Es lebe die Plattitüde.

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Review | Kritik | Bewertung
Roger Cicero - Was immer auch kommt (2014)

Bewertung: 3 von 6
Label: Starwatch (Warner Music)
www.rogercicero.de

Er ist zurück, der Liebling aller Jazzfans, die keine Ahnung von Jazz haben: Roger Cicero. Ziemlich genau sieben Jahre ist es her, dass der immer gutgelaunte, spitzbübisch lächelnde Barde mit seinem beschwingten Song Frauen regier’n die Welt beim Eurovision Song Contest in Helsinki für Deutschland antrat. Selbst Frau Merkel erklärte sich damals zum Fan von Roger Cicero, wahrscheinlich weil sie der Aussage seines Song nur gönnerhaft nickend zustimmen konnte. In der Folge dieses Hypes verkauften sich die beiden Alben Männersachen und Beziehungsweise wie geschnitten Brot. Das in 2009 erschienene Album Artgerecht wurde gar mit Platin ausgezeichnet. Die Frage nach dem Erfolgsrezept, das diesen Boom ermöglichte, konnte ich persönlich nie so ganz beantworten und war daher gespannt, ob mich das neueste Album mit dem Titel Was immer auch kommt ebenso in seinen Bann schlagen kann, wie weite Teile der deutschen Bevölkerung.


Leider blieb dabei ein etwas schaler Nachgeschmack zurück, nachdem ich die insgesamt 13 Tracks auf der neuen Platte verkostet hatte. Zunächst einmal kann man eines ganz klar bestätigen: Roger Cicero ist sich und seinem Stil treu geblieben. Der geneigte Fan muss keine unnötigen oder gar verstörenden Experimente erwarten - nein, das macht der liebe Roger nicht. Man muss ja auch nicht jeden Tag das Rad neu erfinden und was zu Zeiten der ersten GroKo schon erfolgreich war, ist es bestimmt auch bei der zweiten. Leider klingen die Songs auch ganz nach dem Soundtrack für die Große Koalition, denn Ecken und Kanten oder gar Tiefgang sucht man in den Texten der Lieder vergebens. Es sind weitestgehend Binsenweisheiten wie „Genieße das Leben, denn es kann morgen vorbei sein“ oder „Glück ist leicht“, die der in Berlin geborene Sänger zum Besten gibt.

act-rogercicero2In Summe kann man Was immer auch kommt durchwegs als Plattitüdenparade mit Jazzklang bezeichnen. Hier auf die Instrumentalisierung einzugehen, bringt im Übrigen wenig, denn es handelt sich um einen Brei von sehr ähnlich klingendem und seichtem Bar-Jazz. Den Charakter der Songs macht einzig der Gesang von Roger Cicero aus, der keinesfalls schlecht oder minderwertig ist, nur in die Texte hätte er gerne etwas mehr Kraft und Kreativität stecken können. Bei den meisten Titeln geht es um zerbrochene Beziehungen, auf Platz zwei folgen Songs über Allgemeinplätze und allseits bekannte Lebensweisheiten. Ansatzweise nett und unterhaltsam ist da noch der Track So sieht man sich wieder, bei dem der Sänger von einer chaotischen Patchwork-Familie der besonderen Art erzählt. Ansonsten klingt alles nach „schon mal da gewesen“. So ist Was immer auch kommt in Summe der ideale Soundtrack für Hausfrauen, die beim Bügeln gern etwas Beschwingtes hören, bei dem man nicht allzu viel mitdenken muss. Man kann sich das Album aber auch gut vorstellen als heitere, aber nicht zu dominante Dinner-Musik bei Seniorenkreuzfahrten oder vielleicht sogar live dargeboten auf dem Sommerfest der Großen Koalition.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Markus Birner ist der Meinung...
Roger Cicero hat kürzlich sein neuestes Album mit dem Titel Was immer auch kommt veröffentlicht und alles in allem präsentiert er dem geneigten Hörer darauf das, was man von ihm kennt und selbstverständlich erwartet. Insgesamt 13 leicht dahingeswingte Tracks findet man auf der neuen Platte, die Texte sind aber leider so seicht wie eine Pfütze im Hochsommer geraten. Meist präsentiert Cicero altbekannte Lebensweisheiten, allesamt recht adrett verpackt, aber eben leider wenig innovativ. Dementsprechend hält sich meine Begeisterung über das aktuelle Werk des Künstlers leider arg in Grenzen. Wer Roger Cicero und seinen Stil aber in der Vergangenheit schon mochte, der kann getrost auch bei diesem Release zugreifen.

Preisvergleich: Roger Cicero - Was immer auch kommt