Optik alleine macht kein Rennfeeling aus.

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Review | Kritik | Bewertung
DriveClub (2014)

Bewertung: 3,5 von 6
Hersteller: Sony Computer Entertainment
www.driveclub.playstation.com

Es dauerte schon eine Weile, bis der exklusive Playstation Titel DriveClub endlich auf den Markt kam. Obwohl er ursprünglich zeitgleich mit der PS4 erscheinen sollte, mussten die Entwickler ein ganzes Jahr länger an dem Rennspiel arbeiten. Eigentlich eine gute Entscheidung, um ein unfertiges Spiel zu verhindern, jedoch hat das leider nicht so ganz funktioniert. Die Entwickler von Evolution Studios hatten trotzdem mit einigen Problemen zu kämpfen, bis nach weiteren Updates dann alle Funktionen freigeschaltet werden konnten. Genau der richtige Zeitpunkt also, um dem Rennspiel eine zweite Chance zu geben. Grafisch setzt DriveClub natürlich seine Highlights, vor allem die sehenswerte Ausarbeitung der Wagen ist sehr beeindruckend. Hier haben die Entwickler keine Mühen gescheut, zu zeigen wie realitätsgetreu sich Sportwagen auf der Playstation 4 darstellen lassen, ohne jedoch individuelle Designs anzubieten. Im Vergleich zu anderen Rennspielen verzichtet man auf eine große Anzahl von Rennwagen im Standardrepertoire und bietet hin und wieder neue Wagen als bezahlbaren DLC.


Rein optisch zeigt sich das Game auch während des Rennens mit realistischen Schatten an den Wagen (abhängig von Sonnenstand und Witterung) von seiner besten Seite. Die Witterung in DriveClub war übrigens eines der letzten nachgereichten Updates, wobei sich das Warten echt gelohnt hat: bei keinem vorherigen Rennspiel war der Unterschied von trockener Straße bei Sonnenschein und dichtem Schneefall bei Nacht so gravierend und glaubhaft dargestellt wie hier. Insbesondere bei dynamischem Wetter beeindruckt der Wechsel grafisch wie fahrtechnisch. Was die Rennstrecken betrifft, wird man ebenfalls nicht enttäuscht. Zwar ist Landschaft und Publikum bei genauer Betrachtung nicht gerade top, aber wen interessiert das schon, wenn man derart schnell unterwegs ist? Hauptsache die Weitsicht ist überzeugend. Ähnlich der Wagenauswahl hält sich auch die Anzahl der Strecken in Grenzen und hätte gerne größer ausfallen können. Das Fahrverhalten der Rennwagen fühlt sich wunderbar realistisch an und seinen Fahrstil sollte man besser situativ anpassen. Das Gewicht des Wagens bei Kurvenfahrten wird sehr glaubwürdig umgesetzt. Beim Bremsen sieht das ein wenig anders aus, da man normalerweise längere Bremswege erwarten würde.

game-driveclubAllgemein sollte man sich jedoch stets gut überlegen, ob sich das Bremsen an bestimmten Stellen wirklich lohnt, da es hin und wieder vorkommt, dass die Berührung mit der Bande sogar Vorteile verschafft und bessere Rundenzeiten möglich sind. Zwar wird man hierfür mir Punkteabzug bestraft, jedoch wird sich im Nachhinein niemand beschweren, wenn so die Bestzeit aufgestellt wurde. Auch nehmen die Wagen bei Kollisionen keinen Schaden, der sich auf das Fahrverhalten auswirken würde, lediglich das Blech wird verkratzt. Diese typischen Arcade-Elemente mögen im ersten Moment für Unmut sorgen, allerdings darf man nicht vergessen, dass DriveClub in erster Linie auf Online-Rennen setzt. Hier wäre der Spaß denkbar gering, falls am Ende nur zwei bis drei Wagen ins Ziel kommen und der Rest mit defekten Wagen auf der Strecke bleibt. Für alle Konsolenzocker, die nicht vorhaben DriveClub online zu nutzen, bleiben noch die Modi Tour, Rennen, Driften und Zeitfahren. Beim Zeitfahren beispielsweise werden Online-Spieler mit Geisterwagen von anderen versorgt, was letztlich sehr motivierend ist, um aus jeder Kurve noch eine Zehntel Sekunde mehr zu kitzeln.

