Eine Frage des Preis-Leistungs-Verhältnisses.

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Rory McIlroy PGA Tour (2015)

(3/6) Eine Ära geht zu Ende. Seit 1998 brachte Electronic Arts jährlich eine neue Golfsimulation auf den Spielemarkt. Mit Tiger Woods diente einer der erfolgreichsten Golfspieler der Sportgeschichte jedes Mal als Zugpferd der Serie, was verständlicherweise daran lag, dass er das Geschehen auf den Golfplätzen dieser Welt dominierte. In stolzen 10 Jahren führte der US-Profi die Geldrangliste der PGA Tour an, die derzeitige Nummer eins ist allerdings der vierfache Major Champion Rory McIlroy. Was wohl auch erklärt, warum EA nach einem Jahr ohne Golf-Release nun Rory McIlroy PGA Tour veröffentlicht. Das Facelift für die neue Konsolengeneration ist dank Frostbite-3-Engine auf den ersten (flüchtigen) Blick eine ansehnliche Sache. Zwar muss man sich ein wenig gedulden, wenn einer der insgesamt 12 Schauplätze geladen wird, danach kommt es jedoch zu keiner weiteren Verzögerung zwischen den Löchern und man kann eine Partie gut durchspielen. Neben bekannten Kursen wie TPC Sawgrass, Coyote Falls, Wolf Creek, Royal Troon, TPC Boston, Bay Hill, Whistling Straits, St. Andrews, Chambers Bay, Wetlands und Lighthouse Pointe haben sich die Verantwortlichen mit Paracel Storm etwas Ungewöhnliches einfallen lassen.


Der interessante Kurs basiert doch tatsächlich auf der gleichnamigen Map aus Battlefield 4! Den ersten Abschlag tätigen Rory McIlroy, Deutschlands bester Golfer Martin Kaymer oder einer von zehn anderen auswählbaren Profis von einem Flugzeugträger aus. Auch die Integration des sogenannten „Night Club Modus“ mit über 170 abwechslungsreichen Herausforderungen deuten an, dass man sich vom einschläfernden Image der Sportart lösen möchte. Ob das wirklich gelingt, ist eine andere Frage. Cross-Golfer greifen dann doch lieber selbst zum Schläger, als zu einem Lizenzspiel auf der Xbox One. Fans und bekennende Zuschauer der PGA Tour hingegen könnten sich am stark reduzierten Umfang (weniger Kurse/Profis, oberflächlich gestalteter Editor zur Erstellung eines eigenen Charakters) stören. Der gesunde Mittelweg muss erst noch gefunden werden. Ein Handicap im hohen Minusbereich gibt es leider für die Lokalisierung (ausschließlich englische Sprache) und so manche optische Schönheitsfehler (Kantenflimmern, PopUps). Rory McIlroy PGA Tour wirkt mehr oder weniger wie ein vorläufiger Kompromiss, aktuell leider noch weit entfernt von einem Hole-in-one.
- Alexander Riede | www.easports.com/de/pga-tour

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Heroes of Might And Magic V - Gold Edition (2015)

(5/6) Der 2006 erstmalig erschienene Strategieklassiker Heroes of Might And Magic V ist Kennern nicht nur ein Begriff, sondern vollkommen zurecht auch ein Pflichtkauf-Exemplar des Genres. Dies ist nicht nur der Tatsache zuzuschreiben, dass sich der fünfte Teil der Serie auf die Stärken der Vorgänger besinnt, sondern vor allem auch dem glücklichen Umstand anzurechnen, dass bei seiner Entwicklung besonders auf Fan-Wünsche eingegangen wurde. Die Entscheidung, sich der Bedürfnisse der Spieler anzunehmen entstand allerdings erst, als der bisher für die gesamte Serie zuständige Entwickler New World Computing aufgrund eines Bankrotts der Mutterfirma 3DO das unfertige Spiel mitsamt Serienrechten an Ubisoft versteigerte und der Publisher kurzerhand Nival Interactive mit der Weiterentwicklung des fünften Sprössling der alteingesessenen Serie beauftragte. Das unvollendete Produkt wurde verworfen und man entschied sich sowohl für eine komplette Umsetzung in 3D, als auch insbesondere für die Nutzung der Vorzüge des dritten Teils.

