Potenzial erkannt, Potenzial verschenkt.

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Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influcene (2015)

(4,5/6) Wenn eine 30 Jahre alte Spieleserie, von der ich bisher nie etwas gehört habe, nun den Sprung aus Japan nach Europa wagt, muss das doch gute Gründe haben? Mit diesem Vorurteil belastet, machte ich mich an den Test des Strategie-Titels Nobunaga´s Ambition: Sphere of Influence. Das Kriegsszenario im Spiel behandelt die Geschehnisse in der Sengoku Ära, also jene „Zeit der streitenden Reiche“ in Japan zwischen den Jahren 1477 und 1573. Die Rolle eines dieser streitenden Reiche fällt natürlich dem Spieler zu und so taucht man immer tiefer ein. Das Game wirkt zwar auf den ersten Blick sehr Einsteigerfreundlich, offenbart dann aber denjenigen, die eine Begeisterung für die japanische Gesichte und eine Sympathie für Strategiespiele mitbringen, eine unglaubliche Spieltiefe. Diplomatie, Wirtschaft und Krieg… auf diesen drei Säulen basiert das Gameplay von Nobunaga´s Ambition, die gleich zu Beginn in ein paar Cutscenes mit englischen Untertiteln (eine deutsche Lokalisierung gibt es leider nicht) vorgestellt werden. Danach wird man in die Spielwelt mit sehr eigenem, taktischem Look entlassen.


In 10 verschiedenen Szenarien mit sehr individuell einstellbarem Schwierigkeitsgrad kann man sein Können als Feldherr, Diplomat oder Unternehmer unter Beweis stellen, um sich so immer mehr Besitztümer des vom Krieg gebeutelten Japan unter den Nagel zu reißen. Die Truppen, die sich im Vergleich zu anderen Strategiespielen hier auf Soldaten beschränken, werden in den meisten Zoom-Stufen als kleine Pfeile auf der Karte dargestellt und erst bei genauerer Betrachtung sind einzelne Personen zu erkennen. So schickt man auf unzähligen Wegen seine Truppen durch Japan, verhandelt mit seinen Gegnern, erkauft sich die Loyalität von unabhängigen Dörfern oder führt Gespräche mit Verbündeten seiner Gegner, um vielleicht Intrigen anzuzetteln. Kämpfe laufen beim Aufeinandertreffen von Truppen automatisch ab. Über ein kleines Symbol können wir zwar in den Echtzeitkampfmodus umschalten, aber im laufenden Spielbetrieb blieb dieser für mich ohne echten Mehrwert. Insgesamt ist Nobunagas´s Ambition: Sphere of Influence ein Strategiespiel, welches den Nutzer sehr genau entscheiden lässt, wie tief er in das Mikromanagement einsteigen und wie sehr er gefordert werden möchte. Man merkt dem Spiel seine Wurzeln sehr deutlich an und das Szenario der japanischen Geschichte ist natürlich nicht Sache von Jedermann. Wer die Einstiegshürde meistert, bekommt allerdings einen tollen Nischentitel, der einen je nach Belieben 1-2 Stunden seichte Unterhaltung bietet oder über mehrere Stunden unglaublich packende, taktische Manöver und durchdachte diplomatische Schachzüge abverlangt.
- Florian Czada | www.koeitecmoeurope.com

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Giana Sisters: Dream Runners (2015)

(3,5/6) Die Abenteuer der Giana Sisters begannen im Jahr 1987 als eine Art Super Mario Klon für Commodore und Amiga. Es folgte ein großer Rechtsstreit mit Nintendo und 20 Jahre später gab es einen Nachfolger für – man höre und staune – den Nintendo DS. Ende letzten Jahres kam dann das durch Kickstarter finanzierte Giana Sisters: Twisted Dreams heraus, das einiges an positiver Beachtung durch die Community erhielt. Giana Sisters: Dream Runners ist jetzt so etwas wie der nachgereichte Multiplayer-Modus jenes Spiels. In einem Rennen treten bis zu vier Spieler an, versuchen nicht ins Hintertreffen zu geraten und ihre Gegner mit Eulen, Kanonenkugeln und Feuerbällen aus dem Rennen zu schmeißen. Neun Karten stehen dafür zur Auswahl, von deren Niedlichkeit man sich aber besser nicht täuschen lässt, will man im Rennen bleiben. Neben diversen Fallen wurden fordernde Sprungpassagen in die Level eingebaut, die unsere volle Konzentration erfordern. Will man als Erster an die hilfreichen Items, bedarf es mitunter etwas Geschick.

