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Review | Kritik | Bewertung
Bush - Man on The Run (2014)

Bewertung: 4,5 von 6
Label: Sony Music
www.bushofficial.com

Die Neunziger sind Geschichte, was auch Bands wissen, die damals besonders erfolgreich waren, weil sie beispielsweise den nach Grunge lechzenden Geschmack des Publikums trafen. Mit ihrem Debütalbum Sixteen Stone feierten die Alternative Rocker von Bush vor 20 Jahren einen ordentlichen Einstand in der Musikbranche, doch Zeiten ändern sich… Nach dem vierten Release der Diskografie (Golden State, 2001) löste sich die Formation vorerst auf und sorgte erst 10 Jahre später wieder für erhöhte Aufmerksamkeit. Mit veränderter Besetzung schwammen Gavin Rossdale (Gesang), Chris Traynor (Gitarre), Robin Goodridge (Schlagzeug) und Dave Parsons (Bass) regelrecht in einem Sea of Memories, nur nicht mehr so ganz auf der Erfolgswelle, wie man dies zuvor gewöhnt war. Das zwingt einen natürlich zum Umdenken, wenngleich ich mir sicher bin, dass es keine Geldsorgen sind, die genannte Mitglieder an die Instrumente bringen, sondern deren pure Leidenschaft für Musik.


Ich durfte diese besondere Magie von Bush auf Live-Konzerten bereits auf DVD begutachten und textlich festhalten. Zwei Jahre lang tourten die Briten fleißig mit neuem und altem Songmaterial, bis sie sich im letzten Jahr im Sonnenstaat Kalifornien gleich in zwei Studios einfanden, um dort neuen Stoff zu recorden. Zwei Studios (im Booklet spielen sogar noch mehr), zwei Produzenten, zwei Herangehensweisen und Vorstellungen, wie der Sound klingen könnte – und dennoch ist ein halbwegs homogenes Gesamtwerk entstanden. Nick Raskulinecz und Jay Baumgardner waren unmittelbar am Entstehungsprozess von Man on The Run beteiligt und für eifrige Vorbestellungen gab es via Crowdfunding-Plattform PledgeMusic auch einige Goodies der Band abzustauben. Wie gesagt: neue Wege… Rossdale startet mit Just Like My Other Sins etwas holprig, wird im Refrain aber souveräner und der folgende Titeltrack lässt einen endgültig aufhorchen: „Man on the run / you setter step a Side [..] running for his life […] racing through the badlands.“

act-bush2Von einer bemerkenswert lässigen Attitüde wechseln Bush mit ihrer aktuellen Singleauskopplung The Only Way Out in einen radiotauglichen Modus. Einige würden jetzt wieder behaupten, dem Song fehle es an Ecken und Kanten, dabei zeigen die Rocker nur eine andere musikalische Facette, was durchaus legitim erscheint, wenn man mich fragt. The Gift klingt dafür weniger nach einer netten Geste, sondern lebhaftem Alternative Rock vom Feinsten. Ganz nach meinem persönlichen Geschmack, weshalb ich mich nur schwer stillhalten kann, wenn die Gitarren einsetzen. Das erinnert mich daran, wie ich als Teenager im hauseigenen Partykeller zu Nirvana regelrecht ausgeflippt bin! Die nächste Nummer bleibt ansatzweise in dieser Tonlage und wo es hier noch lodernde Gebäude zu besingen gibt, fackeln Bush mit Loneliness Is A Killer sinnbildlich alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Die innere Kraft ist in jeder Silbe spürbar, selbst wenn das „Monster“ nicht von der Leine gelassen wird.

Live mit Sicherheit mit einem imponierenden Rockhymnen-Charakter versehen, erweist sich Broken In Paradise als Kontrastprogramm. Auf Surrender nehmen sich Bush sogar noch ein Stück mehr zurück und der eindringliche Refrain ist wieder etwas zum Mitsingen. Wer sich die Deluxe Version des Albums Man on The Run zulegt, bekommt obendrauf noch 3 hörenswerte Bonus Tracks. Gavin Rossdale besingt beispielsweise das Gefühl des Loslassens von irgendwelchen Zwängen und Speeding Through The Bright Lights klingt gar nicht so, als hätte Rossdale beim Schreiben seiner Texte seit Jahren stets ein festes Repertoire an Wörtern im Kopf, wie er in einem Interview zur Entstehung der neuen Songs angibt. Wobei man sich nach dem abschließenden Track dieser kleinen Reise denken kann, was er damit meint. Das Golden Age scheint für Bush mit der Veröffentlichung dieser Platte noch lange nicht vorbei zu sein, was sehr zu begrüßen ist.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Songmaterial hätte es angeblich genügend gegeben, so dass man damit locker  ein zweites Album hätte befüllen können. Man darf also gespannt sein, ob es noch den einen oder anderen Bonus oder eine Zugabe von Bush geben wird. Im Dezember wird die britische Rockgruppe einige Gigs in den Staaten spielen und vermutlich noch einige Tonträger mehr als die bisher 20 Millionen alleine im Nordamerikanischen Raum im Laufe ihrer Karriere. Bleibt zu hoffen, dass sie im kommenden Jahr auch Deutschland mit einem Besuch beehren. Das passende Songmaterial für eine klasse Live-Show hätten sie in jedem Fall mit im Gepäck.

Preisvergleich: Bush - Man on The Run