Zur Musik tanzen und laut grölen.

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Fiddler’s Green - 25 Blarney Roses (2015)

(3/6) Fiddler’s Green werden 25 Jahre alt. Jene Band, die mich immer überzeugen konnte, wenn ich sie im Rahmen einer Tour live erleben durfte. Ehrlich gesagt habe ich die Musiker aber in den letzten zehn Jahren so ziemlich aus den Augen verloren, auch wenn die Erfolge mittlerweile für sich sprechen. Haben es die Erlanger Folk-Punker mit ihrem letzten Album Winners & Boozers aus dem Jahr 2013 doch sogar bis in die Top 10 der deutschen Albumcharts geschafft. Die zugewonnene Popularität und selbstverständlich das bereits erwähnte Jubiläum sind der Grund dafür, warum Fiddler’s Green nach nunmehr 13 Veröffentlichungen einen Überblick über ihre bisherige Schaffensphase geben wollen. Dieses Best of Werk trägt den Namen 25 Blarney Roses und erscheint dieser Tage. Ich lege die CD also in den Player und freue mich auf ein Karriere umfassendes Werk... Nach dem ersten Durchlauf macht sich aber große Enttäuschung breit. Die ersten 15 Jahre der Bandgeschichte werden kaum berücksichtigt.


Lediglich vom Debütalbum Fiddler’s Green (1992) findet man mit Rocky Road To Dublin und Blarney Roses immerhin zwei Song, die erstmals auch als Studioversion veröffentlicht wurden. Von den Folgealben wie etwa Black Sheep (1993), On And on (1997) oder meinem persönlichen Favoriten Nu Folk (2003) findet sich aber nicht ein Song auf der CD! Immerhin liefern die Franken mit Take Me Back und Burning The Night zwei brandneue Songs, die jedoch nicht überzeugen können. Im Grunde behandelt die Zusammenstellung die Post-Peter-Pathos Phase, jenem Gründungsmitglied, das 2006 der Band den Rücken kehrte. So ist es auch kein Wunder, dass 10 (!) der 17 Songs Teil der letzten drei Studioalben waren. Meiner Meinung nach verpassen Fiddler’s Green dadurch die große Chance, mit ihrem Best of Werk 25 Blarney Roses ihren neu hinzugewonnen Fans frühe Bandklassiker nahezubringen. Schade eigentlich, denn Songs wie Burn The Bridges, Tarry Trousers, Queen of Argyll oder der Live-Hammer Shut Up And Dance hätten sicherlich auch bei den neuen Anhängern zahlreiche Freunde gefunden.
- Johann Höng | www.fiddlers.de

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Jonathan Jeremiah - Oh Desire (2015)

(2,5/6) Authentisch, aber wenig ausdrucksstark. Mit seinem dritten Studioalbum Oh Desire setzt Jonathan Jeremiah auf Ruhe und die seltenen Momente der Stille. Das Intro One ist auch direkt ein Instrumentalstück, das hauptsächlich auf Streicher setzt. Die darauf folgenden Songs lassen klar erkennen, dass es sich hier um echten handgemachten Sound handelt - immer mit besonders viel Soul und Folk. Liebe und alle damit verbundenen Gefühlszustände, vor allem auch Verlangen ziehen sich als Thema durchgängig durch das gesamte Album. Musikalisch gibt es wenig zu bemängeln, die einzelnen Nummern sind gut arrangiert, es wird immer versucht die Stimme des Künstlers in den Vordergrund zu stellen. Vielleicht ist aber genau dies ein ungewolltes Manko: die Stimme von Jonathan Jeremiah besitzt meines Erachtens keinen echten Wiedererkennungswert, hat beinahe schon eine langweilige Wirkung.

In Kombination mit langsamen und häufig nachdenklich gestimmten Songs also eher einlullend. Herausnehmen möchte ich allerdings den Titel Smiling. Dieser stellt meiner Meinung nach eine wirklich gute Nummer dar, die nahezu perfekt arrangiert ist und den Hörer durchaus packt. Doch selbst wenn ich persönlich dem Briten die nötige Authentizität bescheinige, ist dieses Release eines jener Alben, die bei mir keinerlei nachhaltige Spuren hinterlässt. Es gefällt mir zwar, es begeistert mich nur nicht und es tut auch niemandem weh. Ich kann leider nicht sagen, wie Jonathan Jeremiah es hätte besser machen können, aber der berühmte Funke eines Oh Desire ist bei mir einfach nicht übergesprungen.
- Nicola Scheidler | www.jonathanjeremiah.com

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Ingested - The Architect of Extinction (2015)

(2/6) Je unleserlicher das Band-Logo, desto extremer die Musik. Mit dieser Weisheit bin ich bisher ganz gut gefahren, auch wenn ich feststellen musste, dass mir in den meisten dieser Fälle der Zugang zur jeweiligen Musik gefehlt hat. Bei Ingested aus Manchester trifft dies leider auch zu. Mit ihrem Brutal Deathcore erarbeiteten sich die fünf Jungs dennoch einen guten Ruf innerhalb der Szene. Die bisherigen Alben Surpassing – The Boundaries of Human Suffering (2009) und The Surreption (2011) sowie die EP Revered By No One Feared By All (2014) leisteten daran sicherlich den größten Anteil, jedoch ist die Band bei ihren Fans zudem für ihre kompromisslose Live-Show berüchtigt. Mit dem neuen Album The Architect of Extinction, welches dieser Tage bei Century Media erschienen ist, gehen die Briten den beschrittenen Weg unbeirrt fort.

Die Musik von Ingested enthält dabei typische Elemente des Death Metal, wie etwa die schweren, tiefgestimmten Gitarren, für welche sich die Herren Sean Hynes und Sam Yates verantwortlich zeigen. Das dominierende Element aber sind die dem Grindcore entstammenden schnellen, brutalen Passagen. Sänger Jason Evans grunzt sich dabei einen Wolf, dass einem regelrecht die Ohren bluten. Bestes Beispiel und gleichzeitig mein besonderer Anspieltipp für alle, die jetzt vielleicht neugierig geworden sind, ist der Opener The Divine Right of Kings, der für mich noch zu den gemäßigteren und somit zu den besseren Songs auf dem neuen Album The Architect of Extinction zählt. Über die komplette Spielzeit von vierzig Minuten fällt es mir jedoch unglaublich schwer, den vielen Rhythmus- und Geschwindigkeitswechsel im Sound von Ingested zu folgen, so dass im Nachhinein eigentlich kaum etwas hängen bleibt.
- Johann Höng | www.facebook.com/ingesteduk