Daneben muss man natürlich die Konkurrenz im Auge behalten, die einen mit allem bewirft, was sie ergattern können. So weit so gut. Giana Sisters: Dream Runners erfindet das Rad nicht neu, hätte aber locker das Potential, für viel Spaß zu sorgen. Ich verwende bewusst die Formulierung "hätte", denn leider gibt es einige ernsthafte Probleme, die vor allem dem Anfänger schnell die Lust am Spiel verderben. Es gibt beispielsweise kein Tutorial. Ich muss direkt mit einem Rennen anfangen, was mich schlicht und ergreifend überfordert. Das Spiel ist unglaublich schnell und man verliert sehr leicht seinen Charakter aus den Augen, soll aber nebenbei auf drei andere achten. Die Nutzung der verschiedenen Waffen wird nicht näher erklärt, weshalb ich anfangs keine Ahnung von strategischen Rafinessen habe. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll, was ich tun kann, meistens noch nicht einmal, was gerade passiert. Die erste Stunde ist daher unglaublich frustrierend und die meisten werden vermutlich an diesem Punkt aufgeben. Arbeitet man sich dann doch besser ein, erkennt man auch einige positive Aspekte des Games: etwa die charmante Grafik, das liebevolle Leveldesign, kreative Einfälle bei den Waffen. Doch wegen des unmöglichen Einstiegs werden viele überhaupt nicht so weit kommen, diese richtig genießen zu können, sondern wie gesagt frustriert das Handtuch werfen.
- Sven Sauerhammer | www.eurovideo.de

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Leo’s Fortune (2015)

(5/6) Nur selten schaffen Mobile Games den Sprung auf die großen Konsolen und PC. Zu oft schaut deren Nutzer auf die „kleinen Brüder“ herab. Zu flach, zu kurz, zu casual, schlicht zu langweilig seien die Vertreter dieser Gattung. Das Jump & Run Leo's Fortune straft solche Vorurteile lügen und macht zurecht seinen Schritt in Richtung PC und Next-Gen Konsolen. Leo ist ein charismatisches Fellknäuel mit heraus stechendem Schnurrbart, der an den berühmtesten italienischen Klempner des Genres erinnert. Allerdings ist Leo nicht ganz so begeistert bei der Sache. Eigentlich will er seinen Tag lieber Zuhause bei seiner Frau verbringen. Stattdessen muss er aber das abhanden gekommene Familienvermögen wieder zusammensammeln. Dementsprechend ist seine Laune etwas angeschlagen. Egal wie ich ihn durch die Level hüpfen, gleiten, schwimmen oder fliegen lasse, Leo schaut immer wie der grummelige, ältere Nachbar, der Kinder von seinem Rasen verscheucht. Ein echter Sympathieträger eben. Leo's Charisma entfaltet sich auch durch Grafik und Animation.

Er ist einfach zu putzig, wenn er über den Boden gleitet oder sich aufbläst, um über Abgründe zu fliegen oder durch Wasser zu schwimmen. Sein stetig gelangweilter Gesichtsausdruck und seine graue Farbe stehen dabei im krassen Gegensatz zu bunten, lebendigen Levels und der Spielgeschwindigkeit. Leo saust wie einst Sonic durch diverse Loopings, überwindet sich drehende Plattformen. Er muss sich vor einbrechenden Bodenplatten genauso hüten, wie vor rotierenden Sägeblättern und schwingenden Abrisskugeln. Nebenbei sollen die überall verteilten Münzen eingesammelt werden. Die Lernkurve steigt schnell an und Leo wird so manches mal abstürzen. Dank einer gelungenen Steuerung und den einladenden Levels lässt sich das locker verschmerzen. Wirklich innovativ ist an Leo's Fortune zwar nichts, aber sowohl der charismatische Held als auch die fordernden, lebendigen und wirklich hübschen Level laden immer wieder auf ein kleines Spielchen zwischendurch ein. Wer verzweifelt ein klassisches Jump & Run für seine Konsole oder PC sucht, sollte bei Leo's Fortune unbedingt zugreifen. Einen derart hochwertigen Vertreter dieser Spielgattung findet man derzeit nicht so leicht.
- Sven Sauerhammer | www.leosfortune.com