Soundcheck

Von Monstern und Helden.

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LAN - UROP (2014)

(3/6) Neben zahlreichen Inspirationsquellen und Querverweisen benötigt man schon eine gewisse Kreativität, will man "ambitionierten Nervensägen-Pop" machen, den sich das Publikum auch noch freiwillig anhören möchte. Mit Berlin ist das so eine Sache, mit Berliner Künstlern erst recht. Wer aber schon einmal die selbstgebastelte "Laserharp" des Trios LAN live im Einsatz zu sehen bekam, stellt keine weiteren Fragen und lässt sich nur allzu gerne auf ein experimentelles Klangerlebnis ein – sofern er oder sie dazu bereit ist, versteht sich. Mit UROP präsentieren LAN ihr zweites Studioalbum und der darauf enthaltene Sound setzt sich (wie im Video zu Say Hello visuell dargestellt) aus verschiedenen Puzzlestücken zusammen. Manchmal bewegt sich das Ergebnis auf einem schmalen Grat zwischen gewollter Eindringlichkeit und einem lästigen Eindringling in unser Bewusstsein (We Call It Love).

Weiterlesen: Soundcheck: LAN, Crimson Shadows, Taama

Die innere Unruhe nutzen.

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Smile And Burn -
Action Action (2014)

(4,5/6) Die Erwartungen sind groß... an die eigene Entwicklung als Band, an zunehmende Resonanz des Publikums, an mehr Anerkennung und letztlich gewiss auch ein festes Standbein in der Musikbranche, vielleicht sogar den Durchbruch. Mit dem Release ihres dritten Albums ist sämtliche Zurückhaltung gewichen und das merkte man Smile And Burn bereits auf ihrem Zwischenstopp auf dem diesjährigen Monster Bash an. Ein Titel wie Action Action beschreibt wohl bestens die Rahmenbedingungen und selbige in doppelter Hinsicht konnte man auch auf der Bühne live erleben. Eigentlich müsste der Sänger der Band eine besonders gute Unfallversicherung besitzen, angesichts des gezeigten Temperaments und einem gewissen Bewegungsdrang zu krachenden Punkrock-Nummern. Das ist definitiv ansteckend und passt wunderbar zu 12 neuen Songs. Nackt auf dem Sofa ausruhen können sich schließlich andere.

Weiterlesen: Soundcheck: Smile And Burn, King 810, Robert Plant

Markante Stimmwunder.

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Pentatonix - PTX (2014)

(4/6) Eine „Cover-Band“, die gleich von mehreren Major-Labels heiß umworben wird, ist schon höchst ungewöhnlich. Pentatonix sind jedoch mehr als das, was man im ersten Moment bei einem flüchtigen Blick auf die Trackliste ihres ersten Longplayers vermuten könnte. Die Gewinner der dritten Staffel von The Sing-Off, einem Showformat auf NBC, nutzen für ihre bemerkenswerten Interpretationen bekannter Songs nämlich keine Instrumente! Der Sound entsteht durch die stimmliche Vielfalt der US-amerikanischen A Cappella Formation, bestehend aus Kirstie Maldonado, Mitchell Grassi, Scott Hoying, Avriel Kaplan und Kevin "K.O." Olusola. Das Album PTX könnte abwechslungsreicher kaum sein und anfangs staunt man als interessierter Hörer nicht schlecht, wenn Pentatonix ein komplettes Daft Punk Medley aus sieben großen Hits (natürlich inklusive Get Lucky) auf die Beine stellen. Keine leichte Aufgabe und auch der Rest des Albums klingt richtig erfrischend, nachdem die Originale von den Radiostationen unlängst totgespielt wurden. Zu hören gibt es Clean Bandit’s Rather Be oder Passagen aus La La La von Naughty Boy feat. Sam Smith.

Weiterlesen: Soundcheck: Pentatonix, Livingston, Belphegor

Allerhand Verständigungsschwierigkeiten.

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Ganes - Caprize (2014)

(3/6) Von Ganes hatte ich bisher nie gehört. Also schnell die CD eingelegt und anschließend große Augen bekommen... Das umschreibt in etwa die ersten zwei Minuten, als ich das Album Caprize auf den Tisch bekam. Meine erste Frage war natürlich: was ist das denn bitte für eine Sprache?! Auch hier wieder eine Überraschung. Die drei Damen aus La Val in den Dolomiten gehören zu etwa 30.000 Menschen, die „Ladinisch“ als Muttersprache haben. Elisabeth und Marlene Schuen plus Maria Moling sind aber keine Neulinge auf dem musikalischen Parkett. Nachdem sie mit Hubert von Goisern zusammen gearbeitet haben, formierten sie sich 2007 zu Ganes und Caprize ist bereits ihr viertes Albumrelease - wer hätte das gedacht. Musikalisch kann man die drei Südtirolerinnen nur sehr schwer einordnen, da sie sich einen ganz eigenen Weg gesucht haben.

Weiterlesen: Soundcheck: Ganes, Kongos, Oscar And The Wolf

Zwischen Umbruch und konsequenter Fortsetzung.

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Interpol - El Pintor (2014)

(4/6) Fans von melancholischem Post Punk aufgepasst. Nach einer dreijährigen Auszeit gibt es endlich wieder neue Töne von Interpol zu vernehmen. Gemeint ist damit weniger die exekutive Organisation, sondern eine talentierte Rockband aus New York, deren musikalische Karriere mit zwei aufeinanderfolgenden Top 20 Releases in den USA, UK und Deutschland steil eigentlich nach oben zeigte. Our Love To Admire (2007) und das selbstbetitelte Interpol (2010) kamen hervorragend an beim internationalen Publikum, nur verließ Bassist Carlos Dengler die Band kurz nach der Veröffentlichung des letzten Albums aus persönlichen Gründen und man gab sich Zeit des Nachdenkens und der Ruhe.

Weiterlesen: Soundcheck: Interpol, Arkells, Melloy