event-fanta4

Reportage:
Die Fantastischen Vier Live 2015

am 10. Januar 2015 in München

Es sollte ein stürmischer Samstagabend werden... Nicht nur aufgrund der allgemeinen Wetterlage während der Anreise nach München, sondern vielmehr, weil Die Fantastischen Vier im Rahmen ihrer Tour zum 25. Bandjubiläum für einen von gleich zwei Terminen in der bayerischen Landeshauptstadt eine Zwischenstation einlegten und ein regelrechtes Live-Spektakel für ihre Fangemeinde mit im Gepäck hatten. "25 years, fantastisch nicht mehr ganz frisch / die Legende ist hier / die Legende, also hebt die Hände / 25 years, let's Homies Rap-Zombies / wird unsterblich bei Dir / immer Fantas, bisschen anders." In den Medien momentan gefühlt so präsent wie zu keinem anderen Zeitpunkt ihrer langen Karriere, scheint es eigentlich nur konsequent, dass die Rekord Tour 2014/2015 als "nahezu ausverkauft" für weitere Schlagzeilen sorgt. Wer am Einlass oder in der Olympiahalle selbst den Blick durch das gut gelaunte Publikum schweifen ließ, konnte eine relativ bunte Mischung der Generationen feststellen.


Ich war damals elf Jahre alt, als Die da!? eine ganze Nation in Begeisterung versetzte und einen wichtigen Dienst für deutschen Sprechgesang leistete. Im Pausenhof rappten wir (so gut es ging) die eingängigen Textpassagen nach und waren selbstverständlich stolz wie Oscar, wenn dies fehlerfrei gelang. Dicke Pullis trug ich auch. Ein kleiner Spargel-Tarzan mit XL-Kleidung, ich muss ganz schön bescheuert ausgesehen haben... Irgendwie ist man mit den Fantas groß geworden, die Hosen dafür immer enger, was traditionellerweise auf üppige Feiertage geschoben wird. Mit einem sympathisch selbstironischen Unterton punkten übrigens auch Die Fantastischen Vier auf ihrem neuesten Songmaterial, also kehren wir wieder zum Ausgangsthema zurück. Als Support Act durfte nicht zum ersten Mal die Sängerin LARY als vielversprechende Newcomerin auf die Bühne, um die Menge mit einem Teilausschnitt ihrer Future Deutsche Welle anzuheizen. Diese spielt bevorzugt mit dem Feuer und hält es weniger mit dem Motto: "Wer zu Lebzeit gut auf Erden / wird nach dem Tod ein Engel werden".

event-fanta42Ihren Rammstein Coversong präsentierte das wandelnde Energiebündel stimmlich ähnlich souverän, wie ihre eigenen Nummern System, Problem und Propeller. Wo Metal-Heads ihre Nackenmuskulatur zu kräftigem Soundgewitter auf die Probe stellen, wirbelt LARY zu letztgenanntem Track lieber ihre langen Rasta-Zöpfe durch die Gegend. Den akustischen Bedtime Blues kennen viele noch aus dem entsprechenden YouTube-Video und meine persönliche Lieblingsnummer Kryptonit durfte ebenfalls nicht fehlen. Beinahe etwas zu kurz geraten, kam der Abschied früher als erwartet und es blieb noch Zeit bis zum Einmarsch der Stuttgarter Rap-Combo in die Münchener Olympiahalle. Die in der Luft liegende Spannung war förmlich zum Greifen nah und statt auf der Bühne zu starten, bevorzugten Die Fantastischen Vier (besser gesagt die für die Lyrics verantwortlichen Smudo, Michi Beck und Thomas D) die unmittelbare Publikumsnähe für den euphorisch gefeierten Opener 25. Eine sich durch den gesamten Abend durchziehende Lichtshow mit atmosphärischer Inszenierung zog einen sofort in ihren Bann. Vom hypnotischen Standpunkt Disco aus wurde ich dann mitgerissen von der Aufbruchstimmung des Titels Und los.

