Wenig Reggae, dafür viel Langeweile mit Country and Western.

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Review | Kritik | Bewertung
UB40 - Getting Over The Storm (2013)

logo-saturnBewertung: 3 von 6
Label: Virgin Records (Universal)
www.ub40.co.uk

UB40 hat einen Stammplatz in der Musikgeschichte von britischen Bands als jene Gruppe mit einem besonderen Touch für einen auf Reggae basierenden Indie-Sound. Welcher Brite träumte schließlich nicht schon in den 80er Jahren von einem schönen Urlaub auf Jamaika oder sonst wo in der Karibik. Der Start in das aktuelle Release Getting Over The Storm mit dem Song Midnight Rider verläuft in etwa wie erwartet. Ein bisschen Reggae, mehr allerdings auch nicht und man hat gerade bei ruhigem Gesang den Eindruck, dass sich gegenüber den Liedern aus den 80er Jahren die Musikgeschichte nicht gerade positiv fortschreibt. Insgesamt ist diese Interpretation des Liedes der Allman-Bothers aber noch einer der besten des Albums, wie ich finde.


Damals hatte die 1978 in Birmingham gegründete Formation, die bis auf zwei Mitglieder bis heute noch identisch ist, mit ihrem Sound reichlich Begeisterung entfacht. Es war nicht britisch, es war nicht Bob Marley, vielleicht eher wie ein Brite auf Urlaub in Kingston und das kam wirklich gut an. Dabei spielte es auch keine entscheidende Rolle, dass Hits wie Red Red Wine oder auch Can't Help Falling In Love nur Cover-Versionen waren. Für den Aufschwung war dabei auch die Sängerin der Pretenders Chrissie Hynde mit verantwortlich, die die Gruppe zeitweise als Sängerin ergänzte. Die Namensgebung UB40 bescherte der multinationalen Gruppe über die lange Zeit ihres Bestehens kein allzu großes Glück. UB (Unemployment Benefit) ist tatsächlich und teilweise schmerzlich treffend abgeleitet vom britischen Antrag auf Arbeitslosengeld.

act-ub40Nach erfolgreichen 20 Jahren wurde es trotz einer Menge Alben in der Diskographie recht ruhig um diese Gruppe. 2008 trennten sich dann der Leadsänger Ali Campbell und der Keyboarder Michael Virtue von ihren Kollegen wegen finanzieller Probleme. Diese langfristige Klammheit steigerte sich dann im Oktober 2011 noch in eine Privatinsolvenz mehrerer Bandmitglieder. Aber zurück zum neuen Album und hoffentlich positiveren Vorzeichen. Neben einigen eigenen Kompositionen wie I'm Pretty Sure That's Just What's Killing Me oder auch Blue Bilet Doux hat UB40 die Neuauflage und Interpretation von alten Country and Western Hits in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch entsteht wohl die Grundsatzfrage, inwieweit sich der bekannte Reggae Stil der Gruppe für diese Zielsetzung eignet?! Die Antwort gibt die Gruppe jedem Zuhörer individuell auf's Ohr. Ich kann mir persönlich nicht so recht vorstellen, dass zum Beispiel diese neue Version von Crying Time noch viele Fans (die es sicher immer noch reichlich gibt) begeistert.

Entschuldigung: aber im Vergleich mit anderen Versionen, beispielsweise von Ray Charles oder auch Willie Nelson mit Norah Jones wirkt UB40 wie alter karibischer Kaffee. Meine Herren... Es fehlt Schwung, es fehlt Originalität. Auch bei Randy Travis' Neuvertonung von On The Other Hand hat man kein wirklich schmackhaftes Rezept gefunden, diesen Klassiker in das aktuelle Jahrhundert zu transferieren. Die Gitarre weiß unter anderem nicht, welcher Stilrichtung sie denn nun folgt: nicht wirklich Country, nicht Reggae, nicht Modern Pop. Das gesamte Arrangement wirkt irgendwie hölzern und befremdend. Auch die restlichen Tracks wirken viel zu flach, zu wenig emotional. Man versucht sich weiterhin als Reggae Band mit Rhythmus und Gesang, aber es wirkt nicht authentisch genug. Im Radio werden diese mehr als durchschnittlichen Songs nicht großartig auffallen.



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Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Werner Hansen ist der Meinung...
UB40 ist nun 35 Jahre im Musikgeschäft und kennt alle Höhen und Tiefen als Band. Mit ca. 80 Mio. verkauften Alben und stilbildend für einen außergewöhnlichen Sound, sind sie in der modernen Musikgeschichte absolut etabliert. Aus verständlichen Gründen suchen sie jetzt eine neue Erfolgsgeschichte. Dazu gehen sie den Weg, ihre bekannte Musik mit klassischen Melodien aus Country and Western zu mischen. Dies scheint mir aber eher eine Sackgasse zu sein, denn sie gewinnen offenbar nichts dazu. Andererseits verspielt UB40 genau das, was sie immer am besten konnten: Reggaesound mit toller Stimmung, gepaart mit europäischer Pop-Kultur. Ich hoffe für die nächste CD auf alte Zeiten und neue Kompositionen in diesem Stil.