Mit Geduld ins Ziel kommen.

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Project Cars (2015)

(4/6) Welcher Fahrertyp steckt in Dir? Es gibt mittlerweile eine ganze Menge an Rennsport-Spielen mit den unterschiedlichen Ansprüchen an einen mehr oder weniger hohen Realismusgrad. Eine Diskussion um die Pole Position innerhalb des Genres ist deshalb so alt wie das Duell auf der Rennstrecke selbst... Project Cars dürfte insbesondere jene Spieler begeistern, die eine umfangreich einstellbare Simulation dem schnellen Arcade-Spaß vorziehen. Die Entwickler der Slightly Mad Studios lassen kaum ein Detail aus, was die eigene Wahlfreiheit betrifft. Der Fuhrpark mag vielleicht nicht so gigantisch ausfallen, wie in anderen Titeln, garantiert mit diversen Modellen an Straßenfahrzeugen, Retro Touring, Grand Touring und Supercars aber die nötige Abwechslung. Zusätzlich gibt es noch rasante Karts, Track Day Cars, Le Mans Prototypen und Modern Open Wheel Boliden. Sämtliche Fahrzeuge sind sofort verfügbar, für den Einstieg sollte man sich vielleicht trotzdem kein schwer zu bändigendes PS-Monster aussuchen. Es gibt immerhin diverse Fahrhilfen. Stellt man diese aber ab, bekommt man pures Renn-Feeling mit Ecken und Kanten. Ein Renn-Wochenende kann je nach Geduld, Lust und Laune in vollen Zügen ausgekostet werden.


Einmal abgesehen von der lobenswerten und in Gameplay Trailern gerne als Aushängeschild präsentierten optischen Gestaltung des Renngeschehens kann man wählen, ob es gleich mit der Startaufstellung losgehen soll oder neben zwei Trainingsläufen und Qualifikation einen das Warm-Up auf die Strecke vorbereitet. Wer bedingungslosen Realismus haben möchte, aktiviert konsequenterweise noch Schadensmodell, Reifenverschleiß, Benzinverbrauch und (unvorhersehbare) mechanische Defekte. Gerade für letztgenanntes muss man über eine hohe Frustrationstoleranz verfügen. Fehlerfreie Fahrt über Stunden, das Ziel ist wenige Runden entfernt und plötzlich streikt das Getriebe - aus der Traum vom Titelgewinn! Wie im richtigen Leben, in dem sich dann wiederum Wetter-Vorgaben nicht so leicht einstellen lassen, wie in Project Cars. Die Streckenauswahl gleicht den beanstandeten Fuhrpark locker aus: über 30 Locations ergeben dank mehrerer Layouts beinahe viermal so viele Wettkampfabschnitte. Was die KI der gegnerischen Fahrer betrifft, wächst diese an ihren Aufgaben beziehungsweise lässt sie sich den eigenen Fähigkeiten wunderbar anpassen und agiert (abgesehen vom Startgeplänkel) mit ausreichend Verstand. Einen regelrechten Spaziergang bis an die Spitze des Fahrerfeldes darf man nicht erwarten, mit der Zeit wird man jedoch immer besser. Anlass zur Beschwerde gibt es von meiner Seite herzlich wenig, man sollte die Möglichkeiten von Project Cars nur ausschöpfen (wollen), was mitunter bedeutet, statt Controller lieber zum Gaming-Lenkrad zu greifen und dann nichts wie ab in die Cockpit-Perspektive. Wer das nicht so gerne mag, kann sich einen Kauf in Ruhe überlegen.
- Alexander Riede | www.projectcarsgame.com

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Die Siedler II - Die nächste Generation (2015)

(2,5/6) Die deutsche Computerspielreihe Die Siedler kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1993 veröffentlichte Blue Byte den ersten Titel, das Herz der Fans konnte jedoch insbesondere dessen Fortsetzung drei Jahre später erobern, weshalb man sich von Entwicklerseite 2006 auch für eine Neuauflage mit grafischen Verbesserungen entschied. Publisher Ubisoft spendiert uns dieser Tage eine Gold Edition der Wirtschaftssimulation Die Siedler II - Die nächste Generation inklusive einem damals separat erhältlichen Add-On, mit dem man neben Römern, Nubiern und Asiaten auch Wikinger als viertes Volk spielen kann. Abgesehen von der Optik (insbesondere der Gebäude) spielen sich diese gleich, bringen also keine nennenswerten Vor- und Nachteile. Neben einer Kampagne oder dem freien Spiel auf vielfältigen Landschaftskarten erlaubt es der Mehrspielermodus, sich mit bis zu sechs Gegnern gleichzeitig zu messen. Wer setzt seine Ressourcen besser ein? Wer scheitert aufgrund falscher Planungen? Das Aufbauprinzip klingt im ersten Moment zwar einfach, nichtsdestotrotz gibt es so manches zu berücksichtigen.

