Die etwas andere Fahrgemeinschaft.

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Review | Kritik | Bewertung
The Crew (2014)

Bewertung: 6 von 6
Hersteller: Ubisoft
www.thecrew-game.ubi.com

Mit der Veröffentlichung von The Crew schickt sich ein mehrköpfiges Entwicklerteam des Hauses Ubisoft doch tatsächlich an, das Genre der Rennspiele revolutionieren zu wollen. Was die filmreife Inszenierung eines Vergeltungsschlags betrifft, ist Ihnen das schon einmal gelungen, doch eigentlich geht es vielmehr um interaktives Gameplay und eine gewisse Langzeitmotivation, sämtliche Raffinessen des Titels in vollen Zügen auszukosten. Wir schlüpfen in die Rolle eines gewissen Alex Taylor, einem Autonarr der beobachten musste, wie sein geliebter Bruder von Shiv, dem neuen Anführer der berühmt-berüchtigten Fahrer-Gang der 5-10s, auf offener Straße erschossen wurde. Er eilte zwar sofort zu ihm, doch jede Hilfe kam zu spät und der ermittelnde Polizeibeamte scheint obendrein geschmiert worden zu sein, weshalb Alex für einige Jahre unschuldig im Knast landete. Dort handelt er einen Deal mit einer FBI Agentin aus und soll für seine Freilassung die quer durch Amerika verteilte Rennszene infiltrieren, um seinem persönlichen Ziel näher zu gelangen: Rache.


Alex muss sich dazu sein eigenes 5-10 Tattoo verdienen und in den Dienst einer von fünf Fraktionen stellen, die Hoheitsrechte für bestimmte Regionen der USA für sich in Anspruch nehmen. Wer möchte, kann seine Fraktion auch während des Spiels wechseln und so den tobenden Bandenkrieg zwischen Wolves, Eagles, Crocodiles, Snakes und Bears aktiv mit beeinflussen. Was den Storymodus betrifft, lenkt uns dieser durch einige mehr oder weniger knifflige Missionen, die dem Grunde nach mit wechselnden Schauplätzen (und damit auch Anforderungsniveau an das eigene Fahrgeschick) relativ ähnlich ablaufen. Klassischerweise misst man sich mit einem bunten Fahrerfeld in regulären Rennen, fährt aber auch mal alleine gegen die Zeit und muss unterwegs einige Checkpoints rechtzeitig erreichen. Es gibt zudem unterschiedliche Arten von spannenden Verfolgungsjagden, bei denen man sich entweder an die Verse einer Zielperson heftet oder selbst vor der Polizei sowie kriminellen Individuen flüchtet. Beide Varianten fordern unser Geschick am Steuer besonders heraus und es bedarf einer cleveren Taktik. Noch schwieriger gestaltet sich eine sogenannte "Takedown-Mission", bei der wir den Boliden des Kontrahenten aus dem Verkehr ziehen müssen. Meistens benötigt man dafür mehrere Anläufe, auch innerhalb einer Mission, damit der verursachte Schaden groß genug ausfällt. Nicht nur an dieser Stelle bietet es sich freilich an, die Mission statt alleine im Koop-Modus zu bestreiten, um die Chancen auf Erfolg zu erhöhen.

game-thecrew2Wer einen Xbox Live Gold Account besitzt, kann jederzeit andere Spieler in seine Crew einladen, selbst Einladungen zu bestimmten Missionen annehmen und mit Freunden die gesamte Landkarte mit 5.000 km² Entdeckungsfläche unsicher machen. Da es speziell am Anfang so viel zu erkunden gibt, formt sich eine solche "Zweckgemeinschaft" jedoch immer nur für eine kurze Zeit - zumindest in meiner Testphase. Als Belohnung für erfolgreiche Missionen winken neben Erfahrungspunkten für den kontinuierlichen Levelaufstieg und kaufkräftiger InGame Währung noch diverse Ersatzteile und Ausrüstungsgegenstände für das eigene Auto. Statt Bucks gibt es sogar eine alternative Währung in Form von Crew-Credits, mit der man sich optische Tuning-Elemente oder neue Fahrzeuge zulegen kann. Meine erste Wahl fiel selbstverständlich auf einen Shelby GT 500 und es ist durchaus möglich, The Crew mit lediglich einem einzigen Fahrzeug durchzuspielen, wenn man möchte. Niemand ist gezwungen, seine Garage mit unterschiedlichen Rennwagen zu füllen, dafür sorgen diverse Modifikationen, um aus Serienfahrzeugen die situativ beste Performance zu holen. Neben Straßen-, Gelände- und Rally- gibt es Performance- und Rennausstattungen. Der Clou an der Sache: Während des freien Fahrens kann man sowohl auf seine "mobile Garage" als auch "mobiles Tuning" zurückgreifen, muss also nicht extra einen bestimmten Punkt (beispielsweise das Hauptquartier) ansteuern. Das open world Feeling des Renntitels von Ubisoft ist einfach grandios umgesetzt!

