Der Ton macht die Musik.

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Risen 3: Titan Lords - Enhanced Edition (2015)

(3,5/6) Für die Konsolenumsetzung ihres Fantasy-Rollenspiels Risen 3: Titan Lords musste das deutsche Entwicklerstudio Piranha Bytes einiges an kritischen Stimmen und nicht gerade wohlgesinnten Kommentaren über sich ergehen lassen. In erster Linie waren es grafische Defizite, die auch unser Redakteur Sven in seinem ausführlichen Testbericht bemängelte. Ein Jahr später bricht die Zeit der Wiedergutmachung an und der Titel wurde für ein Re-Release auf der Playstation 4 optisch aufpoliert. Die Fehlerquote ließ sich zwar deutlich reduzieren, jedoch sorgt selbst die Enhanced Edition an manchen Stellen für ein verwundertes Augenreiben beim Spieler. Wenn unser namenloser Protagonist beispielsweise im Gespräch mit einem Piraten plötzlich mit dessen Körper verschmilzt oder die wilde Kamerafahrt einem jegliche Übersicht im Kampf raubt. Das karibische Setting ist zweifelsohne atmosphärisch umgesetzt und lädt zu zeitaufwändigen Expeditionen ein. Fünf frei zugängliche Inseln sorgen für die nötige Abwechslung und zahlreiche Begegnungen mit illustren Gestalten versorgen uns mit allerhand Nebenquests. So viele sogar, dass man schnell den Überblick verliert...


Primäres Ziel dürfte es sein, sich die eingangs von einem dunklen Lord gestohlene Seele zurückzuholen; zeitgleich zu versuchen, dem Lakaienstatus des Schattenreichs zu entkommen. Patty Stahlbart ist überrascht, ihren tot geglaubten Bruder zu sehen. Immerhin weit mehr als die restlichen Beteiligten der Story von Risen 3: Titan Lords, bei denen es so wirkt, als wäre nichts gewesen. Mit ihnen führt man teilweise recht merkwürdige Dialoge über deren (leeren) Inhalt sich bekanntlich streiten lässt.. Nette Antworten machen den Protagonisten wieder menschlicher, bei bösen verliert er an Seele. Stellt sich nur die Frage, wie viele Sympathieträger in einem Piratenumfeld man wirklich erwartet... Das Spielerlebnis ist ansonsten als grundsolide zu bewerten, bekommt man die sperrige Steuerung und ausbaufähigen Attribute besser in den Griff. Auch besondere Fähigkeiten lassen sich erlernen, die uns zu einem späteren Zeitpunkt das Leben deutlich erleichtern. Die rund 40 Stunden umfassende Handlung hätte ruhig tiefgründiger sein können, als drei große Gemeinschaften im Kampf gegen die mächtigen Schattenwesen zu einen. In der Enhanced Edition sind dafür aber auch die beiden DLCs "Fog Island" und "Uprising of The Little Guys" enthalten, die ansonsten jeweils 5 Euro kosten. Der vom Publisher Deep Silver veranschlagte Kaufpreis der PS4-Version des Piratenspiels in Höhe von derzeit 34 Euro klingt nach einem absolut fairen Preis-Leistungs-Verhältnis, weshalb man das eine oder andere  schmerzende Auge zudrückt.
- Alexander Riede | www.risen3.deepsilver.com

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Anna's Quest (2015)

(5,5/6) Wie es von einem klassischen Point-and-Click Adventure aus dem Hause Daedalic kaum anders zu erwarten ist, handelt es sich bei Anna's Quest um zweifellos hochwertige Qualitätsarbeit in Sachen Storytelling und Dramaturgie. Allerdings ist diese Genre-Kostbarkeit nicht gänzlich der Feder der Hamburger Märchenschmiede entfleucht, sondern aus einer Kollaboration mit dem australischen Entwicklerstudio Krams Design entstanden, welchem vor allem das beeindruckende Gamedesign und die bewegende Handlung von Anna's Quest zu verdanken ist. Die düstere und intensive Erzählart dieser an die tragischen Märchen von Hans-Christian Andersen erinnernden Geschichte scheitert während seiner gesamten Darbietung nicht daran, den Spieler in seine verzwickten narrativen Spannungsfäden zu verwickeln, auf dass dieser auch nach gut zehn Stunden Spielzeit noch an die stimmungsvoll umgesetzten Ereignisse gefesselt bleibt.

