Soundcheck

An der Gitarre rostet man nicht so schnell ein.

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Sierra Kidd - Kopfvilla (2013)

(4,5/6) Ein 17-jähriger, relativ unbekannter Musiker aus Emden mit einer prognostiziert steilen Karriereaussicht im Business... recht viel mehr Infos hatte man zu einem gewissen Sierra Kidd bislang eigentlich nicht. Dies änderte sich natürlich, als kürzlich ein Privatsender meinte, er müsse seiner journalistischen Aufgabe nachkommen und ein älteres Foto mitsamt richtigem Namen des Rappers veröffentlichen. Sierra Kidd bewies auch in seinen jungen Jahren schon Größe und bedankte sich für die Wahrung seiner Privatsphäre. Diese Haltung ist absolut deckungsgleich mit seiner Ausdrucksform auf der doch recht interessanten EP Kopfvilla.

Weiterlesen: Soundcheck: Sierra Kidd, Rustfield, Mastic Scum

Retro-Faktor und unnötige Nachrufe.

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Yip Deceiver - Medallius (2013)

(5/6) Aufgepasst, jetzt wird es so richtig 80ies! Für diesen musikalischen Flashback sorgt das aus Athens, Georgia stammende Elektro-Duo Yip Deceiver. Das Projekt hinter dem sich die Musiker Davey Pierce und Nicolas Dobbratz verbergen hat vor kurzem ein neues Album mit dem Titel Medallius veröffentlicht und als ich erstmals reinhören konnte, war ich etwas perplex. Es klingt schon sehr nach plastikhaft schrillem 80er-Jahre Synthie-Pop, es werden aber glücklicherweise nie die Grenzen des guten Geschmacks überschritten oder zu experimentelle Elektrogespinste geflochten. Gesanglich bleiben die Tracks ganz geschmeidig, die klanglichen Elektro-Spielereien sind kreativ, bunt und wirken manchmal wie der Konsum von Alice im Wunderland auf Speed.

Weiterlesen: Soundcheck: Yip Deceiver, Mike Oldfield, Ewigheim

Dunkle Schatten der Musiklandschaft.

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Daniel Schuhmacher - Diversity (2013)

(1/6) Nach dem Gewinn der sechsten Staffel von Deutschland sucht den Superstar stürmte die erste Veröffentlichung von Daniel Schuhmacher mit dem schlichten Titel The Album die Charts und kletterte direkt bis an die Spitze. Den Effekt kennt man bereits: jemand gewinnt eine Casting-Show und ist dann sofort ein medial präsenter „Superstar“. Ein wahrer Künstler mit ausreichend Starpotenzial muss sich allerdings in der Folge erst noch bewähren, was der 26-jährige Pop-Sänger nun mit seinem dritten Studioalbum Diversity versucht. Er selbst erklärt, dass er 2011 das Management gewechselt habe, um seine eigene Musik zu machen.

Weiterlesen: Soundcheck: Daniel Schuhmacher, Eisregen, Mike Oldfield

Musikalische Zeitreisen erlaubt.

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The 1975 - The 1975 (2013)

(3,5/6)  Aus den UK-Charts sind sie nicht mehr wegzudenken und auch in den Staaten konnten die Vorboten ihres aktuell veröffentlichten Debütalbums für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. The 1975 gibt es zwar nicht schon seit diesem vermeintlichen Gründungsjahr, doch immerhin macht die ehemalige Schülerband von Matthew Healy (Gesang, Gitarre), Adam Hann (Gitarre), George Daniel (Schlagzeug) und Ross MacDonald (Bass) seit mehr als 10 Jahren gemeinsam Musik. Viel wahrscheinlicher in den 80er Jahren die Kindheitstage verbracht, fühlt sich das Quartett aus Manchester sichtlich wohl im Soundgewand der damaligen Zeit, obwohl man sich laut eigener Angaben ungern in bestimmte Schubladen stecken möchte und erst am Anfang eines klanglichen Reifeprozesses steht. So stimmen The 1975 relativ ungeniert einen Lobgesang auf (offensichtlich herrlich unkomplizierte) urbane Beziehungsebenen an und holen damit so manche(n) Gleichgesinnte(n) ab: "If you wanna find love, then you know where the city is."

Weiterlesen: Soundcheck: The 1975, Eric Clapton, Apollo 3

Unerwartete Gäste und Gründe zu Feiern.

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Paulo Mendonça - Does Anybody Wanna Funk? (2013)

(4,5/6) "I'm a ladykiller what else can I say [...] gods gift to women / guess I'm heaven sent [...] all I need is a big booty bitch to go with it." So schlicht und geradezu unscheinbar das äußere Erscheinungsbild des Albums Does Anybody Wanna Funk? wirken mag, das Selbstbewusstsein eines Paulo Mendonça im Opener BBB überrollt einen förmlich, wenn man noch nicht viel über den Künstler weiß. Was für ein unverschämter Schelm am Mikrofon, dem die holde Damenwelt für seine mit einem offensichtlichen Augenzwinkern vorgetragenen Worte jedoch nicht besonders nachtragend sein dürfte. Paulo Mendonça ist kein Neuling in der Branche, legte nur in Sachen Releases eine 10-jährige Pause ein und weiß sehr genau, wie er seine Zuhörer dazu bringt, unweigerlich zum Takt mitzuzappeln (Me And My Friends).

Weiterlesen: Soundcheck: Paulo Mendonca, Kadebostany, Virgin Records