannt sein dürfte. Die folgenden Alben Eat Me, Drink Me (2007), The High End of Low (2009) und Born Villain (2012) konnten zwar nicht mehr ganz an den kommerziellen Erfolg anknüpfen, jedoch zeichnete sich der musikalische Weg von Manson immer deutlicher ab. Dieser führte ihn immer weiter Weg von den provozierenden Anfangstagen hin zu gefälliger, aber doch energiegeladener Rockmusik. Genau diesen Weg schreitet der US-Amerikaner auch auf seinem neuen, nunmehr neunten Studioalbum The Pale Emperor unbeirrt fort. Dass das mitunter richtig Spaß machen kann, zeigt der groovende Opener Killing Strangers oder das phasenweise stark an The Beautiful People erinnernde The Mephistopheles of Los Angeles.

act-marilynmanson2Der selbsternannte „Antichrist“ veredelt dabei die Songs ein ums andere Mal mit seiner zwar nicht perfekten, aber dennoch markanten Stimme. Auch das vorab als Single veröffentlichte Deep Six überzeugt, stellt es doch den vermeintlich härtesten Song des Albums dar. Dass Marilyn Manson aber meilenweit von seiner Bestform aus der Holy Wood Ära (2000) entfernt ist - wo er mit Hits wie The Fight Song, Disposable Teens oder The Nobodies von sich Reden machte - zeigt im Speziellen die zweite Albumhälfte, die für meinen Geschmack etwas zu sehr dahinplätschert. The Devil Beneath My Feet, Birds of Hell Awaiting und Cupid Carries A Gun sind leider eine Spur zu monoton geraten. Hier hätte ein weiterer Song vom Kaliber Deep Six sicherlich etwas besser für Furore sorgen können. Mit seiner Mischung aus Industrial Metal und Blues Rock kann Marilyn Manson aber letztlich auch bei The Pale Emperor, seinem insgesamt neunten Anlauf punkten. Langjährige Fans können eigentlich bedenkenlos zugreifen, selbst wenn man sich (insbesondere) durch die ersten vier Songs des Albums nicht so einfach blenden lassen sollte.



redakteur-johann

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Johann Höng ist der Meinung...
Als denkendes Wesen habe ich Marilyn Manson erstmals bei der Oscar prämierten Dokumentation Bowling for Columbine wahrgenommen, als er mit durchaus überzeugenden Argumenten auf die an ihn gerichteten Vorwürfe reagierte. Mit seiner Musik bin ich bis heute noch nicht so richtig warm geworden, habe trotzdem stets die Ecken und Kanten geschätzt, die in der Vergangenheit beispielsweise Songs wie The Beautiful People oder The Fight Song auszeichneten. Diese sind leider auf dem neuen Album The Pale Emperor komplett verloren gegangen. Zwar liefert Manson einige interessante Stücke ab (Deep Six, The Mephistopheles of Los Angeles), der Gesamteindruck verfestigt sich aber eher bei der durchwachsenen zweiten Hälfte. Dennoch dürften Fans der neueren Generation mit dem Werk glücklich werden.

Preisvergleich: Marilyn Manson - The Pale Emperor