Die finstere und teilweise morbide, aber stets mit einer naiven Einfachheit unterhaltende Geschichte handelt von der elfjährigen Anna, die sich - getrieben von Angst um ihren unerwartet erkrankten Großvater - auf die Suche nach Hilfe und Heilmittel begibt. Sie findet sich dann aber in den manipulierenden Fängen einer Hexe und deren verworrenen Machtergreifungsplänen wieder. Die selbstlose und gutgläubige Art von Anna lässt den Spieler mit Leichtigkeit in ihren sorgfältig ausgearbeiteten Charakter eintauchen, um schließlich gemeinsam mit ihr an Rätseln, Fähigkeiten und Freundschaften zu wachsen. Die packenden Dialoge, der berührende Soundtrack des Komponisten Kaden Green sowie die simple, aber prägnante 2D-Grafik unterstützen die fesselnde Machart dieses Adventures. Jedoch ist Anna's Quest auf zweierlei Arten kein Kinderspiel: das Rätseldesign ist partiell sehr anspruchsvoll und die USK-Freigabe von 6 Jahren ist aufgrund der schaurigen Szenarien für meinen Geschmack denkbar niedrig angesetzt. Zu bemängeln sind außerdem die fehlende deutsche Synchronisierung sowie die zwar vorhandenen, aber teilweise nicht zufriedenstellend umgesetzten deutschen Untertitel.
- Nele Reinhart | www.daedalic.de

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Velocity 2X (2015)

(4,5/6) Manchmal ist es so einfach, ein interessantes Spiel zu machen. Man nimmt zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, verbindet sie clever miteinander und schon ist die Neugier geweckt... Der kleine Arcade-Titel Velocity 2X verbindet Jump & Run mit Shoot 'em Up. Im Klartext heißt das: entweder bewege ich mich von links nach rechts mit meiner von Außerirdischen entführten Heldin, springe durch futuristische Settings und sammle Energiekristalle oder ich ballere mich in klassischer 2D-Optik mit meinem Raumschiff durch das Weltall. Dabei sammle ich die Kapseln von Überlebenden ein, beschieße im Kreis fliegende UFOs und schalte gegnerische Wachtürme aus. Die einzig echte Besonderheit stellt ein Beam-Mechanismus dar, mit dem ich mich sowohl als Raumschiff als auch in menschlicher Form durch Wände und Decken teleportiere. Ich fliege, springe und beame mich blitzschnell durch kleine Level. Das geht so flüssig von der Hand, dass ich den Mangel an Abwechslung im ersten Moment kaum wahrnehme. Erst nach einer halben Stunde wiederholt sich vieles.

Die Gegner sind keine Herausforderung, weil sie meistens auf ihren vorgezeichneten Bahnen herumschwirren und sich leicht abschießen lassen. Die Story des Games braucht eine gefühlte Ewigkeit, bis sie endlich zur Sache kommt. Bild für Bild wird die Geschichte um eine entführte Weltraumpilotin erzählt, die von der Forschungsstation einer unbekannten Alienrasse flieht, neue Verbündete findet und so weiter. Mindestens so repetitiv wie die grafischen Elemente. Velocity 2X begeht hier die Sünde, eine Geschichte zu basteln, die es gar nicht braucht, die dem Spielprinzip sogar entgegen steht. Denn eigentlich handelt es sich hier um einen klassischen Arcade-Titel. Ich spiele die knackigen Level immer wieder, bis ich die beste Zeit und den effektivsten Kurs erreicht habe. Versuche dabei alle Punkte zu machen, alle Kristalle und Überlebenskapseln zu sammeln. Ich spiele, bis ich die perfekte Lösung gefunden habe. Und diese Elemente setzt das Spiel wunderbar um. Die Level sind trotz des eintönigen Aussehens abwechslungsreich aufgebaut, mit kleinen Rätseln verziert und haben genau die richtige Größe. Ich wechsle innerhalb eines Levels mehrmals die Spielmechanik. Zusammen mit der Beam-Option kommt da keine Langeweile auf! Wer sich gerne selbst herausfordert und stets versucht, seine Spiele perfekt zu meistern, wird hier wahres Vergnügen erleben.
- Sven Sauerhammer | www.velocitygame.co.uk