Zurückgeworfen in Erinnerungen an Die Stadt die es nicht gibt aus dem Album 4:99, verpassten die Fantas kurz darauf jedem nörgelnden Zeitgenossen, der felsenfest im Standpunkt verharrt, „früher wäre doch alles besser gewesen“, mit Heute eine dezente, aber sitzende Ohrfeige. Totgesagte leben bekanntlich länger, wie die auf der Bühne immer noch sehr agilen Rap-Poeten aus Stuttgart ohne Ärger mit Bernie schon in ihrem 2010er Video zu Danke (enthalten auf Für Dich immer noch Fanta Sie) unter Beweis stellten. Das Spiel ist noch lange nicht aus! Nichts mit Buenos Dias Messias und traurigem Abschied, also Immer locker bleiben und über Smudo's LMS-Anspielung muss wohl sogar Kool Savas schmunzeln. Karten auf den Tisch, Lass sehen was immer Du gerade tust, sonst heißt es am Ende noch: Sie ist weg. Vor 20 Jahren war an eine gesellschaftliche Entwicklung zur „Generation facebook“ nicht einmal ansatzweise zu denken, das Lauschgift zeigt nichtsdestotrotz Langzeitwirkung. Ein Vierteljahrhundert Die Fantastischen Vier und zur eigenen Erleichterung ist es nicht bei einer Single geblieben. „Nummer Eins in den Single-Charts / bedeutet einsame Spitze / und was das Ganze noch schlimmer macht / es ist keiner da der mitsingt.“ Schöner könnte eine zweideutige Liebeserklärung kaum ausfallen. Tomas D hatte an diesem denkwürdigen Samstagabend noch mehr als der Rest zu geben und performte solo die tief berührenden Stücke Liebesbrief und Gott ist mein Zeuge.

event-fanta43„Dass wir nicht ganz bei Vernunft sind / ist unser Trumpf bei zu viel Stumpfsinn / doch für uns sind Worte Farben / malen Bilder in Dein Gedächtnis.“ Eben solche knallbunten Bilder schwirrten mir dann während der Melodie von Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten) durch den Kopf, dabei könnte doch selbst ohne Yeah Yeah Yeah alles so Einfach sein wie auf dem siebten Studioalbum Fornika. Mit ihren Eigenheiten (Typisch ich) können die gestandenen Musiker inzwischen sehr gut umgehen und spätestens seit diesem Konzert weiß endlich auch ich, wofür es eine Taschenlampen App auf dem Smartphone gibt. Sich die Finger an heißen Feuerzeugen verbrennen war gestern – die Stimmung zu Tag am Meer wird heutzutage anders erzeugt. Positiv überraschen konnten mich die Fantas mit einem energiegeladenen Schlussakt ihrer Abendvorstellung. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich innerlich auf den finalen Applaus einstellte, hauten die Jungs mit Du mich auch, Der Picknicker sowie Was geht noch einige Classics der Diskographie raus rockten die Olympiahalle mit dem Song Ernten was wir säen. Dank MfG, Populär und Troy als Zugabe blieben zudem keinerlei Musikwünsche mehr offen und Die Fantastischen Vier entließen das Publikum mit einem breiten Grinsen voller Zufriedenheit in die dunkle Nacht. Wer die Chance sieht, sich ein Ticket für eines der anstehenden Konzerttermine zu sichern, sollte dies besser schnell erledigen – es lohnt sich wirklich. Vielen Dank und vielleicht auf die nächsten 5, 10, 25 Jahre!
- Alexander Riede | www.diefantastischenvier.de



Die Fantastischen Vier Rekord Tour 2015
12.01.2015 Nürnberg - Arena
13.01.2015 München - Olympiahalle
14.01.2015 Zürich - Hallenstadion
16.01.2015 Lingen - Emsland Arena
17.01.2015 Mannheim - SAP Arena
18.01.2015 Köln - Lanxess Arena
19.01.2015 Freiburg - Rothaus Arena
21.01.2015 Saarbrücken - Saarlandhalle
22.01.2015 Frankfurt - Festhalle
23.01.2015 Oberhausen - König-Pilsener-Arena
24.01.2015 Chemnitz - Arena
26.01.2015 Berlin - O2 World
04.06.2015 Hofgeismar - Hessentag
03.07.2015 Mainz - Open Air Zollhafen
11.07.2015 Bad Mergentheim - Schloss Hof
16.07.2015 Rosenheim - Sommerfestival
17.07.2015 Mönchengladbach - Warsteiner Hockey Park
18.07.2015 Osnabrück - Schlossgarten Open Air
25.07.2015 Dresden - Elbufer
21.08.2015 Dortmund - Westfalen Park
22.08.2015 Hamburg - Trabrennbahn