Um konkurrenzfähig zu bleiben, sollte man zwischen den Story-Missionen jede sich bietende Gelegenheit nutzen, kleine Events abzuschließen. Getestet werden die eigenen Fähigkeiten bei hohem Tempo, Slalomfahrten oder auf der Flucht. Ob man die Ideallinie halten kann, die präzise Lenkung durch enger werdende Tore oder zum Einsammeln von Gegenständen. Höhenmeter sammeln oder Weitsprünge landen. Die Events begegnen einem unterwegs und werden auf der Karte angezeigt, wenn das betroffene Gebiet freigeschaltet/aufgedeckt ist. Mit Bronze, Silber oder Gold absolviert, erhält der Spieler nützliche Tuning-Elemente, was mitunter einen enormen Sammlertrieb weckt. Die zunehmende Leistungssteigerung nimmt man dann auch während des freien Fahrvergnügens wahr und berauscht sich an halsbrecherischen Stunts, die dank des integrierten Prestige-Systems ebenfalls belohnt werden. Was beinahe jeden Event, jede Mission und unzählige weitere Eindrücke so unberechenbar und einzigartig macht, ist der gemeine Traffic auf den Straßen. Die knallharte Konkurrenz schenkt einem nichts und ist man endlich in der Führungsposition, crasht man plötzlich mit irgendeinem Sonntagsfahrer zusammen, der erschrocken auf die Bremse tritt. Die andere Fahrbahn ist keineswegs ungefährlicher. Für einen ordentlichen Adrenalinschub ist also gesorgt.

game-thecrewZu bereisen sind 12 Regionen/Städte neben vielen kleineren Gebieten und man kann sich die Zeit für eine Autofahrt von der Ost- an die Westküste der USA nehmen, um unterwegs den Blick auf wechselnde Landschaften abschweifen zu lassen. Ungeduldige Spieler werden womöglich lieber Bahnhöfe sowie Flughäfen aufsuchen, um schnell von A nach B zu gelangen oder nutzen die Blitzreise innerhalb bereits freigeschalteter Bereiche. Die Wahl bleibt einem selbst überlassen, wobei es genügend Anreize gibt, jeden noch so verborgenen Straßenabschnitt zu erkunden. Die Suche nach Fahrzeugwracks für ein verborgenes Auto beispielsweise, das sich später im Hauptquartier zusammenbauen lässt. Die Story im Hintergrund dauert angeblich gute 20 Stunden, ich werde aber deutlich länger brauchen, weil ich alles an Impressionen mitnehmen und genießen möchte. Als MMO-Titel ist The Crew damit aber noch lange nicht vorbei, schließlich kann man sich in teilweise mehrstündigen Fraktionsmissionen und dem Bandenkriegsszenario der 5-10s austoben. Interessant erscheinen zudem private oder offizielle PvP-Rennserien, bei denen man sich anmeldet und während der Wartezeit auf mindestens acht Mitspieler aus der Community auch andere Dinge erledigen darf. Wenn es dann mal los geht, bestimmt der Initiator einer solchen Rennserie den Ablauf und die einzelnen Strecken. Der Wettstreit kann einzeln oder als Team ausgetragen werden, was einer festen Crew selbstverständlich noch mehr Spaß bereitet, als einer spontan zusammen gewürfelten Truppe.

Wenn man es richtig nutzt, steckt enormes Leistungsvermögen in The Crew, was die Konkurrenz der Spielebranche wohl neidlos anerkennen muss. Wenn man denn überhaupt meckern möchte, so betrifft dies die ruckelige Darstellung der anderen Fahrer während einer PvP-Session. Was entweder deren Internetverbindung geschuldet ist oder mit einem künftigen Update seitens Ubisoft behoben wird. Im Koop-Modus sind mir dagegen keine Störungen aufgefallen. Grafisch glänzt The Crew ansonsten mit liebevollen Details und im Gegensatz zu GTA schaffen es Passanten mit Katzen gleichem Geschick nicht von uns überfahren zu werden, was schon ein bemerkenswertes Phänomen darstellt. Schaden am eigenen Fahrzeug beeinflusst aber auch nicht dessen Dynamik und kann (sollte es jemanden stören) gegen Bares repariert werden. Das Radioprogramm ist nicht ganz so umfangreich, aber gewiss ausreichend. Man konzentriert sich ohnehin verstärkt auf die Motorengeräusche, wofür ich einmal mehr das Ear Force XO ONE Stereo Gaming Headset der Marke Turtle Beach empfehlen würde. Nutzer der Next-Gen Konsole von Microsoft liegen hier kaum falsch, auch was den Voice-Chat betrifft. Alles in allem bleiben kaum Wünsche offen und der Titel dürfte einen für lange Zeit an die heimische Konsole fesseln.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Das Spielerlebnis von The Crew vereint einige populäre Ideen und vermittelt einem das Gefühl von Need For Speed, Forza und Grand Theft Auto in einem großen Paket. Ubisoft geht den nächsten wichtigen Schritt eines Genres, das sich stets großer Beliebtheit erfreut, aber wie kein zweites nach neuen und zusätzlichen Impulsen schreit. Unmittelbar nach Release ist die USA-Landkarte einigermaßen gefüllt mit Avataren anderer Spieler, nur leider konnte ich noch keine regelmäßig mit mir fahrenden Crew-Mitglieder finden, die auf meine Koop-Anfragen reagieren, was mich ehrlich gesagt etwas enttäuschte. Vielleicht habe ich mir auch noch nicht genügend Ansehen erspielt oder es trennt sich schon nach wenigen Tagen die Spreu vom Weizen. Hardcore-Zocker mit Level 50 trifft man ebenso wie Gelegenheitsspieler. Wer also meinen Testbericht liest und eine Runde mitfahren möchte: Einladungen nehme ich gerne an.

Preisvergleich: The Crew