Der Sommer kann kommen!

cd-gentleman2

Review | Kritik | Bewertung
Gentleman - New Day Dawn (2013)

New Day Dawn (Special Version) - GentlemanBewertung: 5 von 6
Label: Vertigo Berlin
www.gentleman-music.com

Mit New Day Dawn präsentiert uns Gentleman alias Tilmann Otto sein bereits sechstes Studioalbum und wie der Titel schon andeutet, steht dieses ganz unter dem Motto Veränderung und Neuanfang. Nach dem ersten Anhören wirft gerade dieses Motto allerdings bei mir die Frage auf, ob denn wirklich alles neu und frisch ist oder ob Gentleman nicht einfach ein weiteres gutes Album aufgenommen hat, welches sich recht konsequent in die Reihe seiner bisherigen musikalischen Erfolge einreiht. Nun gut, ob New Day Dawn nun für extrem frischen Wind steht oder eher eine kleine frische Brise ist, sei nun einmal dahingestellt. Fakt ist, dass der mittlerweile 38-jährige Kölner bei seinem neuesten Werk tatsächlich einiges anders gemacht hat.


Das neue Album ist das erste, das ganz ohne Kollaborationen und featuring Artists auskommt. Zudem hat Gentleman die meisten Songideen selbst entwickelt und hat diese als Komponist und Produzent zugleich dann auch realisiert. Herausgekommen sind 15 Songs, wobei auf dem Standard Album nur 12 von ihnen zu finden sind. Wer also in den vollständigen Genuss kommen möchte, der sollte sich die Deluxe Version zulegen. Auf der CD schlägt Gentleman recht elegant die Brücke zwischen Dancehall und eher klassischem Reggae, dem so genannten Roots Reggae. Für dieses etwas gewagte Unterfangen holte er sich Unterstützung von Errol Brown und Moritz Endres, die das aufgenommene Material entsprechend abmischten.

act-gentleman2Herausgekommen ist ein insgesamt dennoch recht stimmiger Mix an teils eher traditionellen und teils modern und poppig klingenden Songs. Thematisch nimmt Gentleman seine Hörer bei New Day Dawn mit auf die Road of Life. Er öffnet sich, lässt uns teilhaben an seinen Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Es geht um Liebe, Verantwortung, Veränderung und natürlich auch um Spirit. Die musikalische Reise beginnt mit The Journey, einem eher klassischen Roots-Song bei dem Gentleman's eingängige Stimme in bester Harmonie mit typischem Reggae Sound den Sommer einläutet. Los geht’s, lasst uns eine Runde jammen und chillen! Neben überaus geglückten Tracks wie beispielsweise Road of Life hat sich der Kölner jedoch auch getraut, seinen Style ein wenig zu verfeinern und durch Dancehall, Pop und HipHop-Elemente anzureichern. Belege hierfür sind You Remember oder auch Wings To Fly. Wie gewohnt steckt in der Musik jede Menge Gefühl, wobei Gentleman hier etwas aufpassen muss, nicht ins Kitschige abzurutschen. In My Arms ist seiner Frau Tamika gewidmet, geht wunderbar ins Ohr, neigt aber bei einigen Textpassagen zur Übertreibung.

Ein weiterer gelungener Song ist Another Drama, in dem Gentleman ein persönliches Erlebnis verarbeitet: im April 2012 spielte er ein Konzert in Kairo und konnte vor Ort die besondere Energie der Revolution spüren. Im Entstehungsprozess des Albums hat sich der Sänger einen Flügel gekauft. Einflüsse davon kann man unter anderem bei Memories hören, einer sehr sanften Nummer, in der dezente Klavierklänge den Reggae-Sound bereichern. Die Aufnahme von New Day Dawn erfolgte zwar größtenteils in Deutschland, jedoch wurden die meisten Vocals in Kingston, Jamaica eingesungen. Die Geburtsinsel des Reggae hat auch für Gentleman eine besondere Bedeutung, da er hier das beste direkte Feedback beim Voicen habe. Das Gesamturteil zu seinem sechsten Album fällt durchweg positiv aus. Ein Must-Have um endlich den Sommer einzuläuten.



redakteur-kirstin

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Kirstin Birner ist der Meinung…
Wenn es einen wirklich etablierten deutschen Reggae-Künstler gibt, dann ist das wohl niemand anderer als Gentleman. Nach 20 Jahren im Musikgeschäft veröffentlichte der Musiker mit New Day Dawn sein sechstes Studioalbum. Darauf gibt es einen guten Mix aus klassischem Roots Reggae und eher Pop- und Dancehall inspirierten Songs, die sich optimal dazu eignen, endlich den hoffentlich heißen Sommer willkommen zu heißen. Das Album ist für mich zwar kein musikalischer Neuanfang, sondern eher dessen Fortsetzung, aber wichtig ist ja letztlich nur der Sound und der klingt meiner Meinung nach ziemlich gut.