Angepasste Unabhängigkeit in Liedform.

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Schmutzki - Bäm (2015)

(3/6) Wenn die drei Herren von Schmutzki (bei denen es sich keineswegs um zunächst vermutete osteuropäische Reinigungsmittel-Vertreter handelt, Anm. der Red.) „ihre Gegner weghauen mit positive brutality“, wird sich der eine oder andere verwundert die Augen reiben, während man vom übereifrigen Ringrichter angezählt wird. Lassen sich politische Statements allen Ernstes mit Gute-Laune-Sound vermitteln? Ist das überhaupt noch Punkrock, wie wir ihn kennen? Und wenn dem so ist, warum sehen die Stuttgarter mehr aus wie harmlose Schwiegermutter-Lieblinge denn „Problemkinder“ unserer Gesellschaft? Jegliche Spekulation und vorschnelle Schubladenkramerei erübrigt sich, hört man ihr Debütalbum Bäm in einem Stück. Live zu sehen sind Schmutzki übrigens diesen Sommer auf einigen Festivals, darunter auch das Taubertal Festival oder das Open Flair, bevor es ab Oktober auf die erste eigene Tour geht.


Tausende feierwütige Menschen dürften dann zu ihrem Opener Meine Party durch die Luft springen und auch sonst kommt keine Langeweile auf. Das Trio will mit seiner Musik hoch hinaus, wagte den abenteuerlichen Schritt in Richtung Berufsmusiker und könnte tief fallen wie beim Rodeo. Was man nicht hofft, schließlich steckt in Bäm ein unverkennbares Potenzial, das es gilt, in Zukunft weiter auszubauen. Also singen wir gemeinsam: „Weg mit Konsequenz und raus mit der Zuverlässigkeit.“ Es lebe die grenzenlose Naivität und die Kunst der Verdrängung hat schon so manches Leben optimiert, man muss lediglich bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen. Ironie schwingt stets mit, wenn Schmutzki beispielsweise Panik in der Dizze erzeugen, aber sie schmeckt einfach viel zu gut, die „Überdose Leben“, um deprimiert in der Ecke zu stehen. Wir bleiben drauf, bis auch Der Letzte in der Disko freiwillig das Feld räumt und mit zufriedener Miene den Heimweg antritt. Wohin die Reise der Band geht, bleibt spannend und abzuwarten. „Mainstream-Orientierung“ wurde vielfach an anderer Stelle kritisiert, nur braucht man sich daran kaum stören. Mein Tipp: reinhören und selbst entscheiden.
- Alexander Riede | www.schmutzki.de

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Bette Midler - It's The Girls! (2015)

(4,5/6) Die auf Hawaii geborene Sängerin und Schauspielerin Bette Midler, die in diesem Jahr bereits stolze 70 Jahre alt wird, bringt ein neues Album auf den Markt. Befasst man sich ein wenig genauer damit, ist es schon erstaunlich, was die zumeist sehr elegant anmutende Lady von Welt bislang so alles auf die Kino-Leinwand und eben auch auf Tonträger brachte. Weit über 30 Filme wurden mit ihrer Beteiligung gedreht. Beinahe nebenbei hat sie bislang 14 Studioalben veröffentlicht. Zugegebenermaßen ist das vorliegende It's The Girls! ein reines Cover-Album, was für gewöhnlich nicht zu meinen Favoriten gehört und dennoch bin ich schwer beeindruckt. Bette Midler schafft es bekannte Klassiker auf ihre Art zu interpretieren ohne dass auch nur irgendetwas von der ursprünglichen Faszination verloren geht.

Sie vermittelt uns mit Songs der Sorte Mr. Sandman, You Can't Hurry Love oder Bei mir bist Du schön das Gefühl längst vergangener Zeiten. Den einzelnen Songs wurde ein Stück Bette Midler eingehaucht, ohne dass die ursprünglichen Interpreten (wie The Supremes) in Vergessenheit geraten. Der amerikanische Superstar lässt diese All Time Classics neu aufleben, ruft sie uns noch einmal in Erinnerung und bietet damit 48 Minuten erstklassige Unterhaltung. Midler greift auf eine echte Band mitsamt Musikinstrumenten zurück und kann dadurch eben auch das Lebensgefühl der Ursprungszeit dieser Tracks perfekt einfangen. Und wie so häufig haben ihre Interpretationen ein bisschen den Charme einer Marilyn Monroe in sich, sie sind einfach immer etwas sexy. Bei aller Begeisterung muss ich aber als Kritikpunkt dennoch anführen, dass es sich eben "nur" um Cover-Versionen handelt. Nichtsdestotrotz... lieber ein gutes Cover, als ein schlechtes Original.
- Nicola Scheidler | www.bettemidler.com

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The Vaccines - English Graffiti (2015)

(4/6) Ich gestehe es lieber sofort: ich persönlich hatte bisher noch nie etwas von einer Band namens The Vaccines gehört, bevor ich deren neues (und tatsächlich schon drittes) Album für eine Kritik in die Finger bekam. Ohne also irgendetwas konkretes über die Londoner Indie-Rocker zu wissen, habe ich English Graffiti mit größtmöglicher Unvoreingenommenheit einem spontanen Soundcheck unterzogen. Bereits nach wenigen Sekunden war mir dann auch klar: das muss eine englische Band sein. Es ist schon erstaunlich, denn sie haben diesen speziellen Sound, den man eben nicht an jeder Straßenecke, sondern vorwiegend in London, Liverpool oder Manchester findet. Ein bisschen Indie hier, eine Prise guten alten 80ies Sound da und auch immer mit echten Instrumenten (selbst wenn der Synthesizer natürlich nicht fehlen darf) eingespielt. Wie würde ich das für eine bessere Beschreibung wohl nennen?

Am ehesten wahrscheinlich „Indie-Gitarren-Pop“. Man sollte Bands trotz ähnlichem Genre nicht sofort miteinander vergleichen, aber ganz ehrlich: die Jungs klingen in den meisten Stücken schon sehr nach Duran Duran. Ich für meinen Teil mag das natürlich, aber wirklich innovativ ist es einfach nicht. Und dennoch, es macht einfach Spaß, den talentierten Herrschaften beim gemeinsamen Musizieren zuzuhören. Das ist genau der richtige Sound, um bei den momentanen Temperaturen den Tag bei einem gemütlichen Bierchen auf der Terrasse ausklingen zu lassen. Der Unterhaltungswert ist auf jeden Fall gegeben, ein ganz großer Hit ist meines Erachtens diesmal nicht dabei, das Album wirkt mehr im Ganzen. Da bleibt lediglich abzuwarten, was die „Impfstoffe" (engl. Vaccines) in näherer Zukunft noch so abliefern werden und wovor sie uns eigentlich schützen wollen. Mein Fazit: durchaus funktionierender, Zielgruppen orientierter Indie-Pop der simplen Form.
- Nicola Scheidler | www.thevaccines.com