Auf der Abschussliste.

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F1 2015 (2015)

(4/6) Halbzeit in der laufenden Formel 1 Saison und ein gewohntes Bild: die beiden Fahrer des Mercedes AMG Petronas F1 Teams, Lewis Hamilton und Nico Rosberg, stehen in der Tabelle ganz vorne, gefolgt von Sebastian Vettel (Scuderia Ferrari) und Valtteri Bottas (Williams Martini Racing). Die Faszination für die „Königsklasse“ des Rennsports ist weiterhin ungebrochen und erhält wie jedes Jahr von Codemasters eine spielerische Umsetzung. Für den neuesten Ableger F1 2015 greifen die Entwickler auf die technischen Fähigkeiten der EGO Engine 4.0 zurück, was den Titel im Bereich Spielgeschwindigkeit und optische Präsentation vor allem auf den Konsolen Xbox One und PS4 ein gutes Stück nach vorne bringt. Überhaupt nahmen sie sich dieses Mal die nötige Zeit, um mehr von der typischen Formel 1 Atmosphäre abseits des eigentlichen Renngeschehens einzufangen. Das beginnt mit regem Treiben von generell sehr hilfreichen Mechanikern in der Box und endet bei der obligatorischen Siegerehrung mitsamt Champagner-Dusche. Die erste erfreuliche Nachricht ist die Möglichkeit, auf Wunsch neben der aktuellen (2015) auch die letzte Saison (2014) auswählen zu können. Im Gegenzug gibt es neben dem Schnellstart, Multiplayer und Zeitfahren eben „nur“ die Meisterschaft, sprich: reguläre Saison zu absolvieren. Keine Karriere oder irgendwelche historischen Ereignisse.


Es gibt fünf einstellbare Schwierigkeitsgrade. Die Fahrhilfen Bremsassistent, ABS, Traktionskontrolle, dynamische Ideallinie, Automatikgetriebe und Boxenstopp-Assistent können aber genauso einzeln deaktiviert werden für ein realistischeres Renn-Feeling. F1 2015 bietet eine gesunde Mischung aus Arcade und Simulation, sollte demnach verschiedene Spielertypen zufrieden stellen. Wer nicht wie ich zu den Gelegenheitsspielern zählt, darf sich gerne direkt an die „Profisaison“ wagen. Damit ein komplettes Rennwochenende ohne Abkürzungen und mit voller Renndistanz aus der Cockpit-Perspektive mit gegnerischer KI auf höchster Stufe und ohne Fahrhilfen bestreiten. Das könnte man freilich alles manuell einstellen, so geht es halt schneller  und man sollte schon eine gewisse Frustrationstoleranz besitzen... In meinem ersten Rennen wurde ich doch prompt disqualifiziert und aufgrund der extrem aggressiven Fahrweise des restlichen Fahrerfeldes wird man eigentlich regelmäßig auf der Strecke abgeschossen. Ohne eine Wiederholung mit „Flashback“ Option zur Fehlerkorrektur ein trifftiger Grund zum Verzweifeln. Abgesehen davon ist das Renngeschehen spannend umgesetzt, dank Reifenverschleiß, Benzinverbrauch sowie schwankender Wetterlage taktisch anspruchsvoll und selbst der offensichtlich verschlankte Inhalt des vorliegenden Titels geht vollkommen in Ordnung.
- Alexander Riede | www.codemasters.com

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Call of Juarez: Bound In Blood (2015)

(3,5/6) Schon Jahre bevor Rockstar sein gefeiertes Wild West Epos Red Dead Redemption herausbrachte, konnten Spieler den amerikanischen Frontier mit den McCall Brüdern bereisen. Die polnische Spieleschmiede Techland sorgte 2006 mit Call of Juarez für Aufsehen. Das unverbrauchte Western-Setting, dazu eine Inszenierung, die bei Genre-Fans gute alte Hollywood Zeiten wieder aufleben ließ. Ein paar Jahre danach kam dann das Sequel Bound In Blood, welches jetzt neu aufgelegt wurde. Darin wird erzählt, wie die McCall Brüder aus dem Bürgerkrieg desertieren und sich schließlich wegen einer Frau in die Wolle bekommen. Kein guter Zeitpunkt für einen Zwist, werden sie doch von ihrem ehemaligen Colonel, dem fanatischen Barnsby verfolgt. Der will die Brüder für ihre Fahnenflucht aufhängen lassen. Nur die Banditenlegende Juarez scheint noch helfen zu können... Auf dem Papier eine spannende Western-Geschichte, doch im Spiel entfaltet sich dieses Potenzial nur sehr langsam.