Teilweise kann man auch dazulernen, was die eigene Fahrweise betrifft. Wie gewohnt fährt man beim Rennen gegen die KI, wobei schnell klar wird, dass sich diese etwas eigenartig verhält. Sie fährt beinahe so, als wäre man nicht existent. Dabei kommt es leider ständig vor, dass man im Kurvenbereich plötzlich mit viel zu hohen Geschwindigkeiten überholt oder einfach von der Strecke geräumt wird. Sollte man dadurch in der Platzierung nach hinten gefallen sein, ist das nicht weiter schlimm, da die KI als scheinbar fairer Sportsmann nun langsamer wird. Eine solche Verhaltensweise ist in Rennspielen auch als „Gummibandprinzip“ bekannt. Zwar sorgt das für ein enges Fahrerfeld, jedoch ebenso für Langweile und Frustration wegen ständig gleichem, rücksichtslosem Fahrverhalten. Die KI entwickelt sich somit zu einem der größten Kritikpunkte an DriveClub. Ein anderer interessanter Modus ist die Tour. Hier bekommt man verschiedene Events vorgesetzt, in denen man unterschiedliche Herausforderungen erledigen muss, um an Belohnungen zu gelangen. Allgemein sind diese Tour-Events zwar abwechslungsreich, allerdings wird hier komplett auf eine unterhaltsame Story im Hintergrund verzichtet. Somit wirkt es eher unpersönlich. Neben den Standard Touren können später noch weitere erworben werden.

game-driveclub2DriveClub bietet online einige reizvolle Aufgaben, bei denen man entweder an bestehenden Herausforderungen teilnimmt oder selbst welche erstellt. Es wird zwischen Solo- und Clubherausforderungen unterschieden – mit Zeitfahren, Driften oder normalen Rennen. Um gegen andere zu spielen, gibt es den klassischen Multiplayer, der sehr gelungen erscheint. Auch ist hier (wie ich finde) positiv anzumerken, dass keine unnötigen Tuning-Optionen angeboten werden, genauso wenig wie Feineinstellungen an Traktion oder anderen Komponenten. Arcade eben. Wie schon erwähnt, werden Kollisionen mit anderen Wagen zwar mit Punkteabzug bestraft, während geschickte Überholmanöver und im Windschatten fahren eine Belohnung bringen. Je sauberer die Fahrweise, desto schneller könnte man also neue Inhalte freischalten, aber schon nach den ersten Rennen kümmert man sich nicht mehr über das höchst inkonsequente „Strafsystem“, da man von der KI durchgehend gerammt wird und selbst unverschuldet Punkte abgezogen werden.



redakteur-timo

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Timo Bohmann ist der Meinung...
Mit DriveClub erhält man ein gutes Rennspiel mit Schattenseiten. Zum einen sieht es toll aus. Das dynamische Wetter und zahlreiche Herausforderungen bringen Leben ins Rennen und alle Onlinemodi wirken gut umgesetzt. Auf der anderen Seite gibt es selbst nach der Komplettierung des Spiels mittels diverser Updates noch einiges zu kritisieren. Das überschaubare Angebot der Strecken und Wagen hätte größer ausfallen können und die KI enttäuscht leider auf ganzer Linie, weshalb man den Fokus auf Zeitrennen, Online-Rennen und Online-Herausforderungen setzt. Genau für diese Modi enthält das Rennspiel auch die Arcade-Elemente, ohne die ein faires Rennen nicht möglich wäre. Wer lieber offline spielt, wird an DriveClub vermutlich keinen allzu langen Spaß haben, da die charakterlose Tour schnell vorüber geht und es keinen Gegner gibt, mit dem man sich messen könnte. Genau davon lebt aber ein Rennspiel: ein ständiger Konkurrenzkampf zwischen Clubs und/oder Einzelspielern.

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