Allerhand Verständigungsschwierigkeiten.

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Ganes - Caprize (2014)

(3/6) Von Ganes hatte ich bisher nie gehört. Also schnell die CD eingelegt und anschließend große Augen bekommen... Das umschreibt in etwa die ersten zwei Minuten, als ich das Album Caprize auf den Tisch bekam. Meine erste Frage war natürlich: was ist das denn bitte für eine Sprache?! Auch hier wieder eine Überraschung. Die drei Damen aus La Val in den Dolomiten gehören zu etwa 30.000 Menschen, die „Ladinisch“ als Muttersprache haben. Elisabeth und Marlene Schuen plus Maria Moling sind aber keine Neulinge auf dem musikalischen Parkett. Nachdem sie mit Hubert von Goisern zusammen gearbeitet haben, formierten sie sich 2007 zu Ganes und Caprize ist bereits ihr viertes Albumrelease - wer hätte das gedacht. Musikalisch kann man die drei Südtirolerinnen nur sehr schwer einordnen, da sie sich einen ganz eigenen Weg gesucht haben.


Bass, Geige, Synthesizer, Schlagzeug und Gitarre - alles findet seinen Einsatz. Müsste ich einen Stempel auf dieses Album setzen, würde darauf wohl „exotisch“ stehen. Eine Sprache, die man nicht versteht, unterschiedlichste Instrumente und musikalische Elemente wie der Bossa Nova werden hier zu einer Einheit verschmolzen. Mit Bang Bang Bun bekommen wir dann aber doch noch die Chance, etwas zu verstehen. Der einzige englischsprachige Titel des Albums gliedert sich problemlos in das Gesamtbild ein. Was soll ich also sagen? Ich bin schon beeindruckt von dem, was die Ladies hier machen, aber wirklich vom Hocker reißt es mich nicht. Sie werden wohl eher eine Randerscheinung auf der großen Bühne der Musikszene bleiben, trotzdem ihre Liebhaber haben und auch weitere finden.
- Nicola Scheidler | www.ganes-music.com

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Kongos - Lunatic (2014)

(5/6) „Seid ihr die Tiffanys? – Nicht die, sondern einfach nur Tiffanys“. Wer die selbstironische Künstlerbiographie „Fleisch ist mein Gemüse“ kennt, wird sich bestimmt an diesen Satz erinnern. Die genannte Bierzelt-Rumpelband hatte immer Probleme mit dem ungewollten Hinzufügen des bestimmten Artikels durch Auftraggeber und Gäste. Ähnlich geht es offenbar auch jener Band, der ich mich im Rahmen dieser Review widme: Kongos. Wohlgemerkt nicht die Kongos, darauf legen die Musiker aus Südafrika großen Wert. Mit dem Kongo haben die Bandmitglieder aber auch nichts zu tun. Der Bandname ergibt sich einfach aus dem Nachnamen der Brüder: Dylan, Daniel, Jesse und Johnny Kongos.

Wenngleich die vier Jungs bereits seit 2007 gemeinsam Musik machen, erschien ihr Debütalbum Lunatic erst im Jahr 2012. Weitere zwei Jahre hat es dann schlussendlich noch gedauert, bis die Platte auch in Europa veröffentlicht wurde. Über zwölf Songs hinweg überzeugen die Südafrikaner mit ihrem sehr Drum-lastigen Indie-Rock, der gesanglich entfernt an Muse erinnert. Bereits der erste Track I’m Only Joking vermittelt einen guten Eindruck vom Stil der Band. Das darauf folgende Come With Me Now, die aktuellste Single-Auskopplung aus Lunatic, mischt Country-Sound mit Irish Folk und dem charakteristischen Drum-Beat, während I Want To Know etwas sanfter und leicht Reggae-lastig klingt. Selbst die leisen Töne beherrschen die Jungs aus Johannesburg meisterhaft, wie etwa bei der Ballade Travelling on. Alles in allem sind für mich Kongos ein ganz heißer Tipp für alle Fans von handwerklich sowie gesanglich gut gemachtem Indie-Rock.
- Markus Birner | www.kongos.com

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Oscar & The Wolf - Entity (2014)

(2,5/6) Wenn einem gleich zu Beginn der neuen Platte leicht psychedelisch angehauchte Klangwelten den Alltag entschleunigen, wird dafür schneller deutlich, was ein gewisser Max Colombie damit meint, wenn er den Sound auf Entity als etwas womöglich völlig anderes umschreibt, als das was man an Folk-Pop bisher so von der belgischen Band Oscar & The Wolf kannte. Als autodidaktischem Musikproduzenten liegt dem Singer-Songwriter die Experimentierfreude ohnehin im Blut und die Melancholie ganz offensichtlich am Herzen. Dies nur als kleine Vorwarnung, sollte man nicht gewillt sein, dass sich die insgesamt 12 Tracks des Albums auf die eigene Gemütslage auswirken. Als Inspirationsquelle nennt Colombie seine große Leidenschaft für die Filmwelt, wobei er Donnie Darko oder Das fünfte Element als persönliche Highlights nennt.

Irgendwie hört man dies dem Sound auch an und zu strömenden Regen in der Herbstlandschaft (die man momentan anfängt zu registrieren, wenn man aus dem Fenster sieht) passt das einleitende Joaquim als musikalische Untermalung gewissermaßen perfekt. Die Klangwelt von Entity bleibt aber nicht ausschließlich grau eingefärbt. An markant verzerrte Stimmen (Undress) und so manchen schiefen Ton muss man sich erst gewöhnen. Hat man dies geschafft, lässt sich auf Songs wie Somebody Wants You oder Princes reichlich Interessantes entdecken, denn die Soundarrangements sind vielschichtig und lassen den Hörer tief eintauchen, wenn man sich gedankenverloren darauf einlässt. Ich schwanke in meiner Meinung zu Entity sehr stark, weil das Album eben auch echt merkwürdige Tracks wie Under The Skin enthält, während das abschließende The Killer keine schlechte Nummer für alternative Musikgeschmäcker mit Hang zur Extravaganz darstellt. An Oscar & The Wolf scheiden sich ein wenig die (Fein)Geister.
- Alexander Riede | www.facebook.com/oscarandthewolf