Zum Bau diverser nützlicher Einrichtungen werden Bretter und Steine benötigt. Eine Holzfällerhütte liefert Baumstämme an das Sägewerk und Geologen müssen erst Gebirge nach Granit-Vorkommen untersuchen. Steinbruch und Bergwerk verarbeiten gefundenes Material dann zu Steinen. Wie man sich vorstellen kann, ist dieser Rohstoff nicht unendlich vorhanden, was auch für Gold, Kohle und Eisen zutrifft. Bäume lassen sich durch ein Forsthaus wenigstens nachpflanzen, oft braucht man aber den Platz für den Gebäudebau. Neue Gebiete erkundet man mittels Militärbauten und sollten Auseinandersetzungen mit anderen Völkern unvermeidlich sein, rüstet man besser seine Soldaten für den Kampf. Bier, Goldmünzen und gute Waffen/Schilde entscheiden über Sieg oder Niederlage. Das eigene Volk braucht selbstverständlich ausreichend Nahrung. Bergwerkarbeiter leisten schlichtweg mehr, wenn sie Fische, Schinken und Brot erhalten. Als Beispiel für erwähnte Komplexität: ein Bauernhof liefert Getreide, das in der Schweinezucht verfüttert wird und die Schweine schlachtet man in der Fleischerei. Das Getreide kann genauso gut in der Mühle zu Mehl und das in der Bäckerei zu Brot weiterverarbeitet werden. Bei allen Prozessketten helfen kurze Transportwege und Packesel ungemein. In den ersten Stunden erfreut man sich an vielen (funktionierenden) Kleinigkeiten, mangels Abwechslung sieht man sich daran jedoch irgendwann satt und wünscht sich womöglich mehr taktische Einflussnahme bei Grenzstreitigkeiten. Für einen günstigen Preis bleibt Die Siedler II - Die nächste Generation ein netter Zeitvertreib.
- Alexander Riede | www.classicsgames.de

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Badland: Game of The Year Edition (2015)

(5,5/6) Normalerweise bin ich kein großer Fan von Sidescrollern. Ständig das gleiche Arcade-Schema, einfach von links nach rechts zu müssen. Mit Badland: Game of The Year Edition zeigt das Team von Frogmind, dass man trotz des eher eintönigen Genres mit kleinen raffinierten Ideen ein Spiel mit Suchtfaktor schaffen kann. Zwei Wörter beschreiben den Charakter des Spiels am besten: Abwechslung und Geschwindigkeit. Das Prinzip ist ganz einfach: man schnappt sich einen flauschigen Ball, verpasst diesem ein paar Flügel und schickt ihn durch Gewölbe mit klebrigen Ranken, explodierenden Minen und haufenweise Kettensägen. Durch diverse Items, die quer durch das Level verstreut liegen, ändert sich andauernd der Zustand Eures Klons. Von so klein, dass er kaum noch zu sehen ist, über riesig, wodurch er fast nicht mehr durch die Gänge passt bis hin zu rotierend oder auch klebrig... Jeder der Zustände hat seine Vor- und Nachteile und ist entscheidend, um die nächste Passage erfolgreich meistern zu können. Ein Beispiel gefällig? Ein besonders fetter Knäuel kann Äste zur Seite biegen oder Rohre zum Einsturz bringen. Natürlich treten diese Effekte auch kombiniert auf. So könnt Ihr auch ein Item aufnehmen, was Euren Klon dupliziert. Liegen dort nun fünf dieser Items auf einem Haufen, habt Ihr eine ganze Armada an fliegenden Kuscheltieren.

Ziel ist stets, mindestens einen davon an das Ende des Levels zu bringen. Wer keine Lust hat, alleine zu spielen, darf gerne seine Freunde mitbringen und sich mit bis zu vier Koop-Spielern durch die Abschnitte zwängen. Je mehr Teilnehmer, desto höher ist der Spaßfaktor! Der Schlüssel zum Erfolg ist gegenseitiges Unterstützen, schließlich muss auch hier am Ende nur einer durchkommen, damit alle das Level gemeistert haben. Ganz anders ist der Competitive Mode. Dieses mal bewusst gegen andere Spieler, versucht man sich gegenseitig durch Steine zu blockieren, anderen die Items vor der Nase wegzuschnappen oder durch eine Armee von Klonen andere in die Kreissägen zu zwingen. Kein Pardon, keine Fairness und eine Null-Fehler-Toleranz – genau so muss Competitive aussehen! Da kann sich so manches ählich konzipierte Game eine Scheibe abschneiden. Badland: Game of The Year Edition ist im Fazit eine klasse Neuauflage des bereits 2013 erfolgreichen Smartphone-Games. Es fordert, es deprimiert und ist gleichzeitig sehr fair gestaltet. Je mehr Spieler mitspielen, desto höher wird der Spaßfaktor. Der Competitive Mode stellt die Krönung dar. Liebevolles Design, kreative Einlagen und genügend Kapitel bieten selbst Spielern anderer Genres vollen Spielspaß. Einzig und allein einen Online-Multiplayer würde ich mir wünschen. Ansonsten einfach nur hervorragend gemacht Frogmind. Vielen Dank.
- Jona Ruhland | www.badlandgame.com