Gipfelstürmer mit raschem Abstieg.

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Review | Kritik | Bewertung
Unheilig - Gipfelstürmer (2014)

Bewertung: 2,5 von 6
Label: Vertigo Berlin (Universal)
www.unheilig.com

"Mit dem Gefühl, dass ich für dieses Album die für mich besten Lieder meines Lebens geschrieben habe, wurde mir immer mehr klar, dass ich unbewusst ein letztes Kapitel bei Unheilig aufgeschlagen hatte. [...] In mir reifte der Entschluss, musikalisch Abschied zu nehmen." Mit diesen ergreifenden Worten präsentiert Der Graf das aktuelle Album Gipfelstürmer und verkündet gleichzeitig das Ende seiner Band Unheilig. In puncto Medienwirksam natürlich ein riesiger Coup und das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Da würde ich es gerne mit den Worten von Bruce Darnell halten: „Drama Baby!“ Aber was erwartet uns denn nun musikalisch auf Gipfelstürmer? Mir erscheint es, als würde sich Der Graf bedingt durch nostalgische Gefühle auf seine Wurzeln besinnen und den Fans der ersten Stunde ein echtes Abschiedsgeschenk machen wollen.


Unheilig nimmt sich ja gerne ein Motto für ein Album, diesmal ist es der "Berg". Die Texte unterscheiden sich dabei nur unwesentlich von bereits bekannten Songs. Es werden pathetische Durchhalteparolen geschmettert, die (für mich) wahre Emotion vermissen lassen. Und wenn man hier einmal beim Thema bleibt, erscheint es mir fast so, als würde man sich in doppeltem Sinne „abseilen“. Zum einen ist da der Rückzug aus der Öffentlichkeit und zum anderen ist nichts wirklich Neues, keinerlei Entwicklung erkennbar. Auch wenn manche Tracks wieder härter ausfallen und man sich damit den Rock-Anfängen annähert, bekommt man als Brotzeit auf dem vermeintlichen Gipfel nur wenig aussagekräftigen Einheitsbrei serviert, der ein eigenes Gesicht kaum mehr erkennen lässt. Lediglich die außergewöhnliche Stimme des Grafen hebt diese Platte ein wenig aus dem musikalischen Niemandsland. Aber auch einige Lichtblicke am Horizont sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben.

act-unheilig5Zwischen Licht und Schatten ist ruhig und weniger pathetisch mit Piano inszeniert. Der Text ist in diesem Track weniger getragen und schmalzig - aber nicht frei davon. Alles in allem klingt das Album vordergründig wieder düsterer, es erscheint fast so, als wolle man sich musikalisch wieder näher in Richtung Rammstein stellen. Dieser Versuch wirkt aber nach mehreren Jahren Popgeschäft eher unglaubwürdig. Niemand möchte den Herren aus Aachen unterstellen, dass sie sich nun zum Abschluss noch einmal anders positionieren möchten. Dennoch wirkt es nicht so, als hätte man noch einmal sein gesamtes Herzblut auf dieses Projekt verwendet. Das Album besitzt für meinen Geschmack eben zu viel von allem: Melancholie, Pathos, Schmalz, Wehmut und Hoffnung. Und dieses Zuviel ist vermutlich auch der Grund dafür, dass Gipfelstürmer mich nicht erreicht. Trotzdem wird dieses Album nicht weniger erfolgreich sein, als seine Vorgänger - auf den iTunes Charts ist es jetzt schon ganz vorne vertreten.



redakteur-nicola

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Nicola Scheidler ist der Meinung…
Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch. Ich bin davon ausgegangen, dass sich Unheilig mit einem richtigen Knall verabschieden. Entsprechend groß war dann auch meine Enttäuschung, als ich feststellen musste, dass dieses Album den Vorgängern sehr ähnlich ist - nur eben noch pathetischer, noch melancholischer. Langjährige Fans werden sich davon wohl kaum abschrecken lassen, jene Anhänger der ersten Stunde werden über die wieder rockigeren und härteren Anteile jubeln. Neue Fans wird man damit wohl eher nicht akquirieren, aber das war bei einem Abschiedsalbum wahrscheinlich auch nicht der Anspruch. Für meinen Geschmack gibt Gipfelstürmer relativ wenig her, konnte mich einfach nicht überzeugen, geschweige denn in seinen Bann ziehen.

Preisvergleich: Unheilig - Gipfelstürmer