Hohe Ansprüche, starker Sound.

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Review | Kritik | Bewertung
Jesper Munk - Claim (2015)

Bewertung: 5 von 6
Label: Warner Music
www.jespermunk.de

Jesper Munk, der seine Karriere wie so viele als einfacher Straßenmusiker begonnen hatte, konnte mit seinem Debütalbum For In My Way It Lies (2013) einen echten Achtungserfolg landen. Kaum zwei Jahre später bringt er nun mit Claim bereits die nächste heiße Scheibe auf den Markt. Der Opener Courage For Love ist sehr punkig geraten, lässt den Blues nur noch am Rande erkennen und man stellt sich an dieser Stelle natürlich direkt die Frage: Geht das vielleicht die komplette Albumlänge so weiter? Die Antwort ist ganz eindeutig nein. Morning Coffee ist wieder sehr bluesig, mit spürbarer Seele, sehr entspannt und für meinen persönlichen Geschmack ein richtig gelungenes Stück Musik. In diesem Style geht es dann auch mit Shakespeare & Heartbreak weiter. Ya Don't Have To Say Goodbye verändert dann die Richtung, nimmt auf dem Weg aber richtig Fahrt auf.


Der Track im Westcoast-Style erinnert stark an Rock'n'Roll von Elvis ohne dabei auch nur im Ansatz den Eindruck eines billigen Abklatsches zu erwecken. Und eine kleine Note Punk ist ebenfalls mit verarbeitet, was einen ganz eigenen Sound zur Folge hat. Soldiers of Words nimmt ähnlich wie Clean ganz bewusst das Tempo heraus. Ernste Töne und dunkle Bässe zeichnen an dieser Stelle ein doch eher düsteres Bild. Bei den beiden Tracks bin ich persönlich eher zwiespältig: sie sind wirklich gut gemacht, keine Frage, dennoch berühren sie mich kaum. White Picket Fence passt dann wieder besser ins Konzept, auch wenn man sich mitunter die Frage stellt, wie alt dieser Jesper Munk denn wirklich ist. Denn der Track klingt eher wie ein Alternative-Stück aus den 80er oder 90er Jahren - frisch aus der Eckkneipe in New York. Schon bei den ersten Klängen von 101 Proof hatte ich die Assoziation, dass dieser Song auch aus dem Jahrhundertfilm Pulp Fiction sein könnte. Vor meinem imaginären Auge sehe ich direkt Uma Thurmann, wie sie sich lasziv zu diesem Sound bewegt. Wirklich cool gemacht! Reeperbahn ist wieder punkig, auch merklich alternativer. Ich würde sogar sagen, es spielt ein Hauch von Glamrock mit. Etwas eigen und sehr gitarrenlastig, aber durchaus beeindruckend.

act-jespermunkGuilty ist eine klassische Ballade und ich gestehe, dass ich sehr überrascht war, wie gut Munk's Stimme hier zur Geltung kommt. Man könnte beinahe von einer anderen Klangfarben sprechen, aber der "Dreck" in der Stimme bleibt. The Parched Well ist eher ein puristischer Titel, der nur wenig instrumentale Unterstützung benötigt und die Stimme mit Wiedererkennungswert in den Vordergrund stellt. Auch dieser Track klingt wieder wie aus längst vergangenen Zeiten - ohne dabei aber angestaubt zu sein. Mit Smalltalk Gentlemen erinnert der gebürtige Münchner noch einmal daran, dass seine Leidenschaft dem Blues gehört. Eine gelungene Mischung aus Blues und Rock, die dafür sorgt, dass man nicht mehr ruhig auf dem Sofa sitzen bleiben kann. Dann wird es aber mit Cold Waters wieder ruhiger und es ist schon erstaunlich, dass man auch noch Einflüsse von Folk zu hören bekommt. Mit It Takes Two folgt der vermeintlich gelungene Abschluss. Allerdings ist dies wieder eine dieser düsteren Nummern, die durchaus einen ganz eigenen Reiz haben, mich persönlich aber nicht in ihren Bann ziehen. Selbst wenn sich Jesper Munk dem Blues verschrieben hat, wäre es wohl falsch, ihn darauf festzulegen. Mit Claim stellt er eindrucksvoll unter Beweis, wie gut sich unterschiedliche Stile kombinieren lassen und daraus etwas ganz eigenes entsteht.



redakteur-nicola

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Nicola Scheidler ist der Meinung…
Man mag es kaum glauben, dass dieser junge, so international klingende Mann aus der bayerischen Landeshauptstadt kommt... Jesper Munk sieht aus wie ein ganz junger James Dean und besitzt dabei eine Stimme wie ich sie in dieser Form noch nie gehört habe. Auch wenn der neue Release Claim noch nicht perfekt und die ein oder andere Schwachstelle aufweist, bin ich doch schwer beeindruckt von diesem Stilmix in Kombination mit einer echt außergewöhnlichen Stimme.

Preisvergleich: Jesper Munk - Claim