R'n'B in Dauerschleife.

cd-chrisbrown4

Review | Kritik | Bewertung
Chris Brown - X (2014)

Bewertung: 4 von 6
Label: Sony Music
www.chrisbrownworld.com

Er ist wieder da: Rihanna's On/Off-Boyfriend bringt mit X sein sechstes Studioalbum auf den Markt. Beeindruckend auf den ersten Blick ist die Anzahl der Tracks: stolze 21 Titel warten darauf gehört und beurteilt zu werden. Legen wir das Werk also neugierig in den CD-Player, lehnen uns gespannt zurück und warten ab, wie lange wir ruhig sitzen bleiben können. Das Intro X startet noch sehr ruhig und soulig. Es lässt mich zu Beginn nachdenklich inne halten: Chris Brown möge es mir verzeihen, aber aufgrund der vielfältigen Informationen aus der Klatschpresse habe ich seit langer Zeit das Gefühl, vermutlich mehr über Chris Brown in seiner Rolle als „Bad Boy“ zu wissen, als über ihn als Musiker. Sollte mich dies nicht beeinflussen? Erwartet man da nicht automatisch bösen HipHop statt seichten R'n'B?


Vergessen wir für einen Moment jene markanten Bilder von Christopher Maurice Brown und konzentrieren uns auf sein neues musikalisches Machwerk. Das Intro macht also erst mal Lust auf mehr, bleibt es doch verdächtig still und könnte teilweise sogar im Bereich Soft-Pop eingeordnet werden. Weiter geht es mit Add Me In, einem Titel, der mich beim ersten Hören ehrlich gesagt etwas stutzig macht: höre ich hier wirklich noch Chris Brown? Ich wende das CD-Cover und suche den Feature-Partner. Zu meiner großen Überraschung: es gibt hier keinen. Im Refrain erinnert Chris eindeutig an keinen geringeren als Michael Jackson. Besser gesagt, er erinnert nicht nur daran, er klingt im Refrain auch wie eine Kopie, wobei dies durchaus als Kompliment gewertet werden darf. Stellt sich nur die Frage, was die Technik im Tonstudio alles schönt oder ob der Sänger es tatsächlich schafft, dem „King of Pop“ stimmlich stellenweise das Wasser zu reichen. Da Chris Brown in jungen Jahren mit der Musik von Jacko aufgewachsen ist, dürfte dieser Einfluss alles andere als verwunderlich sein. Der nächste Titel Loyal, bei dem Lil' Wayne und Tyga tatkräftige Unterstützung leisten, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, den altbekannten HipHop-Style wieder gefunden zu haben.

act-chrisbrown4Loyal klingt verdächtig nach einer Remix-Version und genau das macht den Song interessant. Die Session dürfte sich gelohnt haben. Mit großen Namen der Musikszene geht es weiter im Programm. In New Flame treffen wir beispielsweise auf Usher und Rick Ross. Meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert: Usher und Co. gelten sicher als perfekte Aushängeschilder für ein Album, allerdings erweckt es auch den Eindruck, als wäre der eigene Idee-Reichtum diesmal nicht ausreichend gewesen. Insgesamt überrascht X in der allgemeinen Klangweise, da es bis auf einige Ausreißer klar im R'n'B-Bereich angesiedelt ist. Die tanzbaren Titel für heiße Disco-Nächte sind definitiv in der Unterzahl. Neben den bereits genannten Künstlern fanden noch viele weitere den Weg ins Studio: Trey Songz, R. Kelly, Akon, Kendrick Lamar, Brandy und Nicki Minaj. Sollte ich mich also besser mit der Kritik zurückhalten und dem Werk meinen Tribut zollen? Wohl ja, da das Gesamtergebnis zwar hier und da etwas langatmig wirkt, im Großen und Ganzen aber auch gut gehört werden kann... "Ich möchte jeden mit auf die Reise durch das Album mitnehmen", erklärt Chris Brown auf Nachfrage zu seinem neuen Longplayer, "wir werden dabei Höhen und Tiefen erleben, Liebe und auch Schmerzen."



redakteur-andrea

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Andrea Riede ist der Meinung...
Chris Brown hat sich prominente Unterstützung geholt und beeindruckt auf den ersten Blick mit einer respektablen Song-Anzahl. Leider klingt X teilweise wie eine Dauerschleife, die Titel reihen sich aneinander und bieten wenig Neues. Von Track zu Track wartet man auf Abwechslung, auf Sound, der das Blut zum Kochen bringen lässt. Stellenweise fällt mein Gesamturteil von daher leider in die Kategorie „langweilig“, wenngleich Ausnahmen (Love More und Loyal) die Regel bestätigen. Beim nächsten Mal hätte ich eine persönliche Bitte: lieber weniger Titel, das Album nicht unnötig aufbauschen. Vielleicht auch die Herausforderung annehmen und weniger Unterstützung ins Boot holen, somit dann kompakt und komprimiert zeigen, was man gesanglich kann.

Preisvergleich: Chris Brown - X