Ein glasklares Meisterwerk.

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Review | Kritik | Bewertung
Chet Faker - Built on Glass (2014)

Bewertung: 5 von 6
Label: Future Classic
www.chetfaker.com

Nicht allzu oft, aber in regelmäßigen Abständen schaffen es Künstler aus Australien, den halben Erdball mit ihrer Musik zu umrunden und auch hier zu Bekanntheit zu gelangen. Vor einigen Jahren war es Sänger Gotye, der mit seinem Song Somebody That I Used To Know die Charts in Europa und den USA zu stürmen vermochte. Auch Bands wie Empire of the Sun konnten dank Verwendung ihrer Musik in den Werbespots eines Mobilfunkanbieters den Sprung an die deutsche Chartspitze schaffen, doch selbst dieser Kombo war kein nachhaltiger Erfolg auf dem europäischen Markt beschieden. Als ich nun das Album Built on Glass des australischen Soul-Interpreten Chet Faker zum ersten Mal hören durfte, war ich mir unschlüssig, ob der spezielle Musikstil des Mannes mit dem roten Bart den Geschmack der europäischen Musikbevölkerung treffen kann.


Sein mittlerweile zweiter Longplayer ist nämlich speziell, aber auf eine sehr spannende und positive Weise. Wie man es von einer Soul-Platte erwartet, bestimmen meist softe Gesangstöne die Szene. Die Tracks selbst sind aber durch die außergewöhnlich kreative und facettenreiche Instrumentalisierung ungemein kraftvoll und rätselhaft ausgefallen. Nach dem nachdenklichen Intro zu Release Your Problems baut sich schnell eine entrückt wirkende Spannung im Track auf, die sich beim Song Talk Is Cheap fortsetzt. Chet Faker beherrscht es, mit seiner markanten Stimme gefühlvoll und dennoch markant zu klingen. Er wirkt wahrhaftig und ungekünstelt. Dennoch ist es kein Purismus, was da aus den Boxen klingt, denn dazu sind die Rhythmen zu komplex gesponnen und die Instrumentalisierung zu extravagant.

act-chetfakerNach dem kurzen Non Vocal Track No Advice folgt mit Melt eine enorm atmosphärische Nummer, die durch etwas unrunde Soul-Beats und elektronische Klangspuren bestimmt ist. Ganz ähnlich gestrickt ist das sphärisch entrückte Gold, bevor mit To Me eine sehr klassische Soul-Ballade anbricht. Hier klingt Chet Faker wie eine Mischung aus James Morrison und Aloe Blacc. Der Song besitzt meiner Einschätzung nach enormes Hitpotenzial und es bleibt zu hoffen, dass der Track nach Talk Is Cheap und 1998 auch als Single-Auskopplung erscheinen wird, da er ein besonders gelungener Beleg für das musikalische Talent von Chet Faker ist. Nach einem kurzen Zwischentrack beginnt nun der zweite Block von Build on Glass. Der Titel Blush kommt ganz soft und samtig daher, lounge-artige Klänge fließen dahin, Echos branden aus der Ferne heran und im Verlauf entwickelt die Nummer eine rätselhafte Mischung aus Nervosität und Gelassenheit.

Gegen Ende hin scheint sich das Klanggespinst Schicht für Schicht zu lösen und aufzusteigen, um schließlich klar und explizit zu enden. Das nun folgende 1998 ist eine Mixtur aus Soul und Elektropop. Beats und Stimmgewirre umgarnen den ruhigen Gesangfluss von Chet Faker, bevor mit Cigarettes & Loneliness eine geradezu amtliche Pop-Nummer daherkommt, die zwar die Handschrift des Künstlers erkennen lässt, aber in Sachen Extravaganz hinter dem bisher gehörten zurückbleibt. Bei Lessons In Patience sind nun Anwandlungen von Gospel vorhanden, der Track wirkt hymnisch und bodenständig zugleich. Beim letzten Titel Dead Body präsentiert sich Chet Faker dann wieder als cooler Soulman, der ganz entspannt dem Ende entgegen gleitet. Nachdem die letzten Akkorde von sachten Drums und E-Gitarre verstummt sind, hallt die Platte nach, die Stimmung bleibt, auch wenn die Musik erloschen ist.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Markus Birner ist der Meinung...
Das Album Built on Glass des australischen Soul-Sängers Chet Faker ist sicherlich nicht der Geschmack der breiten Masse. Seine Art Soul ist komplex und rätselhaft, cool und aufregend, aber zuweilen auch abgrundtief verworren wie ein Klangknäuel, das es zu entwirren gilt. Instrumentell wie gesanglich ist dieser zweite Longplayer des bärtigen Sängers eine Offenbarung für jene, die sich ganz in die Musik versenken. Das ist auf jeden Fall nötig, denn die Songs auf Build on Glass sind teils schwer zugänglich. Dennoch ist für mich das Album in Summe eine der spannendsten Soul-Platten der letzten Jahre.

Preisvergleich: Chet Faker - Built on Glass