Rundenbasierte Strategie mag nicht die Sache von jedem sein, doch dieses Prachtexemplar seiner Gattung zeichnet sich besonders durch die feinsinnige Integration von Rollenspiel-Elementen aus. Beispielsweise mit der Möglichkeit, seinen Helden durch Ausstattung mit Items und Equipment zu versorgen, sowie durch das Entwickeln von Fähigkeiten zu besonderer Stärke zu verhelfen. Ebenfalls treffend ausgearbeitet sind die Spezialfähigkeiten der Truppen, die taktisch klug eingesetzt so mancher Schlacht einen unerwarteten Sieg bescheren können. Doch unglücklicherweise hat sich Heroes of Might And Magic V nicht nur die positiven Aspekte seiner großen Brüder abgeschaut. Die Berechenbarkeit der KI und der oft schwankende Schwierigkeitsgrad auf dem Schlachtfeld lenken vom ansonsten unantastbaren Balancing ab und führen zu einer leichten Abschwächung des Spielspaßes. Die Gold Edition, gefüllt mit der Basisversion plus den beiden Add-ons „Hammers of Fate“ und „Tribes of The East“, bei denen neue Gebiete erforscht und weitere Fraktionen geführt werden können, verzückt Genrefans aber vor allem mit Entwicklertagebüchern, Trailer, Enzyklopädie und anderem sehenswerten Bonusmaterial.
- Nele Reinhart | www.classicsgames.de

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Das geheimnisvolle Labyrinth von Schloss Balthasar (2015)

(1/6) Wer selbst schon einmal das Vergnügen hatte, das großflächige Gelände des Europa-Park Rust mit seinen 16 Themenbereichen und mehr als 100 Fahrgeschäften zu erkunden, wird ein ungefähres Gefühl davon bekommen haben, wie es ist, sich zu verlaufen. Immerhin gibt es eine ordentliche Beschilderung, um so etwas vermeiden zu können. Auf nützliche Hinweise zum Erreichen des Ausgangs muss eine Hand voll beliebter Maskottchen des gut besuchten Freizeitparks in Baden-Württemberg leider verzichten und auf die Steuerung jener PC-Spieler hoffen, die sich nicht weiter am repetitiven Levelaufbau stören. Schauplatz kleinerer Rätsel und Geschicklichkeitsspiele ist Das geheimnisvolle Labyrinth von Schloss Balthasar. Vier recht unterschiedliche Charaktere werden hier von einer fiesen Krähe festgehalten und müssen ihre individuellen Fähigkeiten bündeln, wollen sie heil und an einem Stück aus diesem entkommen. Die pfiffige Euromaus ist in der Lage, Ereignis auslösende Hebel zu betätigen, wodurch Türen und Gitter geöffnet, aber auch unüberwindbare Abgründe geschlossen werden.

Weil die Putzkolonnen nicht auch noch die letzten versteckten Ecken des Labyrinths säubern, liegt allerhand Gerümpel herum, das den Weg versperrt. Glücklicherweise verfügt der Eurofant über ein gutes Lungenvolumen und pustet Hindernisse mit seinem Rüssel einfach davon. Louis gilt im übertragenen Sinne als Hahn im Korb, dem die Entwickler (warum auch immer) einen Schutzschild verpasst haben. Ein Geißbock mit Schweizer Akzent, liebevoll „Böckli“ getauft, kann dafür weit springen, was wieder logischer klingt. Hin und wieder zieht er aber ein Taschenmesser, um sich mit Crocodile Dundee zu duellieren. Oder so ähnlich... Anfangs erhofft man sich als Spieler noch die nötige Abwechslung, wird von Das geheimnisvolle Labyrinth von Schloss Balthasar jedoch schnell auf den ernüchternden Boden der Tatsachen zurückgeholt. Selbst eine deutlich jüngere Zielgruppe bekommt für 10 Euro an anderer Stelle mehr geboten, als 50 monoton gehaltene Schlauchlevel, die irgendwie im Design alle gleich aussehen. Dazu gesellen sich einige zu bemängelnde Kameraeinstellungen, die einen beinahe zur Verzweiflung treiben. Ein Jubiläum, zu dessen Anlass das Spiel umgesetzt wurde, kann man beim besten Willen gebührender feiern. Ein leckeres Mittagsmenü im Restaurant der denkmalgeschützten Wasserburg fällt wahrscheinlich kaum teurer aus.
- Alexander Riede | www.kochmedia.com