Auch nach 20 Jahren kein bisschen leise.

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Review | Kritik | Bewertung
Jazzkantine - Ohne Stecker (2014)

Bewertung: 5 von 6
Label: Rap Nation Records
www.jazzkantine.de

Ich freue mich doch jedes Mal, wenn ich irgendwo mitbekomme, dass das Braunschweiger Rap-Jazz-Bandprojekt der Jazzkantine etwas Neues auf den Markt bringt. Dieses mal gibt es sogar einen guten Grund für ein besonderes Release: das 20-jährige Bestehen der mehrköpfigen Formation. Somit wird nun unter dem Titel Ohne Stecker ein Best of Album auf den Markt geworfen, das genau das liefert, was man als Fan davon erwartet. Ein gelungener Mix aus verschiedenen Musikrichtungen mit alten und neueren Nummern der Bandgeschichte, dazu viele altbekannte Gesichter und Stimmen ehemaliger Mitglieder und Wegbegleiter der Jazzkantine. Man kann also sagen, es ist angerichtet. Und siehe da, der Song Respekt mit Smudo als Feature-Gast ist auch nach 20 Jahren immer noch ein echter Leckerbissen.


Natürlich hat man bei dieser Nummer immer Die Fantastischen Vier ein wenig im Ohr, aber genau das macht das bewährte Projekt so besonders und erfolgreich: niemand muss sich hier verstellen oder in eine musikalische Zwangsjacke pressen lassen. Jeder darf so sein, wie er ist und diese unterschiedlichen Köche kreieren - entgegen des bekannten Sprichwortes - eine bekömmliche Suppe. Eine weitere delikate Zutat dieses „Gala-Dinners“ ist 55555. Viele haben diesen Track aus dem Jahr 1995 sicherlich noch im Gedächtnis. Dafür haben sich die Herren erneut Aleksey an den Herd geholt, damit auch er seine geschmacklichen Spuren hinterlässt. Ein Hochgenuss. Mit Nora Becker ist auf dem Album Ohne Stecker auch wieder eine Dame dabei, die dem Ganzen eine besondere Süße verleiht. Egotripping war ein Highlight auf dem letztjährigen Album Ultrahocherhitzt, nun gibt es eine leicht veränderte Version. Eine weitere Geschmacksexplosion erfährt man mit Krankenhaus feat. Puff Baba und Signor Rossi.

act-jazzkantine2Bereits vor 20 Jahren war das "Ausländerdeutsch" in Kombination mit echtem Sprachwitz die Spezialität von Signor Rossi. Zitat gefällig? "Isch mach disch Krankenhaus, dann siehst Du scheiße aus." Anschließend bekommt man leider doch noch leicht fade Stücke geliefert. Zusammen mit Xavier Naidoo wird beispielsweise Nothing Else Matters von Metallica gecovert und ganz ehrlich: diesen Zwischengang hätte man sich durchaus sparen können. Hier wird man weder dem Original gerecht, noch unterstreicht „Dr. Ton“ damit sein wahres gesangliches Können. Mit Geht ab zeigen die Vollblutmusiker der Jazzkantine, dass ihr Haltbarkeitsdatum noch lange nicht abgelaufen ist und sie durchaus noch genießbar sind. Boogaloo ist auch heute immer noch ein leckeres Dessert, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wenn man sich vorneweg schon einmal einen kleinen Happen gönnen möchte, kann hierfür beinahe jeder Track auf Ohne Stecker empfohlen werden. Lediglich von Xavier Naidoo's Einspielung würde ich wie erwähnt die Finger lassen. Da kann man abschließend nur noch eines wünschen: einen guten Appetit!



redakteur-nicola

Zusammenfassend Review | Kritik | Bewertung

Nicola Scheidler ist der Meinung…
Da wurde uns doch von der Rap-Jazz-Kombo Jazzkantine wieder einmal ein tolles Mahl bereitet. Altbekannte und manchen vielleicht weniger bekannte Künstler haben im übertragenen Sinn und um in meiner Metapher zu bleiben den Kochlöffel fest in die Hand genommen und aus alten und neueren Zutaten für Ohne Stecker ein wirklich überzeugendes Menü zusammengestellt. Musikalische Gaumenfreuden werden hier beinahe im Akkord serviert und man hat ein permanentes Prickeln auf der Zunge. Bestelldienste haben ausgesorgt.

Preisvergleich: Jazzkantine - Ohne Stecker