Recycling in seiner schönsten Form.

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Review | Kritik | Bewertung
Natalie Imbruglia - Male (2015)

Bewertung: 5 von 6
Label: Masterworks (Sony Music)
www.natalieimbruglia.com

Neues aus Down Under. Nach 6 Jahren Funkstille habe zumindest ich nicht mehr wirklich damit gerechnet, dass man von der talentierten Dame aus Sydney noch einmal etwas Musikalisches zu Hören bekommen wird, wenn ich ehrlich sein soll. Man überlege sich folgendes: es war bereits 1997, als die australische Sängerin Natalie Imbruglia mit ihrem Hit Torn von einem Nobody zum Superstar avancierte. Vor knapp 20 Jahren war der Neighbours Star (eine australische Erfolgsserie u.a. mit Kylie Minogue besetzt, Anm. der Red.) aus den Charts nicht mehr wegzudenken. Allerdings konnte sie in der Folge nie wieder an diesen Erfolg anschließen. Sie veröffentlichte zwar nach Left of The Middle (1998) noch vier weitere Alben, diese fanden beim Hörer aber nur bedingt Gehör. Nun ist die hübsche Australierin wieder zurück! Mit Male legt sie uns ein Album vor, welches so nicht unbedingt zu erwarten war. Hierbei handelt es sich um Cover-Versionen von Songs männlicher Kollegen, die sie offenbar nachhaltig beeindruckt haben.


Bekanntermaßen bin ich kein großer Fan von Nachahmung, weil das Original meist unübertroffen ist und man sich einfach nicht mit fremden Federn schmücken sollte. Aber das ist dann doch mal etwas ganz neues. Im Vordergrund steht bei diesem Album immer die Stimme der Singer-Songwriterin. Sie selbst sagt dazu: "Ich fühlte mich durch Songs von Männern angesprochen, wollte sie aber aus einer weiblichen Perspektive interpretieren." Ich als Frau weiß nicht, ob es ihr wirklich gelungen ist, eine weibliche Perspektive abzubilden, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht so recht nachvollziehen kann, was genau eine weibliche Perspektive sein soll. Heißt weiblich vielleicht leise, weich, verständlich? Dann konnte Natalie Imbruglia die eigenen Ansprüche zu hundert Prozent umsetzen.

act-natalieimbrugliaEin gutes Beispiel hierfür ist bereits der erste Track (gleichzeitig auch die erste Singleauskopplung) Instant Crush. Im Gegensatz zum Original, das von seiner Kraft lebt, hat der Song in dieser Version eine wahnsinnige Leichtigkeit und Klarheit. Eine weitere herausragende Kostprobe ist auch der Death Cab For Cutie Song I Will Follow You Into The Dark. Eine klare Akustik in Verbindung mit dieser leichten, glasklaren Stimme gibt dem Track ein völlig neues Gewand. Noch auffälliger ist das bei dem Klassiker Friday I'm In Love (The Cure). Diese dunkle, das Herz einschnürende und in den Bann ziehende Nummer wird von Natalie Imbruglia in einer Bluegrass Version eingespielt, die ich persönlich zwar zunächst befremdlich fand, die aber schon das Prädikat besonderer Song verdient. Okay, ich gebe es zu: an das Original kommt sie damit nicht heran, das wäre vermutlich auch etwas viel verlangt.

Unvergessen bleibt Only Love Can Break Your Heart von Neil Young aus dem Jahre 1970. Bei diesem Track muss man ehrlicherweise zugeben, dass es dem Original in nichts nachsteht. Moderner als beim Kanadier. Cat Stevens wird gerne gecovert und darf dementsprechend auf diesem Release nicht fehlen. The Wind ist und bleibt ein Track ohne viel Tamtam. Allerdings erhält auch er durch die besonders weiche Stimme der Australierin ein neues Gesicht. Was soll ich abschließend sagen? Ich bin überrascht - und das zumeist im positivsten Sinne. Von Cover-Alben erwarte ich normalerweise nicht viel und finde diese oft recht enttäuschend. Das ist bei Male nicht der Fall. Ich habe mich einfangen lassen, von der wundervollen Stimme und die Gelegenheit genutzt, mir einmal alle Texte genau anzuhören. Dies gelingt besonders gut, weil in den einzelnen Arrangements auf Effekthascherei verzichtet wird und man sich einfach auf das Wesentliche besinnt: Imbruglia's Stimme, die Texte, ein paar Instrumente. Diese Form von Musik-Recycling gefällt mir ausnahmsweise wirklich gut.



redakteur-nicola

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Nicola Scheidler ist der Meinung…
Selbst wenn ich glaube, dass Natalie Imbruglia auch mit diesem Album nicht an den kommerziellen Erfolg von Left of The Middle anschließen kann, mag ich diese Form der Darstellung von Musik. Leicht, locker, leise und unaufgeregt. Dennoch erzielt die australische Sängerin mit Male zumindest bei mir einen Achtungserfolg, da ich ihr diese Reinheit von Musik eigentlich nicht zugetraut habe. Und jetzt bin ich wieder gespannt, was da noch kommen wird... Es wäre schön, wenn sie mich mit eigenen Songs ebenso einfangen und unterhalten könnte.

Preisvergleich: Natalie Imbruglia - Male