Serien

Bist Du der Kapitän oder ein Matrose?

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Review | Kritik | Bewertung
Ray Donovan - Season Zwei (2015)

Bewertung: 5 von 6
Studio: Paramount Home Ent.
www.sho.com/sho/ray-donovan

Es war eine turbulente erste Staffel mit vielen Höhen, Tiefen und einem beinahe versöhnlichen Abschluss, die auf clevere Weise mein Serienfieber ausbrechen ließ. Die titelgebende Hauptfigur Ray Donovan behält in jeder noch so ausweglosen Situationen stets die Kontrolle und findet eine passende Lösung selbst in Momenten, in denen andere Personen am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Manchmal hilft ihm auch Kollege Zufall, aber das ist nebensächlich. Ray Donovan umgibt eine faszinierende Aura. Die Mischung aus Sex, Gewalt, Korruption und einem schwer auf die Probe gestellten familiären Rückhalt zieht die Zuschauer regelrecht in ihren Bann, lässt sie dann auch so schnell nicht wieder los. Das garantiert dem US-amerikanischen Sender Showtime beste Einschaltquoten, weshalb etwa zur Mitte der Ausstrahlung von Season 3 bereits 12 weitere Episoden in Auftrag gegeben wurden.

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Darf es etwas mehr The Wire sein?

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Review | Kritik | Bewertung
Orange Is The New Black - Season 3 (2015)

Bewertung: 5,5 von 6
Studio: Netflix
www.netflix.com/orange

Die Erfolgsserie Orange Is The New Black ging vor einigen Wochen in die dritte Season. Langsam aber sicher kommt man auch hierzulande auf den Geschmack einer Knastserie um das Sozialleben inhaftierter Frauen. Die üppige Werbekampagne dürfte jedenfalls dazu beigetragen haben. Zeitweise konnte ich mich nicht einmal umdrehen, ohne Werbeplakate zu sehen. Dabei wäre das für mich gar nicht nötig gewesen, war ich doch von den ersten beiden Staffeln bereits begeistert. Kritisierte ich an der zweiten Staffel noch den mangelhaften roten Faden in der Handlung und dass man sich zu oft in der Vergangenheit der Protagonistinnen verliert, statt eine gute Geschichte im hier und jetzt zu erzählen, werden diesmal die richtigen Geschütze aufgefahren. Sozialkritik an mehreren Fronten, ein paar anthropologische Betrachtungen zu Religion und Diktatur sowie Einblicke in die Psychologie von Gefangenen. Klingt eigentlich nach schwerer Kost. Doch die Macher um Jenji Kohan weben diese Themen so spannend in die dramatischen Werdegänge der Figuren ein, dass man die Serie auf eine Stufe mit The Wire heben muss.

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Vom Paulus zum Saulus.

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Review | Kritik | Bewertung
Better Call Saul (2015)

Bewertung: 5,5 von 6
Studio: Netflix
www.netflix.com/Better-Call-Saul

Seit einigen Monaten mischt das Spin-off der Kultserie Breaking Bad nun schon die Serienlandschaft auf und könnte selbst bald zum Kult werden. Kritiker überschlagen sich, Fans sind begeistert, Netflix reibt sich die Hände. Denn Better Call Saul ist bei uns Netflix exklusiv. Da dürfte der ein oder andere Serienjunkie schon übergelaufen sein. Und warum auch nicht!? Die Serie von Mastermind Vince Gilligan steht der Originalserie in nichts nach. Sie bringt, wie es ein guter Ableger tun sollte, sogar noch mehr Substanz in das Original. Wer die Geschichte verfolgt, wie und warum aus dem unscheinbaren James „Jimmy“ McGill der genauso windige wie charismatische Anwalt Saul Goodman wird, der könnte gewiss auch Gilligan's vorheriges Werk mit etwas anderen Augen betrachten. Zumal der Scheinwerfer nicht nur auf Saul gerichtet wird, sondern auch die schattige Vergangenheit von Mike, einem weiteren Fan-Favoriten. Die Serie beginnt, wo Breaking Bad für Saul Goodman (Bob Odenkirk) aufhört: er muss wegen seiner Verstrickungen mit Walter White ein neues Leben anfangen. Statt seines Anwaltsbüros findet er sich in einer zweitklassigen Saftbar wieder, statt Luxusapartment in einer heruntergekommen Wohnung. Dort lässt er in Form von Videokassetten mit seinen alten Werbespots die glorreiche Vergangenheit wieder aufleben.

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Buße für alte Sünden.

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Review | Kritik | Bewertung
Marvel's Daredevil (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Netflix
www.netflix.de/marvelsdaredevil

Marvel bläst jetzt auch zum Großangriff auf den Fernsehbildschirm. Neben den zeitlosen, vielfältigen Zeichentrickserien über die X-Men, Hulk, Avengers und Co. werden jetzt diverse Comics auch als Realserien präsentiert. Dabei soll ausgerechnet Daredevil dank einer Kooperation mit Netflix zum Erfolg auf den heimischen Bildschirmen geführt werden. Die Abenteuer des blinden Anwalts Murdock, der in seinem Stadtteil Hell's Kitchen als selbsternannter Rächer aufräumt und nebenbei noch sein Privatleben als behinderter Bürger auf die Reihe bekommen muss, scheint im derzeitigen Fernseh-Umfeld für einen solchen Serienauftritt ja wie geschaffen: Der Charakter ist so komplex wie sein soziales Umfeld und man kann sowohl Verschwörungen als auch sozialkritische Töne einfließen lassen. Dazu braucht man keine aufwendigen Kino-Effekte wie bei den Avengers, weil unser Held eben keine Blitze oder Raketen schleudert, sondern einfach nur seine Fäuste benutzt, ganz ohne grüne CGI-Muskeln. And Last but not Least erlaubt das Serienformat derzeit eine explizitere Gewaltdarstellung als das familienfreundliche Kino. Ein nicht zu unterschätzender Faktor.

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Geschichten aus der sozialen Schattenseite.

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Review | Kritik | Bewertung
Orange Is The New Black (2015)

Bewertung: 4,5 von 6
Studio: Netflix
www.netflix.com/orange

Netflix schwingt sich immer mehr zu einem ernsten Thronerben von HBO auf. Nicht nur mit House of Cards konnten sie einen echten Konkurrenten zum hochwertigen Serien-Franchise etablieren, auch andere Serien des Streaming-Dienstes können die Kritiker verzücken. Eine von ihnen ist Orange Is The New Black. In dieser Serie muss Piper Chapman (Taylor Schilling) ihr friedliches Mittelstandleben gegen eine enge Gefängniszelle tauschen. Ab sofort dreht sich ihr Leben beinahe ausschließlich um unappetitliches Essen, besetzte Duschen/Toiletten und um den Versuch, hier drin nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Doch gerade eben durch ihre Herkunft fällt sie auf wie ein bunter Hund. Denn wie der Titel bereits andeutet: Es ist nicht mehr exklusiv die Rassenproblematik, welche die Gefängnisse füllt. Vielmehr dominiert eine Art soziales Stigma das amerikanische Rechtssystem. Dementsprechend findet Piper viele unterschiedliche Typen an Menschen, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: sie stammen aus der Unterschicht.

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