Auch das Setting konnte Techland nicht angemessen nutzen. Die Missionen sind meist nur öde Ballereien in Ego-Perspektive, die open world Abschnitte wirken aufgesetzt und belanglos. Die meisten Charaktere lassen die typischen Grautöne einer Westernfigur vermissen. Es gibt aber auch ein paar Highlights: die Duelle fühlen sich schnell, dreckig und tödlich an. Bin ich mit dem Gamepad nicht schnell genug am Abzug, war es das. Die Musik ist ein echter Genuss für meine Gringo-Ohren. Zudem ist Call of Juarez: Bound In Blood grafisch durchaus konkurrenzfähig. Wunderschöne Panorama-Ansichten, knackige Explosionen und finster schauende Revolverhelden an allen Ecken und Enden. Wenn dann auch noch die Kugeln über meinem Hut hinweg pfeifen, kommt für ein paar Augenblicke echtes Cowboy-Feeling auf. Doch Red Dead Redemption macht daraus im Großen und Ganzen einfach mehr. Und das ist eben mittlerweile jenes Game, an dem sich jeder Western-Titel messen lassen muss. Dem Vergleich kann dieses Spiel leider nicht standhalten. Die Welt wirkt, so schön sie auch ist, bei weitem nicht so lebendig und dynamisch. Mir fehlt außerdem das Pokern, das Jagen und das Zähmen wilder Hengste. Dazu kommt eine viel geringere Spielzeit, welche aber zumindest durch den niedrigen Preis ausgeglichen wird. Trotzdem kann jeder, der nicht genug vom Wilden Westen bekommt und gerne etwas Abstand von John Marston's Abenteuer möchte, kann es getrost mit den McCall's probieren.
- Sven Sauerhammer | www.classicsgames.de

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Breach & Clear: Deadline (2015)

(4/6) Breach & Clear: Deadline ist ein taktischer Top-Down Shooter. Im Klartext heißt das, ich schieße mit Hilfe eines kleinen Zielkreuzes aus einer isometrischen Perspektive auf meine Ziele. Dabei kann ich ständig zwischen den vier Charakteren meines Trupps wechseln. Die restlichen drei kontrolliere ich mit Anweisungen. Damit das flüssiger von der Hand geht, gibt es eine Pausetaste, damit ich meiner Truppe neue Ziele geben kann, sie in Deckung schicke oder eine der speziellen Fähigkeiten aktiviere. Erinnerungen an Molyneux' Syndicate werden geweckt. Angereichert wird der Mix durch ein standardmäßiges Zombie-Apokalypse Szenario. Der typische Gegner ist also ein schlurfender Untoter, der auch mal spuckend oder springend, aber stets dümmlich daherkommt. Das senkt die Motivation auf Dauer stark, braucht es für solche Gegner kaum Hirnschmalz. Dennoch hatte ich meinen Spaß, wenn ich kleine Fallen aufbaue und ganze Horden in einem engen Gang mit einer einzelnen Granate oder meinem Maschinengewehr zerlege. Die ebenso üblichen Marodeure und Räuberbanden sind dann schon anspruchsvoller. Sie suchen die beste Deckung, schießen scharf und müssen auch mal flankiert werden. Der Hobbytaktiker wird sich auch über den gelungenen Rollenspielanteil freuen.

Wie beim letztjährigen Wasteland 2 erstelle ich meine vier Charaktere selbst, womit sich bereits die ersten Weichen für den eigenen Spielstil stellen. Das stetige Aufleveln sorgt schnell für eine Bindung zu meinen Männern. Der dunkle Schatten des Permatodes erhöht die Vorsicht. Die fallengelassene Beute und das Finden von Truhen mit neuen Waffen erfreut darüber hinaus das Looter-Herz. Damit steht Breach & Clear: Deadline in bester Indie-Tradition der letzten Jahre. Dazu gehört aber leider auch die bescheidenere Grafik. Die vielen Details trösten nur schwer über die schnell eintönige Farbgebung hinweg. Sicher ist grau und dunkelgrün für eine Zombie-Apokalypse angemessen. Dass ich diese Tristesse mit etwas blutigem rot anreichern kann, macht sogar ab und zu Spaß, doch auf Dauer ist es etwas wenig. Story und Nebenmissionen kommen über das Mittelmaß nicht hinaus. Eine versprengte Einheit, welche sich durch eine feindliche Umgebung (bevölkert von Menschen fressenden Untoten und bösartigen Menschen) kämpft, ist beinahe langweiliger Standard. Geschmückt wird das Ganze mit den üblichen Rettungs- und Beschaffungsmissionen. Vieles in diesem Bereich wirkt verbraucht. Trotzdem ist das Spiel eine interessante Mischung aus Taktikspiel und Shooter für den schmalen Geldbeutel. Wer auf clevere Konzepte steht und beim Setting ein Auge zudrückt, kann hier viele spaßige Stunden haben.
- Sven Sauerhammer | www.gambitious.com