Wie ein Piratenspiel nicht sein sollte...

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Review | Kritik | Bewertung
Raven's Cry (2015)

Bewertung: 1 von 6
Hersteller: TopWare Interactive
www.ravenscry-game.com

Ein gutes Beispiel hierfür ist Raven's Cry, denn bei dem vor über einem Monat erschienenen Spiel hat man immer noch das Gefühl, einen veralteten Early Access Titel zum Vollpreis gekauft zu haben. Die schlechte Synchronisation, Animation und Soundkulisse gehört bei diesem Abenteuer leider zum Alltag, aber dazu gleich mehr. Werfen wir erst einmal einen Blick auf die Story: Im jungen Alter wird die Familie des Hauptcharakters Christopher Raven bei der Überfahrt nach Amerika von Piraten überfallen und kaltblütig ermordet. Raven selbst kommt mit einer abgehackten Hand davon und sinnt natürlich nach Rache. Jahre später ist er Kapitän seines eigenen Piratenschiffs, an diesem Punkt kommen wir ins Spiel. Nach einem ersten einleitenden Scharmützel mit einer spanischen Gallone legen wir mit unserem Schiff an, um die Belohnung abzuholen, werden aber prompt vom (ebenfalls spanischen) Auftraggeber verraten und für den Mord an einem Offizier verantwortlich gemacht. Daraufhin flieht Raven zusammen mit seinem Ziehvater Marcus auf einem Ruderboot nach St. Lucia, wo sie ein neues Schiff plus schlagkräftige Crew organisieren wollen.


Um das vorläufige Ziel zu erreichen, fordert unser Protagonist den Kapitän der „Serpent“ heraus. Nachdem wir das Duell gewonnen und den Kutter mitsamt Besatzung unser Eigenen nennen können, wird Kurs auf Bridgetown gesetzt. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem überfallenen und zurückgelassenen Kriegsschiff, dessen Kapitän auf die gleiche Weise wie Raven's wirklicher Vater getötet wurde. Das einzige, woran Christopher nun denken kann, ist Vergeltung um jeden Preis. So weit so gut, bedauerlicherweise schafft es das Spiel aus mehreren Gründen nicht, die Handlung glaubwürdig weiterzuführen. Angefangen mit den klischeehaften und widersprüchlichen Charakteren wie beispielsweise der Hauptfigur selbst, dessen Familie getötet wurde, die aber selbst nicht davor zurückschreckt, im weiteren Spielverlauf wehrlose Unschuldige zu töten. Auch die ständigen Beleidigungen unseres Kapitäns gegenüber der Crew sind recht flach und gehen einem nach kurzer Zeit sogar richtig auf die Nerven. Gefolgt von langweiligen Dialogen, extremer Frauenfeindlichkeit (selbst für diese Ära) und schlechter Atmosphäre geht der Spaß langsam aber sicher den Bach runter. Da wäre noch der Aspekt Gameplay, aber auch hier ist Hopfen und Malz verloren.

game-ravenscryIm Nahkampf blocken oder ausweichen? Fehlanzeige. Das Hämmern der linken Maustaste, welche normale Angriffe ausführt, ist effektiver als alle Fähigkeiten oder Fernkampfwaffen und falls wir doch mal in den kritischen Lebensbereich gelangen, stecken wir einfach unseren Säbel ein und laufen so lange im Kreis, bis sich unsere Lebensanzeige wieder komplett gefüllt hat. Es ist zudem möglich, Gegner leise zur Strecke zu bringen, dennoch kommt es bei Raven's Cry teilweise dazu, dass der Meuchelmord einfach nicht funktionieren will und wir schwingen einfach wieder das Schwert. Der einzige Lichtblick - und das betrifft wohl das gesamte Spiel - scheint der Kampf zur See zu sein. Hier kommt auf jeden Fall etwas Freude auf, denn Windrichtung, verschiedene Kanonenarten um unsere Feinde taktisch außer Gefecht zu setzen sowie ein realistisches Schadensmodell wissen zu überzeugen. Dennoch ist das Vergnügen nur kurz, denn die Reise mit dem Schiff läuft nicht innerhalb einer offenen Welt, sondern entlang einer statischen Karte ab. Auf dieser können wir dann andere Schiffe abfangen, um uns deren Fracht unter den Nagel zu reißen, was uns allerdings gleich zum nächsten negativen Punkt bringt: das Belohnungssystem. Denn an das Geld für die teuren Upgrades unseres Kahns kommen wir nicht etwa über den Handlungsstrang oder den Überfall auf Frachter, die besten Methoden dafür sind Handel oder Glücksspiel.

Der Handel erweist sich als mühselig, da für jede einzelne Tonne Fracht extra geklickt, günstig eingekauft und an einem anderen Hafen wieder teuer verkauft werden muss. Beim Glücksspiel in der Taverne hingegen kann am meisten Schotter verdient werden, allerdings wird der Spieler dazu verleitet etwas die Mechaniken auszunutzen. Hierfür muss einfach vorher gespeichert und nach jeder verlorenen Runde neu geladen werden. Dies kommt natürlich dem Cheaten gleich, ist aber die einzige Möglichkeit, wirklich schnell an Reichtum zu kommen. Von der technischen Seite betrachtet ist Raven's Cry nicht unbedingt hübsch aufgrund der veralteten Engine, doch man ahnt nicht, welche Grausamkeit noch auf einen wartet... Bugs und Glitches sowohl im Video als auch im Audio verfolgen den Spieler durch die komplette Story von ca. 30 Stunden. Die überaus schlechte Synchronisation in der englischen und deutschen Fassung und die nervenden Sounds von unsichtbaren Ziegen und viel zu lauten NPCs in Dialogen nehmen dem Titel jegliche Atmosphäre. Selbst nach mehreren Patches gibt es noch reichliche Fehler, die dazu führen, dass die Handlung nicht weitergeführt werden kann.



redakteur-michael

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Michael Jäkel ist der Meinung...
Wirklich niemand, der vielleicht nicht einen absoluten Faible für Piratenspiele hegt, sollte sich diese Höllenfahrt durch die Karibik antun. Die dafür verlangten 55 Euro sind in diesem Fall einfach nur dreist und in keinster Weise gerechtfertigt. Die einzig spaßigen Momente wird man in Raven's Cry von TopWare Interactive womöglich in den Seeschlachten finden. Dies alleine macht allerdings ein Spiel, welches von einer schlechten Handlung durchzogen und mit unzähligen Fehlern übersät ist, nicht zwangsläufig spielenswert.

Preisvergleich: Raven's Cry